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Nach Rabatten muss man wieder suchen: Gießkanne hat ausgedient

- München - Frühaufsteher-Rabatt, Langschläfer-Rabatt, Euro-Rabatt, Fußball-WM-Rabatt: Vor einem Jahr schwappte eine Rabattwelle über Deutschland. Kaufhäuser und Bekleidungsgeschäfte lockten mit Preisnachlässen um 20, 30 oder 40 Prozent. Doch jetzt scheint die hohe Zeit für Schnäppchenjäger sich dem Ende zu nähern. "Wir wollen die großen Rabattschlachten nicht mehr mitmachen", betont etwa Karstadt-Sprecher Michael Scheibe. Die Zeit der Rund-um-Rabatte sei vorbei. Und auch andere große Einzelhandelsketten wollen weg vom Gießkannen-Prinzip.

<P>Die Neubesinnung hat mindestens zwei Gründe: Die Rund-um-Rabatte kommen die Unternehmen zu teuer. Und fast noch schlimmer: Sie haben nicht den gewünschten Effekt gebracht. Denn als die Unternehmen Bilanz zogen, war das Ergebnis verblüffend. Erfolg hatten in den vergangenen 18 Monaten nicht die Vorreiter der Rabattschlachten wie Karstadt oder Kaufhof, sondern Billiganbieter, die auf Dauerniedrigpreise setzten, wie Deutschlands drittgrößter Textilhändler C&A oder der Discounter Aldi. <BR>Während etwa Karstadt in seinen Warenhäusern 2002 trotz "Kaufregung" und einem "Bundestagswahl-Rabatt" einen Umsatzeinbruch von mehr als acht Prozent verzeichnete und Konkurrent Kaufhof ebenfalls über rückläufige Nachfrage klagte, klingelten bei C&A, der weitgehend auf Rabatte verzichtete, die Kassen. Der Umsatz stieg und der Gewinn verdreifachte sich. Aldi erzielte zweistellige Wachstumsraten und ist inzwischen still und heimlich auch zu Deutschlands siebtgrößtem Textilhändler geworden. </P><P>Kunden wissen: Billiger wird es nicht mehr</P><P>"Erfolgreiche Handelsunternehmen haben ganz die Finger von Rabatten gelassen", fasst Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des deutschen Einzelhandels denn auch die Lehre der vergangenen Monate zusammen. Denn die Rabattschlachten hätten die Verbraucher tief verunsichert. "Discounter sind erfolgreich, weil sie das Vertrauen der Kunden haben. Weil die wissen: billiger wird es nicht", meint er.</P><P>Inzwischen hat deshalb ein Umdenken bei den Marktführern eingesetzt. "Alle haben erkannt, dass das nicht mehr finanzierbar ist", heißt es bei Karstadt. "Wir wollen weg von der Gießkannen-Mentalität zu ganz gezielten Aktionen", sagt Simone Meyer von der zur Metro gehörenden SB-Markt-Kette Real. </P><P>Statt Rabatte für alle gibt es bei Real und Karstadt immer häufiger Angebote für eng begrenzte Zielgruppen unter den Stammkunden: für Familien, für allein stehende Berufstätige oder für Rentner. Die erhalten dann Coupons für den verbilligten Einkauf zugeschickt oder werden mit speziell für sie reservierten Öffnungszeiten gelockt - etwa am ersten Tag des Schlussverkaufs. Konsequent reduzierte das Unternehmen die Gutschriften, die Kunden beim Einkauf mit der Payback-Karte erhalten, von anfangs 1,5 Prozent auf heute durchschnittlich nur noch 0,5 Prozent. </P><P>Heißt es also schon bald völlig Rabatte ade? Wohl kaum. "Auch wenn sich die Lage beruhigt hat: Es gibt noch immer viel zu viele Rabatte", urteilt HDE-Sprecher Pellengahr. Der Druck durch die Konsumflaute sei noch immer zu groß. Erst am Freitag vergangener Woche senkte die Baumarktkette Praktiker mit einem Paukenschlag die Preise fast aller Artikel um 20 Prozent. Die Rabattjagd geht also weiter. Sie ist nur etwas schwieriger geworden. <BR></P>

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