Nach der Reform: Wer privat versichert ist, zahlt oft mehr

- Kaum zu glauben, aber Tatsache: Obwohl die seit Juli 2005 vorgesehene Beitragsverlagerung von den Arbeitgebern auf deren Beschäftigte nur ein Problem der gesetzlichen Krankenversicherung ist, büßen auch privat Krankenversicherte seither Geld ein - und ihre Arbeitgeber sparen. Aufs Jahr gesehen geht es um 192 Euro.

Der Grund: Die Arbeitgeber haben ihren privat krankenversicherten Mitarbeitern einen Beitragszuschuss zu zahlen, der sich am durchschnittlichen Beitragssatz der gesetzlichen Krankenkassen ausrichtet. Maßgebend ist der jeweils am 1. Januar des Vorjahres geltende Durchschnittssatz für das komplette Folgejahr. Dieser durchschnittliche Beitragssatz machte am 1. Januar 2004 noch 14,3 Prozent aus. Zum 1. Januar 2005 ist er auf 14,2 Prozent gesunken. Und seit dem 1. Juli 2005 beträgt er für die Berechnung des Beitragszuschusses nur noch 13,4 Prozent.

Dadurch hat sich der Beitragszuschuss des Arbeitgebers - ein monatliches Gehalt von mindestens 3525 Euro unterstellt, das ist Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Krankenversicherung - von 252,04 Euro auf monatlich 236,18 Euro vermindert.

Höchstens muss die Firma allerdings auch nur die Hälfte des Beitrags zahlen, den der Mitarbeiter für seine private Krankenversicherung tatsächlich aufzubringen hat. Das ergibt Nachteile vor allem für ältere Arbeitnehmer, deren Krankenversicherungsbeitrag den für die gesetzlichen Kassen häufig übersteigt.

Der Arbeitgeber überweist seine nun möglicherweise kleinere "Hälfte" nicht der Kasse, sondern dem Mitarbeiter, der seinerseits den vollen Beitrag an seine private Krankenversicherung zahlt.

Das bedeutet, rund gerechnet: Wenn die Firma zum privaten Krankenversicherungsschutz ihrer Angestellten und Arbeiter nur noch maximal 236 Euro statt 252 Euro pro Monat beizusteuern hat, so spart sie pro Jahr zwölf Mal (252 minus 236 =) 16 Euro = insgesamt 192 Euro. Derselbe Betrag schlägt sich als Minus in den Kassen der Privatversicherten nieder.

Allerdings hat auch der Arbeitnehmer die Möglichkeit, seine Kostenbelastung zu reduzieren, indem er zum Beispiel über eine höhere Selbstbeteiligung oder durch Verzicht auf bestimmte Leistungen einen günstigeren Tarif bei seiner Krankenversicherung wählt.

Wer sich wegen seines hohen Gehalts privat versichern könnte, aber freiwillig in einer gesetzlichen Kasse bleibt, erhält vom Arbeitgeber als Beitragszuschuss die Hälfte des Beitrags, der - wäre er versicherungspflichtig - an die Krankenkasse abzuführen wäre. Hier kommt es also nicht auf den durchschnittlichen Beitragssatz aller Krankenkassen, sondern auf den jeweils erhobenen Satz der Krankenkasse an. Das ist ein Vorteil.

Auch hier gilt aber die Regel: Der Arbeitgeber muss maximal die Hälfte des Beitrags beisteuern, den sein Mitarbeiter an die gesetzliche Krankenkasse tatsächlich überweist. Die "Freiwilligen" werden seit Juli 2005 über ihren bisherigen Beitragsanteil hinaus zusätzlich mit 0,45 Prozentpunkten belastet. Entsprechendes gilt aber auch für die pflichtversicherten Arbeitnehmer des Betriebes (mit regelmäßigen Verdiensten unterhalb von 3.525 Euro monatlich).

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