Nach dem Schreck: Fallender Ölpreis dämpft Absturz der Aktien

- London/Frankfurt - Anfangs war nach den Explosionen in der Londoner U-Bahn noch von einem möglichen Kurzschluss die Rede. Doch viele Börsianer befürchteten einen Anschlag und behielten Recht. Mit den Schreckensnachrichten aus London gingen die Kurse in ganz Europa in die Knie - erholten sich aber wieder deutlich.

So fiel der Dax wie ein Stein an der Marke von 4500 nach unten. Beim Tief von 4444,19 Punkte machte das Börsenbarometer kehrt. Noch einmal testete der Index die Marke von 4450, dann ging es allmählich wieder aufwärts.Ähnlich die Entwicklung beim britischen Financial-Times-100-Index. Er sackte zunächst um insgesamt vier Prozent ab auf 5022,10. Auch dieser Index erholte sich später wieder. Am stärksten traf es Aktien, die auf solche Einflüsse stark reagieren: die Rückversicherer und die Tourismus-Branche. Münchener Rück lagen bei ihrem Tiefpunkt um mehr als 5,6 Prozent im Minus. Später erklärte eine Unternehmenssprecherin, die Münchener Rück sei wirtschaftlich von den Anschlägen "nicht betroffen". Doch schon vorher hatte die Aktie wieder Boden gutgemacht. Tui-Papiere notierten beim Tagestiefpunkt gegen 12.30 Uhr sogar um knapp 8,2 Prozentpunkte unter dem Vortagesstand.Parallel geschah etwas, was auch schon bei den Anschlägen vom 11. September 2001 der Fall war, damals aber kaum wahrgenommen wurde. Der Ölpreis gab spürbar nach - und das nahm Druck von den Aktienmärkten. Vor den Explosionen in London haben erneute Rekordstände beim Ölpreis bereits die Aktienmärkte belastet. Auch war absehbar, dass die Opferzahl deutlich unter der vergleichbarer Anschläge in der Vergangenheit lag."Die Anschläge vom 11. September 2001 haben die Weltlage verändert, aber weder die US-Wirtschaft noch die Lebensverhältnisse dort aus der Bahn geworfen", erklärte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der HypoVereinsbank. Allerdings rechnet er damit, dass die Normalisierung eine Weile brauchen wird.Peter Worel von der Bayern LB spricht von einem Schock, "der sich abbaut, wenn es keine neuen Anschläge gibt". So hält er die Auswirkungen an den Märkten für nicht nachhaltig. Doch könnten die Terroranschläge eine Unsicherheit auslösen, die dazu führen könne, "dass negative Nachrichten stärker wahrgenommen werden". Wichtig sei, "was insbesondere Konjunkturdaten und der Ölpreis im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Unternehmensgewinne bringen".Tammo Greetfeld, Aktienstratege der HVB, rechnet damit, dass die Anschläge "nur kurzfristig belasten" und nichts an der mittelfristigen Entwicklung ändern werden. Zum Jahresende prognostiziert er beim Dax einen Indexstand von 4800. Auch kurzfristig erwartet Greetfeld keinen dramatischen Einbruch. Der Dax sei "bei 4400 Punkten gut unterstützt". Allerdings hält er es für möglich, dass der Index zwischenzeitlich unter die gestern erreichten Tiefstände bei 4450 fällt.Der Ölpreis nahm einen ähnlichen Weg wie die Kurse der Aktien. Vom Höchststand in New York bei 62,10 Dollar pro Barrel stürzte er um 7,9 Prozent ab auf 57,20, stieg dann aber wieder auf 60,66 Dollar. Doch auch damit blieb der Preis deutlich unter dem Vortagesschluss.Den umgekehrten Weg nahm die Krisenwährung Gold. Der Preis des Edelmetalls legte anfangs markant zu, ging dann aber wieder zurück und lag mit 426,20 Dollar pro Feinunze am späten Nachmittag nur noch um 40 US-Cent über dem Vortagesstand.

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