Nach sieben Tagen Streik gehen Opelaner wieder an die Bänder

- Bochum - Die Bochumer Opel-Arbeiter haben nach sieben Tagen ihren wilden Streik gegen den geplanten drastischen Stellenabbau beendet. Eine deutliche Mehrheit von 4600 der insgesamt 6400 Beschäftigten stimmte für die Wiederaufnahme der Arbeit. Die Bänder liefen noch am Nachmittag wieder an. Unterdessen musste mit dem britischen Ellesmere Port ein weiteres Werk des Mutterkonzerns General Motors die Produktion wegen fehlender Teile aus Bochum einstellen.

<P>Opel bezifferte den bisherigen Produktionsausfall auf 6500 Autos. Angaben über den entstandenen Schaden machte das Unternehmen nicht. Alle stillstehenden Werke sollen nun so schnell wie möglich wieder laufen. Opel Antwerpen will die Produktion heute wieder aufnehmen, das Stammwerk Rüsselsheim erst am Montag. Wann bei Vauxhall in Ellesmere Port wieder gearbeitet werden kann, war zunächst unklar. Es werde einige Zeit dauern, bis Lieferungen aus Bochum einträfen, sagte ein Sprecher. Rein rechnerisch ergibt sich aus der Zahl von 6500 nicht gebauten Autos ein Umsatzausfall von rund 100 Millionen Euro.</P><P>1700 Bochumer Opel-Beschäftigte stimmten für eine Fortsetzung der Arbeitsniederlegungen, sagte Betriebsratschef Dietmar Hahn nach der Abstimmung. Die Frage an die Belegschaft lautete: "Soll der Betriebsrat die Verhandlungen mit der Geschäftsführung weiterführen und die Arbeit wieder aufgenommen werden?" Die Frage sei vom Betriebsrat und nicht von dem Management formuliert worden, betonte Hahn unter Hinweis auf die Verknüpfung der beiden Aspekte. Streikbefürworter hatten die Fragestellung kritisiert.</P><P>Das Vauxhall-Werk, in dem rund 3000 Arbeiter das Modell Astra herstellen, musste stoppen, weil in Bochum gefertigte Teile ausgingen. Am Vortag musste bereits die Produktion im belgischen Antwerpen und im Hauptwerk Rüsselsheim gestoppt werden. In Rüsselsheim werden bis einschließlich Freitag Freischichten eingelegt. Auch Opel in Kaiserslautern hätte heute die Produktion einstellen müssen, wenn sich die Bochumer für eine Fortsetzung ihrer Proteste entschieden hätten.</P><P>Die Bochumer Opelaner protestierten seit vergangenem Donnerstag gegen den geplanten massiven Stellenabbau. Sie forderten einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. In Deutschland sollen 10 000 Opel-Stellen gestrichen werden, davon jeweils 4000 in Bochum und Rüsselsheim. In ganz Europa will der amerikanische Mutterkonzern insgesamt 12 000 der 63 000 Arbeitsplätze streichen.</P><P>Ein richtiges Signal der Belegschaft</P><P>Von der Opel-Führung hieß es, das Management in Bochum und die Betriebsräte verdienten Anerkennung für ihren Umgang mit der Situation. "Wir möchten allen für die heute erreichte Entscheidung danken und sehen der weiteren Arbeit mit den Betriebsräten und der Bochumer Belegschaft nun mit Zuversicht entgegen." Auch IG-Metall-Chef Jürgen Peters begrüßte die Wiederaufnahme der Arbeit. "Das ist ein richtiges Signal der Belegschaft, das jetzt die Möglichkeiten für Verhandlungen eröffnet, die schwierig genug werden." Auch die Bundesregierung machte sich erneut für eine Verhandlungslösung stark. Bundeskanzler Gerhard Schröder begrüßte die "kluge Entscheidung". Die Verhandlungen müssten nun das Ziel haben, die Standorte und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten.</P>

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