Nach Sieg über Brüssel gibt Alstom Siemens einen Korb

- Paris - Der Staat verriegelt als Aktionär das Kapital, Siemens bleibt erst einmal draußen und die Banken finanzieren den Rest: Alstom, der französische Bahn-, Werft- und Elektrotechnik-Konzern, bekommt mit seinem Rettungsplan alle Wünsche erfüllt.

<P>Ein Einspruch der Banken, der EU-Kommission oder der Aktionäre in letzter Minute gegen den Rettungsplan erscheint unwahrscheinlich. Das hoch politisierte Thema ist zu heikel und zu wichtig für Frankreich.<BR><BR>Brüssel hatte schon am Dienstag sein grundsätzliches Einverständnis signalisiert. Die Gläubigerbanken sind überwiegend französische Institute, die nach Einschätzung der Pariser Finanzpresse kaum "nein" sagen können. Und die Aktionäre können sich freuen, dass ihr Unternehmen weiter mit Kapitalspritzen von außen auf den Beinen gehalten wird.<BR>Bluten müssen vor allem die französischen Steuerzahler, die zwangsläufig von Sanierungsschnitten betroffene Belegschaft - und Konkurrenten wie Siemens, denen Alstom dank der staatlichen Finanzhilfen und Bankgarantien weiter weltweit Aufträge abjagen kann.<BR><BR>Alstom ist ein zentrales Wahlkampfthema in Frankreich, und die Europawahlen werden als entscheidend für die Regierung angesehen. Gibt es erneut eine Schlappe wie bei den Regionalwahlen im März, dann sind die Tage von Premierminister Jean-Pierre Raffarin gezählt. In dieser Situation kämpft die Regierung mit größtem Einsatz um ihr "Industriejuwel".<BR>Alstom-Chef Patrick Kron trat am Mittwoch auf, als diktiere er die Bedingungen der Konzernsanierung. "Wir haben eine Aufspaltung abgelehnt, solange wir schwach sind", sagte er. "Ich sehe nicht ein, warum wir das akzeptieren sollten, wenn wir uns verstärkt haben." Bei den zugesagten Partnerschaften werde Alstom nicht in der Minderheit sein. Die Gruppe sei schließlich "keine Finanzholding", befand Kron.<BR><BR>Zugleich machte Kron deutlich, dass eine Verbindung mit dem deutschen Konkurrenten Siemens kategorisch ausgeschlossen sei. Alstom werde sich zwar in den kommenden Jahren, wie von der EU-Kommission verlangt, für Fremdbeteiligungen öffnen. Eine Verbindung mit Siemens gleich welcher Art werde es nicht geben.<BR><BR>Ein Siemens-Sprecher wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. Sobald das Gesamtpaket in Brüssel verabschiedet sei, werde Siemens dies sorgfältig prüfen, sagte er. Dem Münchner Elektronikkonzern wird ein Interesse am Turbinengeschäft des französischen Industriekonzerns nachgesagt. Auch der schwedisch-schweizerische Konzern ABB hat inzwischen Interesse daran bekundet.<BR><BR>Wirtschaftsminister Nicolas Sarkozy organisiert nach dem Sieg in Brüssel Gespräche mit den Banken - und Besuche bei den Alstom-Werken La Rochelle und Belfort. Industriepolitik sei "eine Sache des Willens", sagte Sarkozy. Alstom könne nun vier Jahre lang "seine Bilanz sanieren, Marktanteile gewinnen und am Ende Industrieabkommen schließen".<BR><BR>Auch Raffarin freute sich über "die schönen Verhandlungen" mit Brüssel. "Wir haben entschlossen gekämpft", sagte er im Rundfunk. Die von der EU zugestandene Frist von vier Jahren für Partnerschaften "gibt uns die Zeit, aus Alstom einen europäischen Champion zu machen".<BR><BR></P>

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