Nach Tchibo-Einigung: Alle Blicke auf Beiersdorf

- München/Hamburg - Seit die Eigentumsverhältnisse beim Kaffeeröster Tchibo dauerhaft geklärt sind, richtet sich der Blick der Finanzmärkte verstärkt auf den Nivea-Hersteller Beiersdorf. Seit mehr als zwei Jahren bemüht sich Tchibo vergeblich, seinen Anteil an dem ertragreichen Hamburger Kosmetikkonzern von 30 auf mehr als 50 Prozent aufstocken. Doch die Münchner Allianz, die sich angeblich von ihrem 44-Prozent-Paket an Beiersdorf trennen will, hat sich bislang gesperrt und mit Tchibo nie ernsthaft verhandelt. Nun könnte frischer Wind in die langwierige Sache kommen.

<P>Die Herz-Familie hatte am Montag ihren jahrelangen Streit beendet und ihre Anteile an Tchibo aufgeteilt. Der Kaffeekonzern gehört nun zu je 34 Prozent den Brüdern Wolfgang und Michael Herz, zu jeweils 15 Prozent Joachim Herz und der Mutter der Geschwister, Ingeburg Herz (wir berichteten).</P><P>Die Beiersdorf-Spezialisten sind sich nicht einig, ob die Einigung der Herz-Familie nun die Chancen für Tchibo bei dem Kosmetikkonzern gesteigert hat. Der gute Wille, weitere Anteile zu erwerben, sei jedenfalls unverändert vorhanden, sagt Tchibo-Aufsichtsrat Ulrich Meinecke von der Gewerkschaft Verdi. "Michael Herz hat glaubhaft machen können, dass sowohl die Mittel als auch der Wille zum Erwerb weiterer Beiersdorf-Anteile vorhanden sind." Auch Aktienanalyst Michael Mantlik von der Vereins- und Westbank sieht Tchibo am längeren Hebel. "Mit ihrem Anteil von 30 Prozent kann Tchibo jeden Großaktionär erfolgreich blockieren."</P><P>Deshalb seien die Spekulationen um den Einstieg von LOreal, Procter & Gamble, Henkel oder Unilever wenig wahrscheinlich.<BR>Die Allianz will bis zum Jahresende ihre Beteiligungen noch einmal überprüfen und dann über mögliche Verkäufe entscheiden. Der Versicherungsriese hat bislang im Fall Beiersdorf jede Festlegung vermieden. Nach Einschätzungen aus der Branche ist der Verkaufsdruck für die Allianz seit Jahresbeginn kleiner geworden. Der Konzern habe seine Kapitalbasis gestärkt und die Börsen haben sich erholt.</P><P>Vor allem bei Beiersdorf wäre man froh über ein klärendes Wort aus München. Vorstandschef Rolf Kunisch drängt auf Klarheit, weil die jahrelange Unsicherheit mittlerweile zu Problemen führe, zum Beispiel bei der Anwerbung von Führungspersonal. Denn wenn ein ausländischer Großkonzern das Hamburger Unternehmen übernimmt, um an die lukrative Weltmarke Nivea zu kommen, dürfte nach Einschätzung aller Experten für Beiersdorf die letzte Stunde schlagen. Mit dem Rückenwind einer Tchibo-Mehrheit dagegen ist der Konzern reif für den Aufstieg in den Deutschen Aktienindex Dax.</P>

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