Nach Unfall: Schaden selbst zahlen oder Versicherung einschalten?

- Ein Augenblick der Unachtsamkeit, ein falsches Abschätzen der Distanz beim Einparken ­ schnell hat der Autofahrer einen Schaden von ein paar Hundert Euro an einem anderen Wagen verursacht. Dafür tritt die Kfz-Haftpflichtversicherung ein. Doch nicht immer ist es ratsam, die Versicherung zahlen zu lassen. Wer kleinere Schäden selbst zahlt, kommt oft günstiger weg, weil die Versicherung den Fahrzeughalter zurückstuft.

Beitrag steigt

Nach einem von der Versicherung regulierten Unfall kürzt diese in der Regel den Rabatt. Und das kann über die Jahre hinweg deutlich teurer werden, als einen Bagatellschaden selbst zu begleichen. Etwa 35 Prozent aller Schadensummen liegen unter 1500 Euro. Stiftung Warentest hat untersucht, bis zu welcher Summe es sich bei den Versicherungen lohnt, den Schaden aus eigener Tasche zu zahlen. Wie stark die Rückstufung im Einzelfall ist, hängt von der Höhe des Jahresbeitrags und der vor dem Unfall erreichten Schadenfreiheitsklasse ab.

Ein Beispiel

Ein Autofahrer mit der Schadenfreiheitsklasse 2 zahlt 1000 Euro für seine Autoversicherung im Jahr. Der Beitrag würde nach der Rückstufung wegen eines von der Versicherung bezahlten Unfallschadens auf 1647 Euro steigen. Ohne den Unfall erhielte der Fahrer einen zusätzlichen Rabatt im Folgejahr und müsste nur noch 824 Euro zahlen, im zweiten Jahr nach dem Unfall würde der Beitrag ohne Regulierung auf 706 Euro sinken.

Hat die Versicherung den Schaden bezahlt, sind nach zwei Jahren noch 1176 Euro Jahresbeitrag fällig. Erst im 23. Versicherungsjahr nach dem Unfall würde laut "Finanztest" der Fahrer den Schadenfreiheitsrabatt erreichen, den ihm die Versicherung ohne den Schaden schon längst gewähren würde. Der Unfall würde ihn bei konstantem Beitrag über die Jahre insgesamt 2765 Euro mehr kosten. Daher lohnt es sich, einen Schaden, der darunter liegt, selbst zu begleichen, anstatt die Versicherung zahlen zu lassen.

Rückkauf

Bei kleineren Beträgen ist die Kfz-Haftpflichtversicherung verpflichtet, ihren Kunden über den Betrag zu informieren, den der Unfallgegner erhält. Nachdem der Versicherer dem Kunden die Schadenshöhe mitgeteilt hat, bleibt ihm sechs Monate Zeit, den Schaden "zurückzukaufen". Indem er das Geld an die Gesellschaft überweist, kann er seinen bisherigen Schadenfreiheitsrabatt behalten.

Auch in der Vollkaskoversicherung ist inzwischen so ein Schadenrückkauf bei vielen Versicherungen möglich.

Wechsel des Anbieters

Die Preisunterschiede bei Kfz-Policen sind enorm. Gerade nach einem Unfall lohne sich der Wechsel zu einem anderen Anbieter, schreibt "Finanztest". Allerdings könne es für Autofahrer mit zu vielen Vorschäden schwer werden, auch eine Kaskoversicherung zu finden. Anders als in der Haftpflicht sind die Autoversicherer nicht verpflichtet, jedem Kunden Kaskoschutz zu verkaufen.

Mit dem Wechsel können sich Versicherungsnehmer bis zum Ende der Vertragslaufzeit Zeit lassen. Denn die Preiserhöhung durch die Rückstufung kommt erst mit der nächsten Jahresbeitragsrechnung. Die meisten Verträge enden Ende Dezember. Die Kündigung muss daher bei Ende November beim Versicherer sein.

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