Nach Walter-Kollaps: Kampf um Züblin

- München - Am Bau bahnt sich ein Übernahmekampf um die Stuttgarter Züblin an. Sowohl die Kölner Strabag als auch die Industriellenfamilie Lenz greift nach der Mehrheit an ihr. Die Schlüsselrolle fällt dabei der Bayern LB zu. Der Kollaps der Augsburger Walter Bau hat Bewegung in die leidende deutsche Bauwirtschaft gebracht. Als Folge dieses Zusammenbruchs bahnt sich nun ein Übernahmekampf um die Stuttgarter Züblin an, die Nummer fünf der heimischen Baubranche. Nach der Mehrheit greift der Bauriese Strabag. Das sagte Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner der "Süddeutschen Zeitung". Geplant sei eine Züblin-Strabag AG, deren Sitz in Stuttgart sein könne.

<P>Diesen Preis sei er bereit zu zahlen, sagte Haselsteiner. Die deutsche Strabag-Tochter ist der drittgrößte Baukonzern Deutschlands mit Sitz in Köln.<BR><BR>Gegen diese Fusion sperrt sich allerdings die Familie Lenz, die 43 Prozent an Züblin besitzt. Bereits gesichert hat sich Strabag knapp fünf Prozent an den Stuttgartern. Nach dem Kollaps von Walter Bau hat Haselsteiner mit dem Insolvenzverwalter Werner Schneider nicht nur die Übernahme großer Teile von Walter Bau vereinbart, sondern auch den Anteil an Züblin, der in der Insolvenzmasse war.<BR><BR>Über die restlichen und damit entscheidenden Züblin-Anteile gebietet die Münchner Bayern LB, der die Aktien nach der Walter-Bau-Pleite als Pfand zugefallen sind. Die steht Gesprächen mit Interessenten nach eigenem Bekunden aufgeschlossen gegenüber. Beim Verkauf der Züblin-Anteile sei das Ziel "eine sinnvolle unternehmerische Lösung im Interesse von Züblin und deren Mitarbeitern sowie der gesamten deutschen Baubranche". Diese Formulierung legt nahe, dass die Bayern LB nicht gegen den Willen der Familie Lenz verkauft, um so nicht einen Riss durch das als gesund geltende Bauunternehmen zu riskieren. Dazu wollte sich die Bayern LB aber nicht ausdrücklich bekennen. Die Bayern schweigen sich auch darüber aus, ob überhaupt schon konkrete Verkaufsgespräche laufen. Haselsteiner will dagegen schon mit der Bayern LB und auch Züblin gesprochen haben. <BR><BR>Lenz indes will selbst mit Hilfe eines US-Finanzpartners die Mehrheit an Züblin übernehmen. Ein Konzept dazu soll demnächst vorgelegt werden. Sollte es trotz dieser widersprüchlichen Interessen zur von Strabag gewünschten Fusion kommen, würde dadurch hierzulande ein neuer Bauriese geschmiedet, der die Nummer drei bis fünf der Branche zusammenführt. <BR><BR>Indessen müssen die Mitarbeiter von Walter Bau mit einem weit größeren Stellenabbau rechnen als bislang geplant. Die Strabag werde wohl nicht 4100 der gut 9000 dortigen Stellen übernehmen, wie Mitte Februar mit dem Insolvenzverwalter vereinbart, räumte Haselsteiner ein. Weil Auftraggeber viele Baustellen von Walter mittlerweile gekündigt hätten, sei nur die Rettung von "mehr als 3000 Arbeitsplätzen" möglich.</P>

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