Nach der Wirtschafts-Schrumpfung: Hinterm Horizont geht es weiter

- Wiesbaden - Zum zweiten Mal nach der Wiedervereinigung ist die Wirtschaft im vergangenen Jahr geschrumpft: Mit einem Minus von 0,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wurde selbst "der untere Erwartungshorizont" unterschritten. Dies stellte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen, fest. Immerhin: Nach drei tristen Jahren rechnen die Experten für das Jahr 2004 wieder mit Wachstum.

<P><P>"Es deutet sich eine schwache Erholung an. Wir haben positive Signale", sagte Hahlen. Die kämen vor allem aus der Bauindustrie und von den Ausrüstungsinvestitionen. "Die Unternehmen sind wieder bereit zu investieren", sagte der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Michael Heise. "Die Erholung hat in Deutschland schon begonnen." <P>Der Irak-Krieg, der Einbruch der Weltkonjunktur sowie die Verunsicherung von Verbrauchern und Firmen hätten im vergangenen Jahr die Konjunktur belastet. Bereits zum Jahresende 2003 sei die Wirtschaft aber wieder deutlich in Fahrt gekommen. Die Mini-Rezession der ersten beiden Quartale (jeweils minus 0,2 Prozent) wurde aufgeholt. <P>Jetzt sehen die Ökonomen Licht am Ende des Tunnels. Sie prognostizieren für 2004 ein Plus von 1,5 bis 2 Prozent - das ist mehr als in den vergangenen drei Jahren zusammen. Die Hoffnungen gründen sich dabei vor allem auf den Export, der vom kräftigen Aufschwung der Weltwirtschaft profitieren wird. <P>Genau dieser Konjunkturmotor birgt aber auch die größte Gefahr für das zarte Pflänzchen Aufschwung: Der steigende Euro-Kurs dämpft den Export, weil ausländische Käufer mehr Dollar für Waren "Made in Germany" zahlen müssen. Für den Export-Weltmeister Deutschland eine Belastung. In der vergangenen Woche hatte der Euro bereits die Schwelle von 1,29 Dollar erreicht. Sorge bereitet vor allem das Tempo, in dem der Euro seit Dezember 2002 um rund 20 Prozent zulegte. <P>Die Rolle des Exports als Konjunkturlokomotive scheint aber begrenzt: 2003 ergab sich ein negativer Außenbeitrag - der Saldo aus Exporten und Importen von Waren und Dienstleistungen - von 0,2 Prozentpunkten. Im Vorjahr hatte der stark gestiegene Exportüberschuss von 101 Milliarden Euro einen positiven Außenbeitrag von 1,7 Prozentpunkten für das Wirtschaftswachstum erbracht und damit ein Abrutschen in die Rezession knapp verhindert. <P>Der gegenwärtige Aufschwung wird von den Unternehmen getragen - und nicht von den Konsumenten, die ihre Geldbeutel nur schmal öffnen. Neben der hohen Arbeitslosigkeit ist nach Ansicht der Ökonomen auch die abgespeckte Steuerreform dafür verantwortlich. "Keiner weiß, was ihm die Steuerreform gebracht hat und wieviel Geld er mehr in der Tasche hat", sagt Volkswirt Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. <P>Den Konjunkturimpuls der Reformbeschlüsse beziffert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) lediglich auf 0,2 Prozentpunkte - zu wenig, um die Konjunkturschwäche zu durchbrechen. Auf den Konsum entfallen immerhin 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. <P></P>

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