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Mehr als in jeder anderen deutschen Stadt: Immobilien-Preise in München gehen stark zurück

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Von: Andreas Höß

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Die Immobilienpreise in München haben stärker nachgegeben als in jeder anderen deutschen Metropole. Das nimmt aber nur wenig Druck aus dem Kessel.

München/Hamburg – Nirgendwo in Deutschland wurde in den vergangenen Jahren so oft über exorbitante Kaufsummen am Immobilienmarkt und Mondpreise bei Mieten berichtet wie in München. Die Preise für Eigentumswohnungen sind in Bayerns Landeshauptstadt in den vergangenen fünf Jahren um rund 50 Prozent gestiegen. Während das für gestandene Münchner längst Alltag ist, lässt nun eine andere Zahl aufhorchen: In den vergangenen zwölf Monaten haben sich Eigentumswohnungen in München nur noch um sieben Prozent verteuert und damit bereits etwas weniger als im deutschen Durchschnitt, der bei 8,2 Prozent lag. Seit Mai sind die Kaufpreise in der Isar-Metropole sogar erstmals seit vielen Jahren um 1,9 Prozent gefallen.

Blick in die Zukunft: Die Stadt spricht sich dafür aus, das Zentrum Mobilität in München zu halten.
Die Preise für Immobilien sinken in München. Trotzdem bleibt sie die teuerste Stadt in Deutschland. © Ulrich Wagner/www.imago-images.de

München ist damit zwar erneut Spitzenreiter – diesmal aber überraschend bei Preisrückgängen. Zum Vergleich: Auch in Frankfurt und Hamburg sind Eigentumswohnungen seit Mai etwas günstiger geworden, dort aber nur um 1,2 und 1,3 und nicht um fast zwei Prozent wie in München. In Stuttgart und Berlin kosteten sie hingegen 0,4 und 0,7 Prozent mehr. Und während die Hauspreise in Bayerns größtem Wirtschaftszentrum über den Sommer um 1,5 Prozent nachgaben, stiegen sie in der schwäbischen Heimat von Mercedes in der gleichen Zeit um fast sechs Prozent.

Immobilienpreise in München sinken rapide - aber warum?

Doch weshalb geben die Preise ausgerechnet in der Landeshauptstadt gerade so stark nach? Mit steigenden Zinsen, erschwerten Finanzierungsbedingungen, hoher Inflation und einer allgemein größeren wirtschaftlichen Unsicherheit würden in München genau die gleichen Faktoren belastend auf den Immobilienmarkt wirken wie im Rest Deutschlands, erklärt Aiane Linden vom Immobilienmakler Engels & Völkers, von dem die Zahlen stammen. Dass die Konsolidierung in München etwas stärker ausfalle als in anderen großen deutschen Städten, liege vermutlich lediglich daran, dass die Fallhöhe hier größer sei, so Linden. Außerdem könne man angesichts der kleinen Differenz eigentlich gar nicht von einem echten Preisrückgang sprechen „Das ist eher eine heilsame Seitwärtsbewegung“, sagt die Maklerin.

Ähnliches dürften auch Kaufinteressenten beim Blick auf die Angebote feststellen, wobei sie wohl auf etwas mehr Heilsamkeit hoffen würden. Bei einem Quadratmeterpreis von über 10 000 Euro zahlt man in München für eine kleine Wohnung mit 50 Quadratmetern immer noch im Schnitt mehr als eine halbe Million Euro. Ein- und Zweifamilienhäuser werden durchschnittlich sogar für atemberaubende 1,4 Millionen Euro angeboten – für viele Familien ist das unerschwinglich. Damit ist München in Deutschland immer noch mit großem Abstand das teuerste Pflaster.

Nachfrage nach Immobilien in München noch immer groß

Die Zeit, in der man hier jede Immobilie innerhalb weniger Tage zu fast jedem Preis verkaufen konnte, sei zwar vorbei, bestätigt auch Aiana Linden, die bei Engel & Völkers für das Privatkundengeschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich ist. Das Angebot sei groß wie nie, Interessenten würden die Immobilien aber nun viel genauer begutachten und bräuchten auch deutlich länger, um eine Finanzierung zu organisieren. Für einen Preiskollaps sei die Nachfrage aber viel zu groß.

Und was ist mit dem Mietmarkt in München, der ebenfalls extrem angespannt ist? Auch er wird vom Rückgang der Kaufpreise beeinflusst – allerdings nicht so, wie es sich die Mieter wohl wünschen würden. „Viele potenzielle Käufer steigen gerade in den Mietmarkt ein, weil sie sich den Kaufpreis für ihr Traumobjekt wegen der höheren Zinsen nicht mehr leisten können“, erklärt Aiane Linden. Und das führe dazu, dass die Mietpreise trotz der Konsolidierung am Immobilienmarkt wohl erst einmal weiter steigen dürften.

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