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Die Nachfrage nach Lebensmitteln steigt weltweit. Eines der am meisten gehandelten Güter ist Weizen. Auch weit über eine halbe Million Tonnen aus Bayern werden jedes Jahr um die Welt geschickt.

Über eine halbe Million Tonnen

Nachfrage steigt: Bayerns Weizen geht um die Welt

München - Die Nachfrage nach Lebensmitteln steigt weltweit. Eines der am meisten gehandelten Güter ist Weizen. Auch weit über eine halbe Million Tonnen aus Bayern werden jedes Jahr um die Welt geschickt.

Auf den Feldern im Freistaat war in den vergangenen Wochen viel Betrieb: Erntezeit. Ein Großteil des Getreides, das die Bauern mit ihren Mähdreschern eingesammelt haben, wird nun im Inland weiterverarbeitet – zu Mehl oder Tierfutter. Tausende Tonnen sind aber auch für den Export bestimmt. Die BayWa, einer der zehn größten Agrarhändler weltweit, schickt das Getreide um die Welt. In riesigen Frachtern geht es von Bayern zum Teil bis nach Afrika.

Bayern ist ein Getreideland. Auf einem Großteil der Äcker werden Weizen, Gerste und Mais angepflanzt. Die größte Rolle spielt dabei Weizen. Er wächst auf mehr als 500 000 Hektar im Freistaat – das entspricht etwa einem Drittel der Fläche Oberbayerns. Im vergangenen Jahr wurden in Bayern mehr als vier Millionen Tonnen Weizen (rund sieben Millionen Getreide insgesamt) geerntet. Gut 850 000 Tonnen gingen in den Export.

Doch wohin fließen die Getreideströme aus Bayern? Die BayWa exportiert nach eigenen Angaben bayerisches Getreide in erster Linie nach Italien, in die Schweiz, Österreich und die Benelux-Staaten. Ein Teil wird aber auch über Nordseehäfen wie Rotterdam oder Hamburg nach Nord- und Südafrika verschifft. Der Weg vom Bauern in Bayern bis nach Ägypten dauert dabei (im schnellsten Fall) rund vier Wochen – der größte Teil wird auf dem Seeweg zurückgelegt.

Die Landwirte bringen in diesen Tagen ihre Ernte zu einem der 150 bayerischen BayWa-Betriebe. Von Anlaufstellen mit Gleisanschluss (zum Beispiel in Ingolstadt) wird das Getreide mit Zügen zum Hamburger Hafen geschickt. Alternativ wird die Ernte an einem BayWa-Sitz mit Binnenschifffahrt verschifft. Der größte BayWa-Umschlagplatz ist der Osthafen in Regensburg, aber auch in Straubing legen regelmäßig Frachter ab. Von hier geht es ins In- und Ausland.

Rotterdam, der mit Abstand größte Hafen Europas, fungiert als Drehkreuz der BayWa. Von hier starten die richtig großen Getreidefrachter. Während Binnenschiffe eine Kapazität von 1000 bis 3000 Tonnen haben, ist auf einem Hochseefrachter Platz für 80 000 Tonnen Getreide. Laut BayWa würde diese Menge den Kalorienbedarf der Einwohner Münchens für zwölf Wochen decken – also Brot für drei Monate.

Die Exportmengen aus Bayern steigen. Ging es im Jahr 2010 noch um ein Volumen von 82 Millionen Euro, wurden im vergangenen Jahr mit dem Export von bayerischem Weizen mehr als 213 Millionen Euro verdient. Weizen aus dem Freistaat ist gefragt – vor allem aktuell. „In diesem Jahr blicken wir weltweit auf eine sehr gute Ernte, die der Rekordernte des letzten Jahres sehr nahe kommt. Es ist also viel Getreide verfügbar, so dass die Preise kräftig nachgeben“, erklärt BayWa-Chef Josef Lutz. Allerdings gebe es Qualitätsprobleme bei französischem Weizen. Qualitativ hochwertiger Weizen aus Bayern als Alternative steht deshalb hoch im Kurs.

An Nachschub dürfte es auf den globalen Märkten vorerst nicht mangeln. Nicht nur in Bayern steigen die Exportmengen, auch Deutschland und die gesamte Europäische Union schicken immer mehr Weizen um die Welt. Die Bundesrepublik zählt zu den zehn größten Weizenproduzenten weltweit – Platz neun nach China, Indien, USA, Frankreich, Russland, Australien, Kanada und Pakistan. Die USA sind traditionell der größte Exporteur. Das könnte sich allerdings bald ändern. Das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten geht davon aus, dass die EU 2014 die USA erstmals übertreffen wird.

Global verschiebt sich die Nachfrage nach Weizen und Getreide im allgemeinen – aber vor allem steigt sie. Bis 2050 soll die Weltbevölkerung um rund 30 Prozent auf mehr als neun Milliarden Menschen wachsen. Zudem ändern sich die Essgewohnheiten. In den Schwellenländern steigt die Nachfrage nach Fleisch. Für die Tierzucht sind riesige Mengen an Getreide nötig. Nach einer aktuellen Studie wird der weltweite Export von Getreide und Ölsaaten bis 2023 von 390 auf 460 Millionen Tonnen pro Jahr steigen. Eine Menge mit dem 30-fachen Gewicht aller Autos, die Deutschland jährlich in die Welt exportiert.

Regional verschiebt sich die Nachfrage immer mehr Richtung Asien. Bestes Beispiel ist China: Zur Jahrtausendwende produzierte das Reich der Mitte noch einen Getreideüberschuss von 20 Millionen Tonnen. Heute zählt das Land zu den größten Importeuren der Welt. „Aufgrund des globalen Bevölkerungswachstums und der sich verändernden Verbrauchergewohnheiten kann langfristig gesehen von einem steigenden Preisniveau für Agrarprodukte ausgegangen werden. Sehr gute Ernten wie aktuell wirken diesem Trend nur temporär entgegen“, sagt BayWa-Chef Lutz. Gute Aussichten für den Agrarhändler aus München – und die bayerischen Bauern.

Manuela Dollinger

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