Nachhilfe statt Freizeit: Auch bei hohen Kosten keine Garantie

- Gut zwei Milliarden Euro geben Eltern im Jahr für die Verbesserung der schulischen Leistungen ihrer Sprösslinge aus ­ doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Professioneller Nachhilfeunterricht in Paukstudios hat einen Zulauf wie selten zuvor. Allein in Deutschland gibt es rund 4000 Einrichtungen.

Lehrermangel, Unterrichtsausfall und das verkürzte Gymnasium sind mit ein Grund für den boomenden Wirtschaftszweig. Inzwischen benötigt schätzungsweise jeder zweite Schüler irgendwann Nachhilfe ­ vornehmlich in Mathe, Englisch und Deutsch.

Anbieter

Dominiert wird der Markt von den Branchenriesen "Schülerhilfe" und "Studienkreis". Sie sind seit über 30 Jahren aktiv in jeweils über 1000 Orten in Deutschland vertreten. Rund 80 Millionen Euro Umsatz macht der "Studienkreis" im Jahr und schleust 40\x0f000 Schüler durch seine Filialen. Bei der "Schülerhilfe" sind es insgesamt 70 000. Auch der "Mini-Lernkreis" ist fast flächendeckend vertreten. Er eröffnet dort Lerngruppen, wo sich genügend Schüler zusammenfinden. So ist er mit nur 65 Niederlassungen an über 1000 Orten in Deutschland vertreten. Die Marktführer arbeiten alle im Franchising-System.

Keine Garantie

Trotz des Besuchs eines solchen Lernstudios sind bessere Noten bei weitem nicht garantiert. Der Verbraucherschutzverein Aktion Bildungsinformation betont, dass rund zwei Drittel aller Institute mit unzulänglichen oder sogar unseriösen Mitteln arbeiten. Ein Institut sollte "auf eine längere Tradition zurückblicken", sagt Heinz-Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des deutschen Philologenverbands und selbst Schulleiter.

Probeunterricht

Eine Analyse der Lernprobleme und ein Konzept zur Behebung sollten selbstverständlich sein. Auch kostenloser Probeunterricht ist üblich. Von Verträgen, die einen länger als ein halbes Jahr an ein Institut binden, sollte man Abstand nehmen, rät Cornelia Sussieck, Vorsitzende des Bundesverbands Nachhilfe und Nachmittagsschulen. Eine monatliche oder maximal vierteljährliche Kündigungsfrist sei vertretbar.

Preise

Auf den ersten Blick sind Institute die günstigere Variante als Privatunterricht bei älteren Schülern, Studenten oder Lehrern. Gruppenunterricht für drei bis fünf Schüler kostet im Durchschnitt 10 Euro für 60 Minuten. Schüler, die Nachhilfe geben, kassieren bis zu 15 Euro, Lehrer sogar bis zu 35 Euro. Allerdings sind in den Instituten zweimal 90 Minuten Unterricht in der Woche üblich, oft über sechs oder zwölf Monate hinweg. Unter dem Strich macht das einen Monatsbeitrag von rund 130 Euro. Bei 90 Prozent der Schüler verbessert sich die Note durch die Nachhilfe. Doch: Wenn der Schüler dauerhaft überfordert wird, ist sie rausgeschmissenes Geld.

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