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Für viele Diesel-Besitzer ergeben sich in letzter Zeit einige Fragen.

Nach Einigung im Diesel-Streit

Die zehn wichtigsten Fragen zum Diesel-Umtausch: Wie komme ich an die 10.000 Euro Prämie?

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Auch wenn nun eine Einigung im Diesel-Streit beschlossen scheint, bleiben für Verbraucher viele Fragen offen. Die wichtigste: Wie komme ich an die 10.000 Euro Prämie? 

München - Auch nach der Einigung der Großen Koalition im Diesel-Streit bleiben viele Fragen offen. Da Autohersteller wie BMW und Opel bei der Hardware-Nachrüstung nicht mitmachen wollen, sind viele Autofahrer verunsichert. Die tz zeigt, wie Diesel-Fahrer an die bis zu 10 000 Euro Prämie kommen - und wer in die Röhre schaut.

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Diesel-Streit: Was genau hat die GroKo beschlossen?

In den 14 am stärksten mit Stickoxiden (NO2) belasteten Städten (darunter München) soll es Umtauschprämien und Hardware-Nachrüstungen geben. Diesel-Besitzer, die in einer dieser 14 Städte wohnen oder aus angrenzenden Landkreisen kommen, können von den Angeboten profitieren. Einbezogen sind auch beliebig entfernt wohnende Pendler, die in der betreffenden Stadt arbeiten. 

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Auch Selbstständige mit Firmensitz in der Stadt und Autofahrer mit besonderen Härten - etwa Kranke, die zum Arzt müssen - gehören dazu. Die Regierung geht von maximal 1,4 Millionen Autos aus - im Raum München gibt es rund 303 300 Diesel. Laut Kraftfahrtbundesamt gab es Anfang 2018 gut 15,2 Millionen Diesel-Pkws in Deutschland. Davon erfüllten 25 Prozent die Abgasnorm Euro 6, 37 Prozent Euro 5, 21 Prozent Euro 4 und sieben Prozent Euro 3.

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Nachrüstung im Diesel-Streit: Sind Fahrverbote in München damit vom Tisch?

Sicher ist das nicht, denn darüber entscheiden die Gerichte. „Kein Richter in diesem Land wird sich von den Maßnahmen beeindrucken lassen und deswegen auf die Verhängung von Fahrverboten verzichten“, so Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. Die GroKo hofft, dass die Maßnahmen die Luft sauberer machen werden und dadurch die Fahrverbote hinfällig werden - dann könnten auch nicht nachgerüstete Euro-1- bis Euro-3-Diesel weiter in die Innenstadt fahren.

Was passiert, wenn doch ein Fahrverbot verhängt wird?

Die Regierung will gesetzlich festlegen, dass Euro-4- oder Euro-5-Diesel dann in Fahrverbotszonen einfahren dürfen, wenn sie weniger als 270 Milligramm Stickoxid pro Kilometer ausstoßen. Dafür soll es keine neue blaue Plakette geben. Die Polizei soll die Abgasdaten anhand des Nummernschilds kontrollieren können.  

Nachrüstung bei Diesel-Fahrzeugen: Wie funktioniert die Umtauschprämie?

Wer seinen alten Diesel (Euro 4 und Euro 5) abgibt, bekommt im Tausch einen Rabatt auf ein neues, bei manchen Herstellern wie BMW oder Daimler auch auf ein saubereres gebrauchtes Auto. Ob auch Euro-1- bis Euro-3-Diesel umgetauscht werden, ist bei den Herstellern noch nicht abschließend entschieden. Die Programme der Hersteller unterscheiden sich im Detail: Bei VW etwa liegt die Prämie für den Umtausch eines Euro-4-Diesel im Schnitt bei 4000 Euro und für Euro-5-Diesel bei 5000 Euro. 

Für viele Diesel-Besitzer ergeben sich in letzter Zeit einige Fragen.

Daimler zahlt sogar bis zu 10 000 Euro Umtauschprämie obendrauf für alte Euro 4 und Euro 5. Beim Kauf junger Gebrauchtwagen gibt es bis zu 5000 Euro. BMW wiederum bietet allen, die bereits einen Wagen des Konzerns mit Euro 4 oder Euro 5 fahren, im Tausch für das Altfahrzeug pauschal 6000 Euro beim Kauf eines Neuwagens. Beim Kauf eines jungen Gebrauchtwagens bietet BMW noch 4500 Euro. 

Unklar ist, wie viele ausländische Hersteller bei der Umtausch-Aktion mitmachen. Renault hat etwa eine Prämie von bis zu 10 000 Euro je nach Modell für Neufahrzeuge angekündigt - egal von welchem Hersteller das Tauschauto stammt (Euro 1 bis Euro 5). Ford bietet bis zu 8000 Euro Prämie für Euro 5.

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Wie beurteilen Verbraucherschützer die Umtauschprämien?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband weist darauf hin, dass Diesel-Fahrer nur dann vor Fahrverboten sicher sind, wenn sie einen Diesel der aktuellen 6d-TEMP-Norm, einen Benziner ab Euro 4 oder ein Gas- oder Elektroauto kaufen. Außerdem sollten sie sich nicht zum Kauf größerer Autos überreden lassen, weil diese auf lange Sicht mehr kosten. 

Einigung im Diesel-Streit: Wie funktioniert die Nachrüstung? 

Wer sein altes Auto nicht hergeben möchte, soll nach dem Willen der Regierung dieses mit einem sogenannten SCR-Katalysator nachrüsten lassen. Es gibt allerdings eine Reihe von Einschränkungen: Es muss sich um einen Euro 5 handeln und die Nachrüstsysteme müssen gesetzlich zugelassen sein. Während der Bund erwartet, dass die Autokonzerne für die Kosten aufkommen, wollen diese noch keine verbindlichen Finanzierungszusagen geben. Volkswagen und Daimler kündigten lediglich an, sich prinzipiell an Umrüstungen „beteiligen“ zu wollen. 

Nachrüstung im Diesel-Streit: Wo hakt es hier noch? 

Unklar ist, wer nach der Umrüstung für das Auto haftet - die Autobauer weigern sich. Die Regierung verweist auf die gesetzliche Gewährleistungspflicht der Nachrüster. Verbraucherschützer fordern, dass die Werkstatt vier Jahre Garantie auf die Katalysatoren und den fachgerechten Einbau gibt. Wer sich für eine Nachrüstung entscheidet, sollte auch bedenken, dass das Auto danach wahrscheinlich mehr Sprit verbraucht und auch Harnstoff regelmäßig nachgefüllt werden muss. 

Mögliche technische Motor-Nachrüstungen könnten aus Sicht des Zulieferers Baumot im kommenden Jahr beginnen. Baumot-Chef Marcus Hausser sagte, es lägen Genehmigungsverfahren von Baumot beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). 

Werden auch die Steuerzahler belastet? 

Ja, denn die Bundesregierung will Motor-Umbauten bei Bussen, Taxen und Müllwagen fördern. Dazu soll es auch ein 80-Prozent-Nachrüst-Förderprogramm aus Steuermitteln bei Transportern von Handwerkern und Lieferdiensten (2,8 bis 7,5 t) geben. Ziel der Förderungen: Fahrverbote vermeiden! 

Nachrüstung bei Diesel-Fahrzeugen: Was sagen Umweltschützer? 

Umweltverbände bezweifeln, ob die Kaufanreize wirksam sind - denn selbst Autos mit der neuen Abgasnorm 6 seien nicht sauber genug. Prämien könnten mit sonst üblichen Rabatten verrechnet werden. Und eine neue Idee sind Prämien auch nicht. Schon nach dem Diesel-Gipfel 2017 hatte die Branche mit bis zu 10 000 Euro gelockt. Mehr als 200 000 Kunden nahmen sie in Anspruch. 

Wie erkenne ich die Euronorm meines Diesels? 

Sie steht auf dem Fahrzeugschein in den Feldern 14 und 14.1. Aus dem dort angegebenen Schlüssel leitet sich die Euronorm ab. Endet die Zahl im Feld 14.1 mit Zahlen zwischen 00 und 88, so erfüllt das Auto die Abgasnormen Euro 1 bis Euro 4. Die Kombinationen 35AO bis 35MO stehen für die Abgasnorm Euro 5. Kombinationen von 36N0 bis 36Y0 stehen für die neueste Norm 6, von der es allerdings zahlreiche verschiedene Versionen gibt. Seit September 2018 müssen alle neu zugelassenen Autos die Version 6c erfüllen, ab September 2019 folgt 6d-TEMP, ab 2021 gilt dann 6d.

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