Bei nachweislicher Falschberatung kann Anleger Geld zurückverlangen

- Viele Anleger fühlen sich bei Investitionen übervorteilt und ziehen vor Gericht. Allein 2003 wurden 20 000 Prozesse mit einem Gesamtstreitwert von 600 Millionen Euro gegen Finanzberater geführt, teilte der Verband unabhängiger Finanzdienstleistungsunternehmen (Votum) mit. Die Erfolgschancen für Anleger stehen gar nicht so schlecht.

<P>"In etwa 40 Prozent der Fälle werden die Berater entweder zu Schadenersatz verurteilt oder zum Vergleich verpflichtet", sagt Votum-Geschäftsführer Rolf Thiel. 250 Millionen Euro mussten Vermittler laut Votum im letzten Jahr zurückzahlen. Doch viele Vermittler sind schlicht zahlungsunfähig, da sie keine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung haben. "Die meisten sind als freie Handelsvertreter unterwegs und können oder wollen sich diese Versicherung nicht leisten", sagt Thiel.</P><P>Bei den Prozessen geht es meist um den Verkauf geschlossener Fonds und Immobilien. Anlegern würden hohe Renditen in Aussicht gestellt, die Aufklärung über das Verlustrisiko werde aber sehr oft vernachlässigt. Beim Vertrieb von Immobilien werde meist über viel zu hoch angesetzte Verkehrswerte und überteuerte Finanzierungen gestritten.</P><P>Riskante Anlagen erfordern intensive Aufklärung</P><P>Bei den Auseinandersetzungen geht es fast immer um die mangelhafte Aufklärung über das Anlagerisiko. Doch dafür gibt es eindeutige Vorschriften. "Eine Beratung muss der Anlage gerecht werden und auf den Bedarf des Kunden abgestimmt sein", sagt Ariane Lauenburg vom Magazin "Finanztest". Je riskanter die Anlage ist, desto intensiver muss die Aufklärung sein. So könne ein riskanter Fonds für einen finanziell abgesicherten Kunden prima sein, für jemanden, der seine Rente darauf baue, womöglich aber verheerend.</P><P>Die Beraterhaftung gilt auch für Banken. Hat der Bankberater ein hoch riskantes Produkt verkauft, obwohl der Kunde auf eine konservative Anlage bestanden hatte, muss die Bank das Geschäft rückabwickeln und gegebenenfalls Schadenersatz zahlen. Im Befragungsbogen sollte dazu Ihre Risikoneigung festgehalten werden. Füllt der Berater keinen Bogen aus, wird in der Regel vor Gericht die für den Anleger günstigste Erklärung angenommen.</P><P>Mitunter gibt es ein Widerrufsrecht</P><P>Der Berater muss Produkt und Prospekt erklären und im Zweifel abraten. "Nur wenn er sagt, dass er nichts weiß, gilt eine Ausnahme. Ansonsten ist er auch dann verantwortlich, wenn er kritische Presseartikel über das Finanzprodukt ignoriert hat. Hat der Berater von seinen Pflichten auch nur eine verletzt, haftet er", sagt Lauenburg. Das bestätige das Kammergericht Berlin (Aktenzeichen: 7 U 6032/99). Nicht selten legen Finanzvermittler Erklärungen über die "ordnungsgemäße Beratung" zur Unterschrift vor. Unterschreiben sollte man dies nicht. "Ob die Beratung tatsächlich in Ordnung war, kann im Streitfall nur ein Gericht klären", sagt Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale. Wird der Vertrag in einer Privatwohnung, am Arbeitsplatz oder auf der Straße angebahnt oder abgeschlossen, gibt es zudem ein zweiwöchiges Widerrufsrecht.</P><P>Anleger sollten alle Unterlagen aufbewahren. "Im Zweifel hilft eine Beraternotiz", sagt Lauenburg. "Außerdem sollten Anleger nur bei Vermittlern abschließen, die über eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung verfügen."</P><P>Wichtig ist auch die Beachtung von Verjährungsfristen. Ansprüche wegen Beratungsfehlern verjähren seit 2002 drei Jahre ab Ende des Jahres, in dem sie entstanden sind und der Anleger vom Beratungsfehler hätte wissen können. Hat die Falschberatung vor 2002 stattgefunden, läuft die Frist Ende 2004 ab. Erfährt ein Anleger erst nach 2004 von den Fehlern, verlängert sich die Frist laut "Finanztest" bis Ende 2011.</P><P>Falsche Beratung besteht dann, wenn dem Anleger entgegen dessen ausdrücklichen Wunsch ein riskantes Investment verkauft wurde.</P>

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