Nachwuchs an der Börse erwartet

- München - Von Bayern aus soll Deutschlands Börse neues Leben eingehaucht werden. Die Tochter des Chemiekonzerns Wacker, Siltronic, wird angeblich im März an die Börse gehen und damit nach gut 16 Monaten das erste Unternehmen sein, das sich in Deutschland aufs Parkett wagt. Das könnte anderen Kandidaten Mut machen. Die HypoVereinsbank rechnet heuer noch mit 30 Börsengängen.

<P>Am 8. November 2002 wagte das letzte Unternehmen einen Börsengang in Deutschland. Zu dieser Zeit hatten Anleger riesige Verluste und winzige Motivation, die Aktien von Börsen-Neulingen zu erstehen. In diesem Umfeld wagte mit der Erotic Media AG nur noch ein Schweizer Pornofilm-Händler die Erstnotiz. Seitdem konnte sich die Deutsche Börse in ihrem Monatsbericht das Kapitel "IPOs" - Initial Public Offerings, wie der englische Fachbegriff für Börsengänge lautet - sparen. Heuer soll eine Fortsetzung geschrieben werden.<BR><BR>"Siltronic startet im März an der Börse", zitiert die "Financial Times Deutschland" (FTD) Bankenkreise. Der Zulieferer für die Chip-Industrie wolle die Pläne am Donnerstag auf seiner Bilanzpressekonferenz verkünden. Die Zeit scheint günstig. Ein Zuwachs von über 35 Prozent im Deutschen Aktienindex hat die Laune der Anleger im vergangenen Jahr gehoben. Und noch hält der Aufwärtstrend an. Kommt die Konjunktur in Schwung, drohen Zinserhöhungen der Zentralbanken. Das würde die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen erschweren und so die Börsenkurse erstmal dämpfen. Diese Aussicht könnte Unternehmen veranlassen, ihre Börsenpläne vorzuziehen, mutmaßt die "FTD".<BR><BR>Siltronic hat einen Börsengang offiziell in Aussicht gestellt, den Termin aber offen gelassen. Ebenso kündigten das Reiseunternehmen Hapag-Lloyd und die Werkstattkette Auto Teile Unger ein IPO an. Nach FTD-Angaben stehen auch der Chip-Spezialist X-Fab und der Hersteller von Bankautomaten, Wincor Nixdorf, vor dem Schritt auf das Parkett.<BR><BR>"Investoren sind offensichtlich wieder bereit, in Aktien zu investieren. Damit rückt für potenzielle Kandidaten ein Börsengang wieder stärker in den Mittelpunkt ihrer unternehmensstrategischen Überlegungen", urteilte die WestLB jüngst in einer Studie. "Wir haben vernünftige Bewertungsniveaus und eine niedrige Volatilität. Der Markt ist also in ruhigem Fahrwasser. Das ist ein Umfeld, das für Börsengänge freundlich ist", urteilt auch Christian Bacherl, Leiter des Aktiensyndikats bei der HypoVereinsbank. Mit der Postbank macht sich ein Schwergewicht auf den Weg an die Börse. Und das könnte nicht wie vermutet im Herbst, sondern schon Ende Juni passieren, heißt es.<BR><BR>Verglichen mit der Emissions-Hysterie während des Börsenbooms bleibt es aber ruhig. 1999 strebten über 300 Unternehmen in Deutschland an die Börse. Für heuer erwartet HVB-Experte Bacherl etwa 30 Börsengänge. Das wären immerhin mehr als in den vorangegangenen drei Jahren zusammen.<BR>Allein das Umfeld entscheidet nicht über den Erfolg eines Börsengangs. Das hat Erotic Media bewiesen. Deutschlands jüngste Aktie wurde mit einem Emissionspreis von 30 Euro ausgegeben. Heute ist das Papier 83 Euro wert.<BR><BR></P>

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