Nachzahlung plus Mehrkosten: Energiepreise belasten Haushalte

- Schon der letzte strenge Winter ist die Bundesbürger mit Rekordnebenkosten fürs Wohnen so teuer wie nie zu stehen gekommen. Da steht die nächste Heizsaison mit weiteren Preisschüben und einer höheren Mehrwertsteuer ab 2007 schon wieder vor der Tür.

Ein wahrer Teufelskreis für den Geldbeutel: Die meisten Verbraucher müssen für die "zweite Miete" noch Nachzahlungen von mehreren hundert Euro hinblättern, während die neuen, höheren Vorauszahlungen an Vermieter und Energieversorger für Strom, Gas oder Wasser bereits anstehen.

Die Kosten für Heizöl, Gas oder Fernwärme fielen schon in der vergangenen Heizsaison etwa 20 bis 25 Prozent höher als im Jahr zuvor aus, wie Roland Pause, Energieexperte der Verbraucherzentrale Sachsen, berechnet hat. Beim Deutschen Mieterbund hält man Nachzahlungen im drei- bis vierstelligen Bereich für keine Seltenheit. "Fast jeder steckt mittlerweile in der Nachzahlungs- und Vorauszahlungs-Bredouille", weiß Sprecher Hermann-Josef Wüstefeld. Ganz gleich, ob Mieter oder Eigentümer. Und dagegen vorgehen lässt sich lediglich durch sparen.

Auch für den kommenden Winter gibt es wenig Hoffnung auf einen Stopp der Kostenspirale. So haben etwa die bayerischen Gasversorger wie Eon, Erdgas Südbayern oder die Stadtwerke München bereits zum 1. Oktober erneut die Preise angehoben. Auch die Entwicklung beim Strom lasse darauf schließen, dass die Energiekosten weiter in die Höhe gingen ­ und dass, obwohl die Bürger sparsamer als früher im Verbrauch seien, befürchtet der Mieterbund. Auch die Rohölpreise ziehen wieder an und dürften auch auf das Heizöl durchschlagen. Darüber hinaus belastet die Mehrwertsteuererhöhung die Haushaltskassen ab dem Jahreswechsel im Schnitt mit rund 80 Euro zusätzlich pro Jahr.

Es gebe die Tendenz, dass Bürger wegen ständig steigender Nebenkosten zunehmend zahlungsunfähig würden, erklärt Herbert Rollik von der Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatungsverbände. Auch Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher sieht in den davongaloppierenden Ausgaben für die Wohnnebenkosten von gestern und morgen eine Schuldenfalle. Rollik hält die Ausgaben für die "zweite Miete" mittlerweile für unkalkulierbar: "Wie sollen die Leute das auf Dauer bezahlen?" Bei der Stadtsparkasse in München hat sich die Zahl der gepfändeten Konto-Guthaben unter anderem wegen Rückständen bei den Mietzahlungen zuletzt um bis zu 20 Prozent pro Jahr erhöht (wir berichteten).

Wer eine Rechnung nicht mehr begleichen kann, muss damit rechnen, schlimmstenfalls Licht oder Heizung abgedreht zu bekommen. Erhalten Betroffene vom Sozial\-amt eine Zahlungszusage, darf die Versorgung nach Mieterbund-Angaben nicht eingestellt werden. Peters rät dazu, fällige Strom- oder Gasrechnungen nicht schleifen zu lassen. Statt nicht zu zahlen, sollten Betroffene lieber die Zulässigkeit der hohen Rechnung anfechten.

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