Ab nächstem Jahr zeigt sich der Staat weniger spendabel

- Für Privathaushalte wird der finanzielle Spielraum im kommenden Jahr spürbar enger. 2006 muss mehr aus der eigenen Tasche finanziert werden. Bisherige Vergünstigungen wie Eigenheimzulage, Absetzbarkeit von Abfindungen oder Steuerberaterkosten werden komplett gestrichen oder eingeschränkt, einige Steuern zugleich erhöht. Viele geplante Änderungen der neuen Bundesregierung sind allerdings noch nicht in geltendes Recht umgesetzt.

Rentenalter

Bereits beschlossene Sache ist, dass Bürger nicht mehr mit 60 Jahren nach Altersteilzeit oder Arbeitslosigkeit in Rente gehen können. Ab Anfang 2006 wird der frühestmögliche Renteneintritt allmählich auf das vollendete 63. Lebensjahr angehoben. Betroffen sind Versicherte, die zwischen 1946 und 1951 geboren sind. Zugleich gibt es neue Steuersätze für Neurentner. Ab nächstem Jahr müssen diese 52 Prozent ihrer gesetzlichen und betrieblichen Altersversorgung (außer Privatrenten) beim Finanzamt abrechnen.

Riester

Ab Januar werden einheitliche Tarife in der Riester-Rente eingeführt. Nur noch bei Vertragsabschluss bis 31. Dezember 2005 erhalten Männer beim Riestern eine deutlich höhere Rente als Frauen, und das bei gleichem Beitrag.

Eigenheimzulage

So gut wie besiegelt ist der Wegfall der Eigenheimzulage ab Januar. Nur wer dieses Jahr noch den notariellen Kaufvertrag unterzeichnet respektive den Bauantrag stellt, kann sich die achtjährige Förderung noch auf den letzten Drücker sichern. Für Bauherren mit zwei Kindern macht die staatliche Finanzspritze beispielsweise 2850 Euro pro Jahr aus. Wer den Zuschuss schon erhält, ist vom Rotstift nicht betroffen.

Steuersparfonds

Aus ist es auch mit den Steuersparfonds, und zwar schon seit 10. November 2005. Gestrichen sind vor allem die Verlustverrechnungsmöglichkeiten aus Medienfonds, Schiffsbeteiligungen, Öko-, Leasing- oder Wertpapierhandelsfonds.

Minijobs/Zuschläge

Höher besteuert werden künftig die Minijobs. Die pauschale Sozialversicherungsabgabe dafür wird von 25 auf 30 Prozent steigen. Abgaben will der Staat ab 2006 außerdem für Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschläge kassieren ab einem Stundenlohn von mehr als 25 Euro (bisher 50 Euro).

Abfindung

Gestrichen wird wohl auch der Freibetrag für Abfindungen und Übergangsgelder. Bislang konnten maximal 11 000 Euro steuerlich geltend gemacht werden.

Steuern

Der Absetzbarkeit privater Steuerberatungskosten geht es ebenfalls an den Kragen. Der Sonderausgabenabzug dürfte für Steuererklärungen ab 2006 wegfallen. Gekippt wird auch die steuerliche Abzugsfähigkeit von Schulgeldzahlungen an staatlich anerkannte Schulen. Bislang war das betroffenen Eltern bis zur Höhe von 30 Prozent möglich. Wer die Sonderausgabe letztmalig nutzen will, sollte fällige Zahlungen für 2006 noch in diesem Jahr leisten. Änderungen sind auch bei der Besteuerung von Firmenwagen geplant, unter anderem von bisher einem Prozent des Listenpreises auf 1,5 Prozent.

Studiengebühr

Ab nächstem Jahr werden die ersten Bundesländer, darunter auch Bayern, Studiengebühren einfordern.

Kleine Entlastungen

Den steigenden Finanzlasten im nächsten Jahr stehen allerdings auch kleine Entlastungen gegenüber. So dürfen sich Arbeitnehmer über einen höheren Sonderausgabenzug freuen. Parallel zur schrittweisen Mehrbesteuerung der Renten stellt der Staat die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zu privaten Rürup-Verträgen sowie Einzahlungen in landwirtschaftliche und berufsständische Versorgungswerke allmählich steuerfrei. Für 2006 heißt das: Beschäftigte können dann 62 Prozent ihrer Beiträge als Sonderausgabe von den Einkünften abziehen. Die abzugsfähige Höchstgrenze liegt künftig bei 12 400 Euro. Höhere Sonderausgaben und größere staatliche Zuschüsse warten im nächsten Jahr auch auf Riester-Sparer: Die Grundzulage steigt von 76 auf maximal 114 Euro, die Kinderzulage von 92 auf 138 Euro pro Sprössling. Der höchstmögliche Sonderausgabenabzug liegt künftig bei 1575 Euro. Und noch eine Erleichterung winkt: Wer seine vier Wände durch einen Handwerker renovieren lässt oder eine Kinderfrau beschäftigt, wird ab 2006 die Kosten teilweise von der Steuer absetzen können.

Privatleute können die Kosten für ihren Steuerberater 2005 zum letzten Mal absetzen. Danach ist es mit dieser Vergünstigung vorbei.

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