Narren vor Gericht: Wenn der Fasching ein ernstes Nachspiel hat

- Lustig soll es sein im Fasching. Doch hin und wieder bleibt es nicht feucht-fröhlich, sondern wird bitter-ernst. Der Fasching beschäftigte schon so manches Gericht.

<P>Bonbon schlägt Zahn aus</P><P>Ein Besucher eines Rosenmontagszuges wurde knallhart getroffen - von einem dicken Bonbon. Ein Schneidezahn ging dabei drauf. Der "Schütze" konnte zwar ausgemacht werden, und man traf sich vor Gericht wieder. Doch das Landgericht Trier meinte: Wer sich in "Gefahr" begebe, der müsse zwar nicht gleich darin umkommen, doch besser aufpassen. Bonbon-"Geschosse" gehörten zum Umzug wie die Schminke aufs Gesicht (Az.: 1 S 150/94).<BR><BR>Bespuckter Polizist</P><P>Beschimpft ein betrunkener Karnevalist einen Polizisten als "Arschloch" und "Scheißbulle", so wird der Beamte nicht beleidigt, weil sich die Bemerkungen nicht gegen ihn persönlich, sondern gegen seine Eigenschaft als Ordnungshüter richten. Wird er jedoch zusätzlich bespuckt, so ist von einer Körperverletzung auszugehen - die hier mit 250 Euro entschädigt worden ist (Landgericht Münster, 8 S 210/02).<BR><BR>Glas auf der Treppe</P><P>Ist eine Gaststätte im Fasching überfüllt, sodass Gäste auch auf der Treppe zum Kellergeschoss sitzen, so ist ein Gast nicht schadenersatzpflichtig, wenn er auf dem Weg zur Toilette im Keller vor ein auf der Treppe abgestelltes Glas stößt und dadurch einen anderen Gast verletzt. Zwar ist bei solchen Veranstaltungen "der Umgang mit Gläsern sorgloser", doch muss niemand damit rechnen, dass sie auf einer Treppe abgestellt sind (OLG Düsseld., 22 U 26/01).<BR><BR>Narren-Kollision</P><P>Überquert ein Mädchen eine Straße, über die sich ein Umzug bewegt, und verliert sie beim Zusammenstoß mit einem "Narren" zwei Schneidezähne, so kann die Mutter keinen Schadenersatz wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht vom Veranstalter des Zuges verlangen, da an Karneval die Narren die "Herrschaft" haben und der Umzug zudem von Ordnern begleitet wurde (Amtsger. Waldkirch, 1 C 12/99).<BR><BR>Stolperfalle Plastiktüte</P><P>Kann ein "Funkenmariechen" Schadenersatz vom Veranstalter eines Karnevalszuges wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht verlangen, wenn sie auf einer Plastiktüte ausrutscht und sich verletzt? Nein, da man bei Rosenmontagszügen wegen der vielen Wagen und Menschen mit einem gewissen Müllaufkommen rechnen muss. Das Aachener Landgericht bescheinigte dem Mariechen mangelnde Lebenserfahrung (5 S 249/01).<BR><BR>Kanonen-Knall</P><P>Die Organisatoren von Karnevalsumzügen können nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass eine Besucherin durch Böllerschüsse aus Weinbergkanonen einen Hörschaden erleidet, weil sich die Frau davor durch Zurücktreten aus der ersten Reihe hätte selbst schützen können. Vom Veranstalter kann nicht erwartet werden, dass er "sämtliche mitgeführten Gerätschaften vorher mittels Sachverständigengutachten per Schalldruckmessung untersuchen lässt" (Landgericht Trier, 1 S 18/01).<BR><BR>Kostüm muss sitzen</P><P>Auch Jecken wollen passend angezogen sein: Eine Schneiderin, die für einen Karnevalsverein (hier: 17) Gardekostüme (hier: für einen Wert von insgesamt 6000 Euro) angefertigt hat, die jedoch allesamt nicht passen, muss die Kostüme gegen Rückzahlung des Kaufpreises wieder zurücknehmen (Landgericht Coburg, 12 O 217/00).<BR><BR>Randale beim Umzug</P><P>Veranstalter von Karnevalsumzügen haften nicht für Schäden, die am Rande der Veranstaltung durch angetrunkene Besucher entstehen; sie müssen lediglich dafür sorgen, dass der Umzug selbst reibungslos abläuft (Amtsgericht Köln, 111 C 422/97).<BR></P>

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