Die Narzissten der Chefetage

München - Gegen Ex-Postchef Klaus Zumwinkel wird wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Dem ehemaligen EADS-Co-Chef No´"l Forgeard wird Insiderhandel mit Aktien seines Unternehmens vorgeworfen.

Immer wieder stehen Topmanager am Pranger, die für einen vergleichsweise geringen Nutzen ihr Lebenswerk aufs Spiel gesetzt haben. Über Narzissten in der Chefetage und selbstgebastelte Normen von Machtmenschen spricht die Psychologin Annelen Collatz, die Persönlichkeitsprofile von Spitzenkräften untersucht hat.

Topmanager verdienen sehr viel Geld. Trotzdem überschreiten sie manchmal Grenzen, um noch ein kleines bisschen mehr zu bekommen. Ist das grenzenlose Gier?

Es gibt nicht den Topmanager an sich. Und ein solches Verhalten ist nicht auf Topmanager beschränkt. Diese haben nur andere Spielräume und stehen eher im Fokus der Aufmerksamkeit.

Grundsätzlich kann ein solches Verhalten mehrere Hintergründe haben. Es kann daran liegen, dass die betroffenen Menschen eine sehr hohe Risikobereitschaft haben und wenig sicherheitsorientiert sind. Bis zu einem gewissen Grad kann dies für einen Unternehmenslenker ja durchaus hilfreich sein. Schließlich muss er auch mal neue Wege gehen. Für relevanter halte ich aber einen anderen Punkt: Bei Topmanagern finden wir häufig Personen, die eher einen narzisstischen Persönlichkeitsstil haben. Ohne eine gewisse Ausprägung dieses Stils kommen sie kaum auf eine bestimmte Ebene.

Was zeichnet einen narzisstischen Persönlichkeitsstil aus?

Eine Facette von diesem Persönlichkeitsstil ist, dass die Personen sich selbst einen VIP-Status zusprechen. Dieser liegt außerhalb der Normen, die sie an andere Menschen setzen. Dieser VIP-Status gepaart mit einem Mangel an Bodenhaftung kann Auswüchse annehmen. Es wird gesagt: "Ich darf das." Dabei besteht ein anderes Gerechtigkeitsempfinden.

Werden Manager in ihrer beruflichen Laufbahn zu Narzissten oder gelangen vorwiegend Menschen in hohe Positionen, die schon so veranlagt sind?

Die Persönlichkeit ist grundsätzlich mit dem 20. Lebensjahr ausgeprägt, aber noch modifizierbar. Ausgeprägte Eigenschaften werden im Laufe des Lebens immer ausgeprägter, wenn man nicht daran arbeitet. Zu narzisstischen Persönlichkeitsstilen gehört auch, dass sie gerne im Rampenlicht stehen und sich gut präsentieren können. Bis zu einem gewissem Maß ist das karriereförderlich. Wenn dann niemand Grenzen setzt, werden sie immer weiter so agieren. Und dann wird dieser narzisstische Zug immer prägnanter.

Sind Manager also unanständiger als andere Menschen?

Der Begriff "unanständig" passt hier aus meiner Sicht nicht. Zu einem narzisstischen Persönlichkeitsstil gehört, dass man nicht über negative Facetten des Selbst nachdenkt. Dadurch kann man diese Stile leichter ausprägen. Man findet Narzissten aber in allen Lebensbereichen.

Ex-Postchef Zumwinkel hat in der Mitarbeiterzeitung seines Unternehmens betont: "Führungskräfte sind Vorbilder!" Tags darauf klingelten die Steuerfahnder. Ist das Zynismus oder mangelnde Selbsterkenntnis?

Ich kenne Herrn Zumwinkel nicht persönlich. Ich glaube aber, dass so ein Mensch von sich durchaus den Eindruck hat, ein Vorbild zu sein. Für einen guten Topmanager ist aus meiner Sicht Werteorientierung von großer Bedeutung. Wenn sie etwas wie Authentizität in sich haben oder bestimmte Grundsätze, denen sie treu bleiben, wirkt sich das darauf aus, ob sie wirklich ein Vorbild sind. Das ist ein wichtiger Aspekt, um erfolgreich führen zu können - sowohl in Großunternehmen als auch im Mittelstand, weil man da den Mitarbeitern noch ein Stück näher ist.

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