Natürliche Gesichtscremes im Test: Nur Billigprodukt schafft "sehr gut"

- Wer seine Gesichtshaut gerne mit hochwertiger Naturkosmetik glätten will, muss gar nicht tief in die Tasche greifen. In einem Test von Cremes hat ein Drogeriemarkt-Artikel am besten abgeschnitten. Bei anderen Produkten wurde die mangelhafte Konservierung bemängelt, wegen der sich nach dem Öffnen Keime bilden können.

Genauso wie die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen ist, nutzen auch immer mehr Verbraucher Kosmetika, die auf natürlicher Basis hergestellt werden. Auf den Boom hat nun auch die Stiftung Warentest in Berlin reagiert: Zwölf Natur-Gesichtsscremes von billig bis teuer haben die Tester in den vergangenen Wochen von Probandinnen testen lassen und im Labor untersucht. Die Ergebnisse sind im aktuellen "Test"-Heft veröffentlicht.

Als Einzige mit "sehr gut" wurde die Creme von dm/alverde bewertet. Sie versorgt die Haut auch am besten mit Feuchtigkeit. Mit 10,85 Euro pro 100 Milliliter ist sie zudem relativ günstig zu haben. Die vier "guten" Marken Weleda, Dr. Hauschka, Sante und lavera kosten alle mindestens das Doppelte. Letztgenannte Creme erwarb sich in puncto Anwendung (Konsistenz, Verteilbarkeit, Einziehen in die Haut) die beste Note in dem Vergleich.

Wie ein Duftbaum: Ungewöhnlicher Geruch

Viele andere Cremes verpassten nach Angaben der Tester ein "gutes" Gesamturteil, weil sie in der mikrobiologischen Untersuchung schlecht abschnitten. Grund dafür ist, dass bei der Herstellung von Naturkosmetik auf synthetische Konservierungsstoffe verzichtet wird. Dadurch werden manche Produkte jedoch anfälliger für den Befall von Keimen, die die Haut reizen und sogar zu Infektionen führen können. Solche Bakterien bilden sich, wenn Creme-Verpackungen nach dem Gebrauch nicht wieder luftdicht verschlossen werden oder wenn mit ungewaschenen Fingern in den Tiegel gefasst wird. "Der Umgang mit diesen Mitteln erfordert mehr Achtsamkeit als der Gebrauch konventioneller Kosmetik", mahnen die Tester.

Wie während des Tests deutlich wurde, müssen Damen (und Männer), die auf Naturkosmetik umsteigen, sich erst einmal an die besondere Duftnote der Produkte gewöhnen. Es rieche wie ein Duftbaum im Auto, sagte eine der Probandinnen während des Cremetests. Drei andere beendeten die Nutzung sogar vorzeitig, weil sie den Geruch unerträglich fanden.

Problematisch ist laut Stiftung Warentest zudem, dass es keine rechtsverbindliche Definition dafür gibt, was Naturkosmetik eigentlich ausmacht. Orientierung bietet lediglich die Aufzählung der Inhaltsstoffe. Und auch aufgedruckte Siegel wie "Kontrollierte Naturkosmetik" vom Verband BDIH oder das "Dreihäuser-Logo" von Neuform helfen. Sie werden nur vergeben, wenn in der Creme nur Naturstoffe stecken, wie die Tester schreiben. Das sind Stoffe pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Ursprungs.

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