Neckermann erhält Insolvenzverwalter

Frankfurt/Main - Beim Versandhändler Neckermann kontrollieren künftig zwei Insolvenzverwalter die Geschäfte.

Michael Frege wurde für Neckermann.de bestellt, Joachim Kühne für die Logistik, wie es am Donnerstag beim Amtsgericht Frankfurt am Main auf dapd-Anfrage hieß. Sie schauten sich nun die Verhältnisse im Unternehmen an und prüften etwa, wie viel Vermögensmasse noch vorhanden sei.

Die Anwälte hätten vier Wochen Zeit, um ein Gutachten vorzulegen und den Antrag zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen. Die Gewerkschaft ver.di begrüßte die schnelle personelle Entscheidung. Gewerkschaftssekretär Wolfgang Thurner hatte zuvor eine rasche Festlegung angemahnt, “damit die Firma Neckermann schnell wieder geschäftsfähig ist und die Geschäfte weiterlaufen können“. Eine Einschätzung zu den benannten Rechtsanwälte wollte er noch nicht abgeben. Auch Neckermann wollte sich zunächst nicht dazu äußern.

Das Unternehmen hatte am Mittwoch Insolvenzantrag gestellt. Zuvor waren Verhandlungen mit ver.di über einen Sanierungsplan gescheitert. Zwar waren sich Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretung einig geworden. Eigentümer Sun Capital hielt das Ergebnis der Verhandlungen allerdings für nicht tragfähig und stellte keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung. In den Verhandlungen war es um den vom Management beabsichtigten Abbau von 1.380 der rund 2.400 Stellen in Deutschland gegangen.

Gewerkschaft hofft auf Rettung von Arbeitsplätzen

Unmittelbar nach dem Scheitern der Verhandlungen hatte Neckermann angekündigt: “Die Geschäftsführung wird alles daran setzen, das laufende Geschäft auch im vorläufigen Insolvenzverfahren aufrecht zu halten.“

Ver.di hatte sich enttäuscht von der Haltung des Eigentümers Sun Capital gezeigt. Zugleich kündigte Thurner an, den Insolvenzverwalter zu unterstützen. Das bekräftigte er am Donnerstag. Ver.di sei an einer konstruktiven Zusammenarbeit interessiert, sagte er.

“Wir unterstützen auch die Suche und Versuche, einen seriösen Investor zu finden.“ Sun Capital werde von ver.di abgelehnt. Die Gewerkschaft wollte rasch Kontakt zum Insolvenzverwalter aufnehmen, um ihr Fortführungskonzept für Neckermann vorzustellen. Sie hofft, Arbeitsplätze im Onlinebereich und der Logistiksparte retten zu können.

dapd/dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mindestlohn hat untere Tarifgehälter angehoben
Der 2015 eingeführte gesetzliche Mindestlohn hat vor allem in typischen Niedriglohnbranchen gewirkt.
Mindestlohn hat untere Tarifgehälter angehoben
Reisemobile werden in Deutschland immer beliebter
Düsseldorf (dpa) - Reisemobile und Caravans sind in Deutschland so gefragt wie nie zuvor. Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres seien mehr als 48 000 …
Reisemobile werden in Deutschland immer beliebter
Deutsche Post baut jetzt mit Ford größere E-Transporter
Die Post gehört zu den großen Herstellern von E-Autos in Deutschland. Bis 2050 will der Konzern seine Fahrzeugflotte komplett CO2-frei machen. Gemeinsam mit Ford stellt …
Deutsche Post baut jetzt mit Ford größere E-Transporter
Air-Berlin-Insolvenz: Ryanair reicht Kartellbeschwerde ein
Geht bei der Insolvenz von Air Berlin alles mit rechten Dingen zu? Konkurrent Ryanair sieht Mauschelei zwischen der Bundesregierung und deutschen Airlines. Das …
Air-Berlin-Insolvenz: Ryanair reicht Kartellbeschwerde ein

Kommentare