Nervöse Anleger lassen Aktien fallen

München - Jagten die Aktienkurse bis vor kurzem noch Rekorde, stürzten sie in den letzten Tagen rund um den Globus in den Keller. Vor allem schlechte Nachrichten vom US-Immobilienmarkt ließen die Börsen beben. Doch gerade deutsche Werte dürften sich bald wieder erholen.

Schon jetzt steht fest, dass der Juli 2007 als dramatischer Monat in die Börsen-Geschichtsbücher eingehen wird. Sowohl der Deutsche Aktienindex als auch der US-amerikanische Dow Jones erreichten neue Bestmarken, um nur wenige Tage später kräftig Federn zu lassen. So sackte der Dax am Freitag vorübergehend auf 7372 Punkte ab und damit deutlich unter sein gerade einmal zwei Wochen altes Allzeithoch von 8151. Der Dow markierte am Abend bei rund 13 340 Punkten, nachdem er erst kürzlich die 14 000er-Rekordmarke geknackt hatte.

Die zeitweise rapide Talfahrt der beiden Kursbarometer und auch anderer internationaler Indizes wie dem Nikkei (siehe Chart) zeigt, dass sich die Party-Stimmung an den Weltbörsen vorläufig verflüchtigt hat. Allerdings sprechen Beobachter von "Korrekturen", die gerade am deutschen Markt zu erwarten waren. "Das ist eine Bereinigung, kein Crash", sagt Aktienstratege Ralf Zimmermann vom Bankhaus Sal. Oppenheim.

Viele seiner Kollegen hatten in letzter Zeit darauf hingewiesen, dass die Gefahr von heftigen Schwankungen steigt. Das ist nicht ungewöhnlich, denn wann immer die Kurse neue Gipfel erklimmen, trennen sich viele Anleger von ihren Beständen, um eingefahrene Kursgewinne in Sicherheit zu bringen. Diesen Verkaufstrend verstärkten in den vergangenen Tagen noch enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA und Europa und schlechte Nachrichten vom kriselnden US-Immobilienmarkt. Die amerikanischen Börsen hatten deswegen am Donnerstag die höchsten Verluste in diesem Jahr verbucht.

Gerade der Hausmarkt in Nordamerika bereitet den Investoren jenseits des Atlantiks Sorgen (wir berichteten). Sie fürchten, dass die einbrechenden Immobilienpreise, der zunehmende Ausfall von zweitklassigen Hypothekenkrediten und die nachlassende Bautätigkeit auf Konjunktur und Finanzmärkte abstrahlen. So könnten sich etwa in der Folge die Kreditkonditionen verteuern, was die Ausgabebereitschaft der Konsumenten und Unternehmen ausbremsen würde. Bislang zeigt sich die US-Wirtschaft aber unbeeindruckt: Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal 2007 nach neuesten Daten um 3,4 Prozent und damit kräftiger als erwartet.

Kleinaktionäre und Fondsbesitzer sollten sich von dem Kursknick an der Börse nicht aus der Ruhe bringen lassen. "Wir haben nicht das Jahr 2000", sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Frankfurt. Wer momentan im Aktienmarkt investiert sei, solle nicht aus Panik verkaufen. Auch die Marktbeobachter der DZ-Bank schreiben in ihrem Wochenbericht: "Wir empfehlen, bestehende Positionen in Aktien und Aktienzertifikaten zu halten."

Nach den Worten von Jürgen Kurz könnten sich Anleger sogar überlegen, die Schwächephase für einen Einstieg zu nutzen. "Es könnte sich lohnen, substanzstarke Aktien zu kaufen", sagt Kurz. Fraglich ist jedoch, wann der Tiefpunkt der Korrektur erreicht ist. Die DZ-Experten sehen bei 7300 bis 7500 Dax-Punkten eine "Kaufgelegenheit". Der Chefstratege der Bank Delbrück Bethmann Maffei in Frankfurt, Michael Harms, sieht den Index noch auf 7000 Punkte absinken.

Doch auch Harms hält - wie viele Aktien-Analysten - den Aufwärtsdrang des Dax für ungebrochen. Im Herbst wird der Index nach seiner Einschätzung wieder in Richtung 8000 Punkte aufsteigen, da Konjunktur und Unternehmensgewinne in Deutschland nach wie vor intakt seien. Und auch für das kommende Jahr ist Harms optimistisch: "Die Hausse (Kursanstiegsphase) wird noch 2008 anhalten."

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