Nervosität lässt Kurse rutschen

- München - Der Dax schaffte es von 0 auf 100 in etwa fünf Minuten. Zum Handelsstart notierte der Deutsche Aktienindex plus/minus null gegenüber seinem vorangegangenen Schlussniveau, kurz später war er 100 Punkte abgesackt. Weltweit schmierten die Börsenkurse zum Wochenauftakt ab. Sündhaft teures Öl und eine nahende Zinserhöhung in den USA bringen viele Anleger in Verkaufs-Laune.

<P>Egal wie sich die Börse verhält - irgendwo gibt es immer eine entsprechende Spruch-Weisheit, die erklärt, warum man es schon vorher hätte wissen können. "Sell in May and go away" - Verkaufe im Mai und bleibe fern - ist eine derzeit passende. Seit Ende April hat der Dax rund 350 Punkte eingebüßt - etwa neun Prozent. Im Sauseschritt ging es gestern abwärts, als die deutschen Standardwerte zeitweise über drei Prozent an Wert einbüßten und der Dax bei gut 3777 Zählern ankam. </P><P>Der TecDax, der große Hightech-Unternehmen abbildet, verlor in der schlimmsten Phase gut fünf Prozent auf etwa 545 Punkte. An der Börse in Tokio war der Nikkei-Index zuvor fast fünf Prozent auf 10 884,70 Zähler gerutscht. In den USA rutschte der Dow Jones Index unter 10 000 Punkte. Er lag zwischenzeitlich mit 1,5 Prozent im Minus bei rund 9960 Punkten.<BR><BR>"Wenn die Zinsen in den USA leicht steigen, heißt das, dass mit einer Konjunkturbelebung gerechnet wird. Das sollte die Märkte zunächst eigentlich freuen", erklärt Peter Worel von der Bayerischen Landesbank. Stattdessen fürchteten die Anleger, dass steigende Zinsen die Konjunkturbelebung abwürgen könnten, erläutert der Börsen-Spezialist. Andererseits liege der Öl-Preis schon auf extrem hohem Niveau, was bei Unternehmen und Verbrauchern die Kosten steigen lässt. "Wenn der Öl-Preis die Konjunktur tatsächlich deutlich bremst, käme es aber wohl gar nicht zur Zinsänderung", glaubt Worel. Doch an den Märkten setzen sich solche pragmatischen Erwägungen nicht gegen die Nervosität durch.</P><P>"Latente Gefahr": Hohe Verschuldung in USA</P><P>Am meisten büßen deshalb die Unternehmen ein, die vom Öl-Preis abhängig sind: etwa Luftfahrt- und Chemie-Branche. "Je Rohstoff-intensiver das Geschäft, desto kritischer sieht es die Börse", erklärt Worel. Als "latente Gefahr" steigert die hohe Verschuldung von Staat und Volk der USA die Anspannung. Steigen die Zinsen, kann sich mancher Überschuldete, der für seine Kredite teurer bezahlen muss, keinen großen Konsum mehr leisten, ohne den wiederum der Aufschwung nicht in Gang kommt. In einer solchen Situation helfen auch gute Unternehmenszahlen nicht mehr viel. Denn auch hier kann man - düster - weiter denken und fragen, was die Unternehmen dann künftig noch drauflegen sollen.<BR><BR>Also ging es erst mal abwärts - sogar bis jenseits der 200-Tage-Linie. Diese bildet den durchschnittlichen Index-Stand der vergangenen 200 Tage ab und verläuft im Dax derzeit bei etwa 3780 Punkten. Sie gilt unter Chart-Technikern als eine der kritischen Grenzen. Wenn der Index zum Börsenschluss darunter notiert, könnte das ein Signal für weiteren Abwärtsschwung sein.<BR></P>

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