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Edeka siegt: Nestlé musste in Preisverhandlungen jetzt einige Zugeständnisse machen.

Ende in Sicht 

Kampf der Lebensmittelgrößen: Edeka macht Druck - und Nestlé knickt ein

Seit Februar hat Edeka immer mehr Nestlé-Produkte aus seinen Regalen verbannt und Nestlé damit kräftig unter Druck gesetzt. Jetzt ist ein Ende des Preiskampfs in Sicht.

Frankfurt - Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Montag berichtete könnte der monatelange Streit zwischen dem Einzelhändler Edeka und dem Nahrungsmittelkonzern Nestlé wohl bald vorbei sein. So soll die Zeitung aus Verhandlungskreisen erfahren haben, dass die Unterhändler beider Seiten Ende vergangener Woche in den Verhandlungen um Rabatte und Konditionen grundsätzlich übereingekommen seien, was ihre jeweiligen Interessen betrifft. 

Hintergründe zum Nestlé-Boykott

Nachdem Edeka bereits im Februar beschlossen hatte, erste Nestlé-Produkte zu boykottieren, um damit seinen Forderungen nach besseren Einkaufskonditionen Nachdruck zu verleihen, weitete der Supermarktriese seinen Nestlé-Bann in den vergangenen Wochen zunehmend aus. Erst verzichtete Edeka auf insgesamt 163 Produkte, die für rund 20 Prozent des Umsatzes standen, den der Händler mit den Artikeln des Schweizer Konzerns erzielt hatte. Dann machte Edeka ernst und weitete die Reduktion des Nestlé-Sortiments auf 30 Prozent der Erlöse aus. Diese Einbußen blieben offensichtlich selbst beim unter Druck geratenen Weltkonzern Nestlé nicht unbemerkt. Schon zu Beginn der Divergenzen gab der schweizerische Lebensmittelhersteller öffentlich kund: „Wir bedauern, dass unsere Verbraucher derzeit in einigen Geschäften in Europa keine Nestlé-Produkte erwerben können“. Außerdem hoffe Nestlé „zu dieser bedauerlichen Situation“ bald eine einvernehmliche Lösung zu finden - so der damalige Stand. 

Nestlé geht auf Edeka zu 

Jetzt ging der Konzern endlich einen Schritt auf Edeka zu. Wie ein Teilnehmer nun über den schleppenden Gesprächsverlauf der letzten Monate berichtete, waren „Nestlés Manager in zentralen Punkten zu Konzessionen bereit“. Demnach hat der Druck, den die Handelsallianz Agecore - als eine der größten Handelsallianzen Europas - auf den Weltkonzern Nestlé ausgeübt hat, nun Wirkung gezeigt. 

Zuvor hatte Edeka sich mit den europäischen Partnern Intermarché, Coop Schweiz und Colruyt verbündet, um Nestlé unter Zugzwang zu setzen und den schweizerischen Lebensmittelhändler zu Zugeständnissen bei Preisen und Konditionen zu zwingen. Zusammen wickeln die Mitglieder des Einkaufsklubs nämlich mit rund zwei Milliarden Euro Umsatz eine beträchtliche Summe mit Nestlé ab. Edekas Intention dahinter war es, den Lebensmittelkonzern auf diese Weise aus der Reserve zu locken und seine Kosten im Einkauf zu senken - anscheinend mit Erfolg.

Ergebnisse der Verhandlungen

Die neuen Vereinbarungen beinhalten wohl, dass der schweizerische Lebensmittelgigant sich in Zukunft stärker finanziell an den von Edeka geforderten gemeinsamen Werbeaktionen beteiligt. Falls Nestlé eine besondere Platzierung im Regal möchte, so solle das künftig separat in Rechnung gestellt werden. Von den Sprechern der Unternehmen habe es bislang noch kein offizielles Statement zu den Verhandlungen gegeben. So sagte ein Edeka-Sprecher: „Das kommentieren wir nicht“. Ob die Lieferbedingungen, die zuvor von Edeka kritisiert wurden, geändert werden, geht aus dem Bericht nicht hervor. 

Obwohl die Vereinbarungen noch nicht in trockenen Tüchern seien, werde in den nächsten Tagen mit Hochdruck über die Details eines neuen Einkaufsvertrags zwischen dem weltweit größten Nahrungsmittelhersteller und dem von Edeka geführten europäischen Händlerverbund Agecore verhandelt. 

Aktieneinbrüche bei Nestlé

Schon seit Beginn des Preiskampfes zwischen Edeka und Nestlé befindet sich die Aktie des Lebensmittelgiganten auf Talfahrt. Als Nachwirkung des FAZ-Berichts verlor das Papier am Montagabend weiter an Wert. Der sogenannte Buzz-Wert - als Maßeinheit für den BrandIndex von YouGov - gibt an, wie positiv oder negativ Nachrichten über eine Marke wahrgenommen werden: Dieser erreichte im Zuge des Regalbanns von Edeka einen historischen Tiefpunkt. So lag Nestlé hier zeitweise bei einem Wert von minus 17, wohingegen Edeka als der größte deutsche Lebensmittelkonzern sich konstant bei guten 16 bis 19 Punkten halten konnte. Am Dienstag will Edeka über das Geschäftsjahr 2017 informieren.

Lesen Sie auch: „Nestlé wird ausgebremst: Umbau lastet auf dem Gewinn

dpa/ang

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