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Nestlé: Weltgrößter Lebensmittelkonzern hält Großteil seiner eigenen Lebensmittel für ungesund

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Von: Patrick Freiwah

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In Supermärkten finden sich zahlreiche Lebensmittel des Schweizer Nestlé-Konzerns
In Supermärkten finden sich zahlreiche Lebensmittel des Schweizer Nestlé-Konzerns. © MANUEL GEISSER/imago-images

Nestlé hält seine eigenen Lebensmittel für ungesund: Zu dieser Schlussfolgerung kommt offenbar ein internes Dokument, das unter Managern des Schweizer Konzerns verbreitet wurde.

München - Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung lautet ein bekanntes Sprichwort. In einer Zeit, wo immer mehr Menschen Wert auf bewusste Ernährung legen, trifft das offenbar auch auf den weltgrößten Hersteller von Lebensmitteln zu: Nestlé.

Das Manager Magazin berichtet mit Verweis auf die Financial Times von einem Dokument, dessen Inhalt letztlich die Gesundheit von Milliarden Menschen betrifft: Über 60 Prozent des Angebots entspreche nicht dem, was man unter einer gesunden Ernährung verstehen kann. In der Präsentation ging es um die Einstufung der Produktpalette, sie wurde den Schilderungen zufolge als internes Positionspapier unter Managern des Schweizer Konzerns verbreitet.

Nestlé: Lebensmittelkonzern macht viel Geld mit gezuckerten Produkten

Betrachtet man das Markensortiment von Nestlé, so findet sich ein bunter Mix aus Nahrungsmitteln: lösliche Getränke wie Kaffee oder Kakaopulver, Wasser unterschiedlicher Marken, Fertiggerichte und auch Cerealien, Süßigkeiten und Eisprodukte.

Diese Aufzählung zeigt schnell, dass ein Großteil der Nestlé-Produkte nicht wirklich gesund ist, sondern - siehe etwa die Süßwaren - sogar eher abträglich ist. Allerdings seien bei dem internen Dokument laut Financial Times bestimmte Bereiche ausgeklammert. Dazu gehören Baby- und Tiernahrung sowie Erzeugnisse für die Gesundheit.

Das bewertete Spektrum mache indes rund 50 Prozent des Umsatzes aus - und davon wiederum würden laut dem Bericht nur 37 Prozent als gesund abschneiden. Das Ergebnis basiere auf dem „Health Star Rating“, das von der australischen Regierung konzipiert und von internationalen Organisationen übernommen wurde. Ähnlich wie die jüngst eingeführte Nährwert-Ampel Nutri-Score werden Erzeugnisse der Nahrungsmittelindustrie bewertet.

Darüber hinaus sei sich die Führungsriege von Nestlé bewusst, dass einige Bestandteile im Sortiment auch künftig nicht die Kriterien für eine „gesunde“ Lebensweise erfüllten. Zweifellos sind damit die zahlreichen Süßwaren gemeint, schließlich gehören etablierte Marken wie Kitkat, After Eight, Smarties, Nesquick, Nestea, Mövenpick oder auch Schöller zum Angebot. Hier liegt die Verantwortung also letztlich beim Verbraucher, sorgsam mit seiner Ernährung umzugehen.

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Nestlé plant gesündere Lebensmittel - Gewinnmaximierung setzt jedoch Grenzen

Allerdings weiß das Unternehmen mit Sitz in Vevey nahe Lausanne offenbar selbst, dass selbst gesteckte Ziele zur Optimierung der Angebotspalette bislang nicht erreicht wurden. Laut dem Artikel seien die Anteile an Zucker, Salz und auch ungesunden Fetten seit 2017 weniger deutlich reduziert worden als ursprünglich geplant. Wie das Manager Magazin ausführt, liege das hauptsächlich daran, dass der Konzern an der Börse notiert sei und daher unter Ergebnis-Druck durch die Investoren stehe. Die zwar stetig wachsende Nachfrage für vegane und vegetarische Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel oder Milch- und Fleischersatz sei noch nicht lukrativ genug, wenngleich Nestlé diesen Teil bediene.

Die Aktionäre von Nestlé könnten mit dem zögerlichen Kurs zufrieden sein, denn wirtschaftlich läuft es für den Schweizer Konzern momentan glänzend: Im ersten Quartal 2021 steigerte der Konzern die Erlöse aus eigener Kraft - also ohne Wechselkurseffekte und Zu- und Verkäufe - um 7,7 Prozent auf umgerechnet 19,1 Milliarden Euro.

Gegründet wurde der Schweizer Konzern Nestlé übrigens von einem deutschen Auswanderer, wie unsere Auflistung der 50 wertvollsten Unternehmen der Gegenwart erläutert. (PF)

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