Netzentgelte fallen auch in Bayern - Strom- und Gaspreise vorerst nicht

- München - Die Bundesnetzagentur hat mit Eon nun auch dem in Bayern führenden Stromversorger die beantragten Netzentgelte deutlich zusammengestrichen. Zudem kürzte die Bonner Regulierungsbehörde erstmals auch Durchleitungsgebühren von Gaslieferanten. Noch bleibt aber offen, ob diese Entscheidungen wie von Verbrauchern und der Wirtschaft erhofft, den Anstieg der Energiepreise stoppen können.

Der Energielieferant Eon muss Strom künftig zu günstigeren Konditionen durch sein Hochspannungsnetz leiten. Die Bundesnetzagentur (BNA) gab bekannt, dass sie die von der Konzern-Tochter Eon Netz GmbH beantragten Netzkosten um 16 Prozent gekürzt habe. In den vergangenen Wochen hatte die BNA bereits die geforderten Gebühren der anderen großen Anbieter RWE, EnBW und Vattenfall mit dem Hinweis gesenkt, diese seien überhöht.

Die gut 850 deutschen Stromversorger müssen sich die Durchleitungsgebühren wegen der monopolhaften Marktstruktur seit diesem Jahr genehmigen lassen. Eon kündigte an, den Beschluss der BNA zu akzeptieren und die Netzentgelte gegenüber den derzeitigen Tarifen um neun Prozent zu senken. Offen ließ das Unternehmen allerdings, ob davon die rund 2,2 Millionen Privatund Gewerbekunden profitieren, die Eon über eine weitere Tochter -nämlich Eon Bayern -im Freistaat mit elektrischer Energie versorgt. Eon Bayern muss ebenfalls Netzentgelte an die Eon Netz GmbH zahlen, da über deren Leitungen der Strom zu den Verbrauchern transportiert wird.

Durch die Kürzung der Gebühren würde die Kostenbelastung verringert, Strom könnte billiger werden. Ein Eon-Sprecher erklärte gegenüber unserer Zeitung jedoch, es könne noch nicht gesagt werden, wie der Endkundenpreis durch die Entscheidung beeinflusst wird. Maßgeblich ist nach seinen Worten zum einen, wie die Bundesnetzagentur über die Netzkosten von Eon Bayern entscheiden wird; das könnte bereits in den nächsten Tagen der Fall sein. Außerdem müsse abgewartet werden, wie das bayerische Wirtschaftsministerium über die beantragte Stromtariferhöhung entscheide.

Eon Bayern verlangt wie die Mehrheit der bundesweiten Versorger wegen gestiegener Beschaffungskosten einen Aufpreis. Auch Politik und Verbraucherschützer hielten sich nach der Regulierungs-Entscheidung mit Prognosen zur weiteren Strompreisentwicklung zurück. "Man sollte die Kürzungen bei den Netzentgelten nicht bagatellisieren", sagte BNA-Chef Matthias Kurth. Die Netzkosten machten 38 Prozent des Endkundenpreises aus. Allerdings könnten "gegenläufige Effekte" wie die steigenden Bezugskosten nicht beeinflusst werden.

Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber erklärte zwar, die "Richtungsentscheidung" der Bundesnetzagentur werde sich letztlich auch positiv auf die Verbraucher auswirken. Er warnte jedoch vor zu viel Euphorie. Ähnlich wurde auch die erstmalige Regulierung bei den deutschen Gaslieferanten beurteilt, deren Netzentgelte ebenfalls von der BNA kontrolliert werden. Betroffen sind mit Eon Thüringen und Eon Mitte ebenfalls zwei Eon- Töchter, wie die Behörde mitteilte.

Bei beiden Anbietern wurden rund zehn Prozent der Netzkosten nicht anerkannt. Matthias Kurth erklärte, auch beim Gas könnten höhere Bezugspreise den Absenkungseffekt ausgleichen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Leverkusen/New York - Bayer und Monsanto wollen den künftigen US-Präsidenten Donald Trump mit Investitionen und US-Arbeitsplätzen von ihrer Fusion überzeugen.
Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank könnte Medienberichten zufolge schon bald drastische Einschnitte bei den Boni ihrer Mitarbeiter verkünden.
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
London - Theresa May kündigte am Dienstag den klaren Bruch mit der EU an. In unserer Zeitung erklärt der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest, wie teuer …
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren
New York - Bis 2050 wird einer Studie zufolge mehr Plastikmüll in den Weltmeeren schwimmen als Fische - wenn nicht schnell gehandelt wird. Genau das tun jetzt 40 große …
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren

Kommentare