Was das neue Android-Handy kann

München - Eine Allianz aus Netzbetreibern und Mobilfunkunternehmen rund um den US-Internetkonzern Google will die Handy-Welt revolutionieren. In den USA bringt T-Mobile nun ein neues Gerät auf den Markt: Das G1 mit dem neuen Betriebssystem Android.

-Was steckt hinter dem Projekt?

Bislang nutzt weltweit nur etwa jeder zehnte Mobilfunk-Kunde mobiles Internet. Theoretisch wäre hier also noch sehr viel Geld zu verdienen. Zu teuer, zu kompliziert, zu viele Schwachstellen, zu unbekannt - das sind die Gründe, warum die meisten Verbraucher sich diesem Trend verschließen. Der US-Konzern Google hat sich im vergangenen Jahr mit 33 Mobilfunkherstellern und Netzbetreibern zusammengeschlossen, um genau das zu ändern. Das Bündnis, an dem unter anderem Motorola, Samsung, T-Mobile, Ebay und der mit knapp 350 Millionen Kunden weltgrößte Mobilfunkanbieter China Mobile teilnehmen - aber weder Microsoft noch Apple - nennt sich "Open Handset Alliance". Die Idee war, ein Handy-Betriebssystem zu entwickeln, das auf Geräten aller möglichen Hersteller laufen soll. Diese Software nennt sich Android, ein Begriff, mit dem menschenähnliche Roboter bezeichnet werden.

-Was ist das Neue an den Android-Handys?

Die Android-Mobiltelefone stellen die mobile Internetnutzung in den Mittelpunkt. Sie sind eine Mischung aus Telefon und Minicomputer und gehören zur Klasse der sogenannten Smartphones. Aktueller Marktführer in diesem Bereich ist Nokia mit seinem Betriebssystem Symbian. Weitere starke Konkurrenten sind Microsofts Betriebssystem Windows Mobile, das in Handys diverser Hersteller steckt, sowie das iPhone von Apple und der mobile E-Mail- Dienst BlackBerry von Research in Motion (RIM).

"Der Hauptunterschied zu anderen Handy-Betriebssystemen ist, dass sich jeder die Software nehmen und sie so verändern kann, wie er will", erklärte Google-Chef Eric Schmidt. "Es geht darum, auf Tausenden Handys präsent zu sein." Gerätehersteller können das Android-Programm nach ihren Wünschen modifizieren und sie müssen keine Lizenzgebühr zahlen.

Darüber hinaus soll das Android-Handy so leistungsstark sein, dass man keinen Unterschied zwischen Web und Handy spürt, verspricht Google-Chef Schmidt: "Alles, was auf einer Website läuft und gut aussieht, wird auch auf Android funktionieren."

Auch mehrere Programme können gleichzeitig laufen: Musikhören, dabei eine E-Mail lesen und kurz in der Kontaktliste eine Telefonnummer eintragen lassen, die man gerade per Mail bekommen hat, soll problemlos funktionieren.

Experten loben auch die Verknüpfungsmöglichkeiten zwischen den Anwendungen, die durch die GPS-Ortung möglich sind: Via Google Maps sind etwa eigenständig mit dem realen Standpunkt mitschwenkende Stadtpläne möglich.

-Welche Nachteile haben die "Androiden"?

Wie groß der Nutzen von Android gegenüber anderen Handy-Systemen wirklich ist, muss sich erst noch zeigen: Bisher sei nicht bekannt, welche Anwendungen und wie viele es tatsächlich gibt, so Marie-Anne Winter vom Telekommunikationsportal Teltarif.de. Und dass Google an Android beteiligt ist, stimmt die Expertin skeptisch, weil das Unternehmen einen zweifelhaften Ruf als "Datenkrake" besitzt: "Was passiert mit den Daten, die über das Handy laufen?"

Hinzu kommt, dass bei einem derart frei zugänglichen Programm wie Android, die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sich auch Viren und andere Schädlinge einnisten. Ein bereits bekannter Nachteil: Das Telefon G1 kann sich bisher nicht mit den E-Mail-Servern der meisten Firmen auf Microsoft-Basis verbinden. Ein Einsatz dieser Handys in Unternehmen ist daher wenig vorteilhaft.

-Was kann das G1?

Die wirkliche Leistung wird sich erst im Alltag zeigen. Grundsätzlich ist das G1 ein Smartphone des taiwanesischen Herstellers HTC mit dem Betriebssystem Android. Es wird über T-Mobile vertrieben und wiegt 157 Gramm, ist 117 Millimeter groß, 55 Millimeter breit und 16 Millimeter dick. Der Hersteller verspricht, eine problemlose Bedienung über das berührungsempfindliche Display. Alternativ steht auch ein Trackball, ein kugelförmiges Eingabegerät, unterhalb des Displays zu Verfügung. Fürs bequeme Tippen von E-Mails bietet das G1 zusätzlich eine ausziehbare Tastatur. Eine 3-Megapixel-Kamera macht das G1 fototauglich. Video-Aufnahmen sind nach bisherigen Angaben allerdings nicht möglich. Der Musik-Player dagegen unterstützt alle gängigen Formate, auch iTunes. Der Speicher kann von einem auf bis zu acht Gigabyte aufgepeppt werden. Alle wesentlichen Google-Applikationen vom Routenplaner bis zur Video-Plattform Youtube sind im G1 vorinstalliert. Ebenso verfügt das Handy über einen GPS-Empfänger.

- Was kostet das G1?

Die fehlende Lizenzgebühr hält den Endpreis vergleichsweise niedrig: 179 Dollar (122 Euro) soll das ab 22. Oktober in den USA erhältliche G1-Handy mit Vertrag kosten. Zum Vergleich: das iPhone von Apple kostete bei der Markteinführung in den USA rund 600 Dollar. Zu welchem Preis T-Mobile das G1-Handy ab 2009 in Deutschland anbieten wird, ist noch unklar.

-Ist das G1 jetzt das "Google Phone", über das lang spekuliert wurde?

Der Internet-Konzern selbst betont, dass es nicht um ein Google-Phone geht, schließlich können ein Android-Handy auch komplett ohne Google-Anwendungen auskommen. In der Realität ist dies allerdings kaum zu erwarten - allein schon weil die Nutzer von sich aus häufig auf Google-Angebote zurückgreifen werden. Und schließlich spricht der Name G1 Bände.

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