Neue Briefträger nur noch als Teilzeitkräfte

- München -­ Briefträger im Hauptberuf könnte in der Stadt bald der Vergangenheit angehören. Die Deutsche Post will in "kompakten" städtischen Gebieten bis spätestens 13 Uhr Briefe zustellen. Für die frühere Zustellung werden nur noch Teilzeitkräfte gebraucht. Das neue Konzept der Post AG sieht vor, dass das Vorbereiten und Sortieren der Briefpost nicht mehr vom Zusteller erledigt wird. Der Briefträger soll in verdichteten Wohngebieten mit einem hohen Anteil von Geschäftskunden möglichst bis 13 Uhr die Post zugestellt haben, erklärte Gert Hilger, Sprecher der Post in München.

In München sind seit letztem Herbst 50 Zustellbezirke so organisiert, bis 2010 sollen es 196 der zirka 750 Bezirke sein. Auch in Umlandgemeinden wie Olching, Neuried, Planegg und Fürstenfeldbruck soll dieses Konzept greifen. Tendenziell wird dadurch die Zahl der Vollzeitkräfte sinken und die der Teilzeitkräfte mit gewöhnlich nur 19,25 Wochenstunden steigen. "Wir befürchten, dass dadurch ein Traditionsberuf wegbricht", sagte Fritz Kerscher von der Gewerkschaft Verdi Brief in München. Bei 10,14 Euro Stundenlohn für einen neu angestellten Briefträger gerate man schnell in einen Bereich, wo man ohne Nebentätigkeit nicht mehr auskommt.

Hauptberufliche Briefträger, deren Zustellbezirk von einer Teilzeitkraft bedient werden soll, würden umgesetzt. Niemandem werde gekündigt oder gegen seinen Willen die Arbeitszeit verkürzt ­ das hatte die Gewerkschaft bis Ende 2009 ausgehandelt. Allerdings stelle die Post kaum mehr Vollzeitkräfte ein. Was die Arbeitnehmer besonders ärgere, ist, dass die Teilzeitzustellbezirke eher auf 23 Wochenstunden anstatt der vertraglichen 19,25 ausgelegt seien. Effektiv arbeiten die Teilzeitkräfte also mehr, was auch abgegolten wird. Nur im Urlaubs- und Krankheitsfall fehle dann anders als bei den Vollzeitkräften der Ausgleich.

Eine große Sorge ist laut Kerscher, dass es nach 2010 zur Fremdvergabe der Briefzustellung kommen könnte. So wie die Post schon jetzt Briefkästen durch Speditionsfirmen leeren lässt.

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