Der neue Chef bei Infineon: Forschung in Deutschland halten

- München - Der Münchner Halbleiterhersteller Infineon bekommt nicht nur einen neuen Chef. Auch die Ausrichtung des Unternehmens dürfte sich ändern. Wolfgang Ziebart, designierter Vorstandschef hält wenig von Stellenverlagerung in Billiglohnländer und viel vom Standort Deutschland - wenn man etwas für ihn tut.

<P>Dabei kommt es auf die Untertöne an: "Es gibt heute keine lokalen Märkte mehr", zitiert "PS-Automobil-Report" den früheren BMW-Mann und bisherigen Konzernvize bei Continental. "Jede Leistung, die von einem Unternehmen erbracht wird, steht im globalen Wettbewerb." Ähnlich würden es die Chefs der meisten deutschen Unternehmen formulieren. Doch Ziebart betont, es sei "notwendig, die durch Verlagerung verloren gehenden Arbeitsplätze durch neue Wertschöpfung zu ersetzen".<BR><BR>Das ist ein völlig anderer Ansatz, als man ihn von Vorgänger Ulrich Schumacher kennt, der Teile der Software-Entwicklung ins indische Bangalore verlagerte, und mit einem Rückzug aus Deutschland kokettierte. Ganz konkret wurde Ziebart bereits Ende 2003 ausgerechnet bei einer Veranstaltung von Infineon. Dort plädierte Ziebart dafür, "alles zu tun, damit das Potenzial deutscher Forschungs- und Entwicklungsleistung, unserer Ingenieurkunst, unbedingt in Deutschland zu halten." Würde dafür nicht wirklich alles getan, habe Deutschland im globalen Wettbewerb schon verloren.<BR><BR>Möglicherweise stecken hier auch Gründe, warum Ziebart zu Infineon wechselt. Visionäre Innovationen hatten in Hannover keine Zukunft mehr. "Bei Conti wird zu wenig in die Zukunft investiert", zitiert PS einen Branchenbeobachter. Pläne, Elektronik in die Reifen zu bringen, seien zu den Akten gelegt worden. Vorstandschef Manfred Wennemer habe mit kurzfristiger Gewinnorientierung, die Rolle des Reifenherstellers als hoch innovativier Automobilzulieferer aufgegeben. Die Einschätzung des Konzernchefs, dass in 30 Jahren keine Reifen mehr produziert würden, wird als Alarmsignal gewertet. Damit sei zu erwarten, dass Deutschland ein weiteres Innovationsfeld preisgibt", sagten Experten der Automotive Academy Cambridge.<BR><BR>Ziebarts Rückkehr nach München - er musste bei BMW gehen, weil er frühzeitig vor dem Rover-Debakel gewarnt hatte - dürfte für Infineon eine Zukunft in Deutschland wahrscheinlicher machen.<BR></P>

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