Neue EADS-Spitze

- München/Paris - Nach fünf Jahren in einer weitgehend harmonischen Partnerschaft müssen sich Deutsche und Franzosen im EADS-Konzern neu zusammenraufen. Airbus-Chef Noel Forgeard und EADS-Rüstungsvorstand Tom Enders sollen ab Mitte 2005 als neue Co-Chefs dafür sorgen, dass das labile Gleichgewicht bei dem Rüstungs- und Flugzeugbaukonzern nicht ins Wanken gerät. Einfach dürfte das nicht werden. Forgeard hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass er das Unternehmen am liebsten alleine führen würde.

Am Freitag zeigte sich jedenfalls, dass eine Nominierung Forgeards nicht zu verhindern war. "Ich werde Forgeard vorschlagen", sagte der französische Großaktionär Arnaud Lagardère der Tageszeitung "Le Figaro" (Freitagausgabe). DaimlerChrysler zog als deutscher Großaktionär nach und nominierte wie erwartet Enders für die Doppelspitze. In Unternehmenskreisen ist man fest davon überzeugt, dass der schneidige Fallschirmspringer Enders ein gutes Gegengewicht zum französischen Elitemanager Forgeard sein kann. "Hertrich hat sich nicht von den Franzosen über den Tisch ziehen lassen, und Enders wird sich auch nicht über den Tisch ziehen lassen." Enders hat mit harter Hand das defizitäre Rüstungsgeschäft der EADS in die schwarzen Zahlen gebracht.<BR><BR>Auf deutscher Seite und bei einigen Franzosen um den amtierenden Co-Chef Philippe Camus wurde das Machtstreben Forgeards mit großer Skepsis gesehen. "Forgeard wird nachgesagt, dass er in engem Schulterschluss mit Staatspräsident Jacques Chirac steht und den französischen Staatseinfluss vergrößern könnte", räumt der scheidende EADS-Co-Chef Rainer Hertrich ein. Allerdings hätten sich bei Airbus unter Forgeards Führung die Machtverhältnisse nicht verschoben. Zudem gehe es dem umtriebigen Manager ohnehin weniger um nationale Interessen als um seinen persönlichen Führungsanspruch.<BR><BR>Auch wenn Forgeard die alleinige Unternehmensführung anstrebte, ist eine Doppelspitze bei dem multinationalen Konzern wohl noch immer unumgänglich. Der Konzern sei auf staatliche Aufträge angewiesen, sagt Hertrich. Noch aber sei man nicht soweit, dass zum Beispiel jeder deutsche Verhandlungspartner akzeptiere, dass ihm ein Franzose gegenüber sitzt und umgekehrt. In den vergangenen fünf Jahren habe die Doppelspitze funktioniert. "Philippe Camus und ich haben eine sehr erfolgreiche Arbeit hinter uns." Dies müsse Vorbild sein für die Nachfolger. "Wer auch immer die Führung der Company übernimmt: Warum sollte er riskieren, weniger erfolgreich zu sein als die, die es vorher gemacht haben."<BR><BR>Am Freitag bemühten sich alle Seiten um Harmonie. Nun könne wieder Ruhe einkehren ins Unternehmen, hieß es bei der EADS. Forgeard und Thomas Enders "sind berufen, ein neues Kapitel in der Geschichte der Industrie und der Entwicklung von EADS zu schreiben", hieß es in einer Erklärung des französischen Wirtschafts- und Finanzministeriums. Die aktuelle Diskussion um die Mehrkosten beim Riesen-Flugzeug A380 könnte aber ein Anzeichen dafür sein, dass der Haussegen noch immer schief hängt. Hertrich hatte am Dienstag verkündet, die Entwicklungskosten für das unter Forgeards Führung entwickelte Flugzeuge seien überraschend knapp 1,5 Milliarden Euro höher als geplant. Am Freitag widersprach Forgeard seinem Noch-Chef öffentlich. Die von Hertrich genannte Zahl sei nur eine für den schlimmsten Fall angenommene Maximalgröße. "Ich hoffe, dass wir im Budget bleiben." 

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