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Nicht mehr aus der Hand geben müssen Sparkassen-Kunden ihre neuen EC-Karten ab Anfang 2012 beim Einkaufen – vorausgesetzt, das Geschäft hat die entsprechenden Terminals für das „Kontaktlose Bezahlen“.

Neue EC-Karte: Sparkassen-Kunden sollen per Funk zahlen

München - Wer ab Anfang 2012 eine neue EC-Karte von seiner Sparkasse bekommt, kann per Funk bezahlen. An der Supermarktkasse muss dann nicht mehr nach dem Kärtchen gesucht werden – und Geheimzahlen sind nicht mehr wichtig. Verbraucherschützer fürchten Sicherheitsrisiken.

Das Prinzip ist vielen Arbeitnehmern aus der Kantine bekannt: Zum Bezahlen legt man an der Kasse lediglich seinen Geldbeutel auf. Im Portemonnaie befindet sich eine Karte, die an Bezahlstationen aufgeladen wird. Der Betrag für das Essen wird abgebucht, ohne dass man sein Kärtchen herauskramen müsste.

So ähnlich könnte es künftig an der Supermarktkasse aussehen. Dann, so schwärmen die Anhänger des „Kontaktlosen Bezahlens“, das die Sparkassen ab 2012 einführen, könnten lange Warteschlangen der Vergangenheit angehören, da das Bezahlen deutlich schneller gehen würde. Verbraucherschützer hingegen warnen vor Sicherheitsrisiken.

In diesem Herbst sollen in einem Pilotprojekt in Norddeutschland die ersten neuen EC-Karten ausgegeben werden. Geklärt werden sollen aber nur noch Detailfragen. „Es geht nicht mehr um ja oder nein“, sagt Michaela Roth vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Sprich: Die Einführung der neuen Karten ist beschlossen. Die mobile Technik wird äußerlich nicht zu erkennen sein. Ab Anfang 2012 wird auch in Bayern jeder Sparkassen-Kunde, dessen alte Karte ausläuft, eine neue mit Funkchip bekommen.

Dann wird es nicht mehr nötig sein, die Karte in ein Gerät zu stecken. „Die Datenübertragung findet genauso verschlüsselt statt wie bisher“, sagt Roth, „nur eben über Funk“.

Die Sparkassen hoffen, dass kleinere Erledigungen dann über die neue Funktion abgewickelt werden. Schon einmal hatte man versucht, die Kunden dazu zu bringen, auch Einkäufe, bei denen nur wenige Euro ausgegeben werden, bargeldlos abzuwickeln. „Die Geldkarte hat sich aber nicht durchgesetzt“, sagt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern. Seiner Einschätzung nach versuchen die Kreditinstitute deshalb jetzt, das „Kontaktlose Bezahlen“ durchzusetzen.

Wie bei der Geldkarte muss man zunächst einen Betrag aufladen. Das soll nicht mehr nur in den Sparkassen, sondern auch direkt bei den Händlern möglich sein. Der andere große Unterschied: Es reicht, den Geldbeutel zu zücken – auch ohne ihn zu öffnen.

Eben darin sehen Kritiker ein Sicherheitsproblem. „Es ist nicht gesagt, dass nicht auch Hacker das Geld nehmen können“, sagt Verbraucherschützer Straub, „und im Zweifelsfall müssen Sie dafür nicht mal die Karte rausgeben.“ Dem widersprechen die Sparkassen deutlich: „Der Abstand zu einem Gerät muss sehr gering sein“, sagt Michaela Roth. Schon ein Geldbeutel in einer Handtausche sei zu weit entfernt . Ob das „Kontaktlose Bezahlen“ nicht schon deshalb unsicher sei, weil man mit den Karten etwa nach einem Diebstahl auch einkaufen könne, ohne eine Geheimnummer zu kennen? „Das ist individuell wie bei Bargeld“, sagt Michaela Roth. „Der eine fühlt sich sicher, wenn er zehn Euro in der Tasche hat, der andere braucht immer 100.“ So ist jedem selbst überlassen, wie viel er auflädt. Die Kunden können einstellen, dass, sobald ihr Guthaben unter einen bestimmten Wert fällt, wieder aufgeladen wird – ähnlich dem Prinzip bei vielen Prepaid-Handys.

Ob sich die neue Bezahlform durchsetzt, wird nicht zuletzt an den Händlern liegen, die die notwendigen Bezahlterminals anschaffen müssen. „Das Interesse ist groß, wir führen viele Gespräche“, sagt Michaela Roth. Wie zu hören ist, wird unter anderem der Lebensmittelhändler Edeka sich von Anfang an beteiligen.

Welche Privatbanken das Prinzip übernehmen werden, ist ebenfalls noch unklar. Die Pilotphase rund um Hannover finanziert die Kreditwirtschaft gemeinschaftlich, denkbar ist aber auch, dass andere Institute sich letztlich für andere Systeme entscheiden. „Wir arbeiten an dem Thema“, heißt es etwa bei der HypoVereinsbank in München. „Mittelfristig“ werde man ein eigenes Konzept auf den Markt bringen.

In Bayern werden auf jeden Fall die 5 Millionen EC-Karten der Sparkassen sukzessive ersetzt. In den zwei Jahren bis Ende 2013 werden über die Hälfte ausgetauscht sein. „Das wird ein wichtiges Signal für den Handel“, sagt Michaela Roth. Dann könne man damit rechnen, dass sehr viele Verbraucher den neuen Chip in der Tasche haben. Dass die Bankkunden ihn auch nutzen werden, da ist sie sicher – und verweist auf die Kantinen. „An den Gewohnheiten hat sich viel verändert.“ Verbraucherschützer Straub glaubt nicht, dass sich die neue Bezahlform durchsetzt: „Wir sehen für den Kunden überhaupt keine Vorteile gegenüber dem Barzahlen“, sagt er – und rät, kleine Beträge zunächst weiter mit Schein und Münze zu zahlen. Ob der Kunde „kontaktlos“ bezahlt, entscheidet letztlich ohnehin jeder für sich. Zwar werden alle neue Karten über den Chip verfügen – Geld darauf laden muss aber niemand.

Von Felix Müller

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