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Reform wird zum 1. Januar Gesetz

Das neue Erbschaftssteuer-Recht

Nach jahrelangem Streit ist die Erbschaftssteuerreform unter Dach und Fach: Der Bundesrat billigte am Freitag das Gesetz. Danach bleibt selbst genutztes Wohneigentum steuerfrei, wenn der überlebende Ehepartner oder die Kinder in der Immobilie wohnen bleiben.

Wohnungsfreibetrag

Witwer, Witwen, eingetragene Lebenspartner und Kinder können ein Wohnhaus steuerfrei erben oder geschenkt bekommen, wenn sie dieses zehn Jahre lang weiter bewohnen. Eine Wertgrenze gibt es nicht. Für Kinder gilt: Die Wohnfläche des elterlichen Hauses darf nicht größer als 200 Quadratmeter sein. Für die darüber liegende Fläche greift der persönliche Freibetrag von 400 000 Euro.

Persönliche Freibeträge

Die höhere Bewertung des Vermögens soll durch höhere Freibeträge für Ehegatten, Kinder und Enkel (Steuerklasse I) ausgeglichen werden. Für Ehegatten soll der Freibetrag von 307 000 auf 500 000 Euro steigen, für Kinder von 205 000 auf 400 000 und für Enkel von 51 200 auf 200 000 Euro.

Steuersätze

In Steuerklasse I sollen sie nicht geändert werden und liegen je nach Vermögenshöhe weiter zwischen 7 und 30 Prozent. Für geerbtes Vermögen bis 75 000 Euro soll der Steuersatz in Klasse I bei 7 Prozent liegen, in Steuerklasse II soll er von 12 auf 30 Prozent und in Steuerklasse III von 17 auf 30 Prozent steigen. Der Höchstsatz von 30 Prozent in Steuerklasse I soll erst von mehr als 26 Millionen Euro an gelten.

Firmenerben

Das Erben von Firmen kann steuerfrei bleiben, wenn der Betrieb zehn Jahre lang fortgeführt wird und die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Mindestens 90 Prozent des Betriebsvermögens müssen in der Produktion gebunden sein. Alternativ kann eine siebenjährige Haltefrist gewählt werden.

Wer noch heuer handeln sollte – und wer besser wartet

Johannes Hochmuth

Das neue Erbschaftssteuerrecht sorgt für große Verunsicherung bei Hauseigentümern. Vor allem die Regelung bei der Übertragung von selbstgenutzten Immobilien an den Ehegatten oder Kinder stiftet Verwirrung. Die Münchner Erbrechtsexperten Burkhard Hock, Johannes Hochmuth und Josef Kaspar beantworteten bei einer Telefonaktion die Fragen unserer Leser.

-Welche Werte werden künftig für Immobilien bei Erbschaft und Schenkung herangezogen?

Der Steuervorteil aus der bisherigen Bewertung von Immobilien mit nur ca. 60 % des Verkehrswertes wird künftig entfallen. Vielmehr ist ab 1. Januar 2009 der Marktwert der Immobilie maßgeblich. Dieser kann sich aus einem Verkaufspreis vergleichbarer Objekte ergeben oder er wird durch ein spezielles Bewertungsverfahren unter Berücksichtigung des Sachwertes und der Mieterträge bestimmt. Bei unbebauten Grundstücken wird der aktuelle Bodenrichtwert herangezogen. Die neuen Bewertungsverfahren werden zu einer erheblichen Erhöhung der steuerpflichtigen Immobilienwerte führen. Bei geplanten Vermögensübertragungen an Geschwister, Neffen, Nichten und andere weiter entfernt verwandte Personen sollte noch in diesem Jahr gehandelt werden.

-Ist die Schenkung einer selbstgenutzten Wohnimmobilie von 150 Quadratmetern steuerfrei?

Die Schenkung einer selbstgenutzten Wohnimmobilie (sogenanntes Familienwohnheim) an den Ehegatten ist unabhängig von Größe und Wert des Objekts immer steuerfrei, während die Schenkung an Kinder ebenfalls unabhängig von der Wohnfläche und dem Wert immer steuerpflichtig ist. Aber auch bei der Schenkung von Wohnimmobilien an Kinder gilt der persönliche Freibetrag von 400 000 Euro, sodass nach neuem Recht die Eltern eine in ihrem gemeinsamen Eigentum befindliche selbstgenutzte oder auch vermietete Immobilie bis zur Höhe von 800 000 Euro ohne Steuerbelastung schenken können.

Burkhard Hock

-Kann ich meine selbst- genutzte Wohnimmobilie von 250 Quadratmetern steuerfrei vererben?

Die Vererbung einer selbst genutzten Wohnimmobilie an einen Ehegatten bleibt steuerfrei. Die Vererbung an die Kinder ist anders als die Schenkung bis zur Wohnfläche von 200 qm steuerfrei, sodass nur der auf die übersteigende Wohnfläche anteilig entfallende Grundstückswert zu versteuern ist. Voraussetzung für die Steuerbefreiung bei Ehegatten bzw. Kindern ist, dass das Objekt von dem Erwerber nach dem Erwerb mindestens zehn Jahre lang zu eigenen Wohnzwecken genutzt wird. Da es sich jeweils um eine sachliche Steuerbefreiung handelt, werden die persönlichen Freibeträge des Ehegatten bzw. der Kinder durch den Grundstückserwerb nicht berührt und stehen in vollem Umfang für andere Nachlasswerte zur Verfügung. Wird das Familienwohnheim allerdings in der 10-Jahres-Frist vermietet oder verkauft, so entfällt die Steuerbefreiung rückwirkend in vollem Umfang, sofern keine „zwingenden Gründe“ vorliegen (z. B. Pflegebedürftigkeit).

-Ich bin 48 Jahre alt und habe ein Mehrfamilienhaus in München, das zwei Millionen Euro wert ist. Der aktuelle Steuerwert liegt bei ungefähr einer Million. Soll ich das Haus noch in diesem Jahr unter Vorbehalt des Nießbrauchsrechts an meine beiden Kinder übertragen?

Das ist nicht erforderlich und sogar steuerschädlich. Die Regelungen in dem neuen Erbschaftssteuergesetz werden bei Ihnen zu einer Steuerentlastung führen. Für das Haus ist zwar in Zukunft der im Ertragswertverfahren ermittelte Verkehrswert maßgeblich. Bei zu Wohnzwecken vermieteten Grundstücken wird dieser Wert um 10 % reduziert. Mit der Erbschaftssteuerreform wird jedoch die bisherige Regelung aufgehoben, wonach ein Nießbrauchsrecht nicht von dem Wert der schenkweisen Zuwendung abgezogen werden kann. Nach dem neuen Recht kann der Barwert des Nießbrauchsrechts, das Sie sich lebenslang vorbehalten, vollständig vom Wert der Zuwendung abgezogen werden. Es ergibt sich somit eine deutliche Reduzierung bei dem Wert der Zuwendung. Im Ergebnis wird sich für Ihre Kinder fast kein steuerpflichtiger Erwerb ergeben, sodass unter Ausnützung der Freibeträge nach dem neuen Steuerrecht das Haus unter Vorbehalt des Nießbrauchsrechts steuerfrei übertragen werden kann. Dies wäre nach dem alten Recht nicht möglich.

Josef Kaspar

-Mein Ehemann und ich besitzen ein Reihenhaus. Kinder haben wir nicht. Ist es überhaupt notwendig, dass wir ein Testament machen?

Sie müssen unbedingt mit Ihrem Ehemann ein Testament verfassen, in dem Sie sich gegenseitig zu Alleinerben einsetzen. Ohne Testament tritt automatisch die gesetzliche Erbfolge ein. Nach dieser gesetzlichen Erbfolge wird der andere Ehegatte nicht Alleinerbe, sondern er erbt zusammen mit den Verwandten des Verstorbenen, die dann als Miterben auch im Grundbuch eingetragen werden.

-Ich habe ein 3-Familien-Haus mit großem Grundstück, das 700 000 Euro wert ist. Meine drei Kinder werden wahrscheinlich nicht in das Haus einziehen, wenn wir verstorben sind. Müssen meine Kinder mit einer Erbschaftssteuerbelastung rechnen?

Eine Erbschaftssteuerbelastung wird sich bei dem Erwerb des Hauses durch Ihre Kinder nicht ergeben. Selbst wenn Ihre Kinder die zusätzliche Steuerbefreiung bei Erwerb einer selbstgenutzten Immobilie nicht in Anspruch nehmen können, reicht der allgemeine Freibetrag von jeweils 400.000 Euro pro Kind in jedem Fall aus, um eine Steuerbelastung auszuschließen.

-Welche schenkungssteuerlichen Auswirkungen ergeben sich bei der Übertragung einer vermieteten Wohnimmobilie auf meine Nichte?

Der Grundbesitz wird im neuen Bewertungsrecht grundsätzlich mit dem Verkehrswert angesetzt, wobei verschiedene Bewertungsverfahren in Betracht kommen (Vergleichsverfahren, Ertragswertverfahren und Sachwertverfahren). Da der Nichte nur ein geringer Freibetrag von 20 000 Euro zusteht und der Steuersatz bereits bei 30 % beginnt, ergeben sich bei einer Übertragung im neuen Recht erhebliche Steuerbelastungen. Deshalb ist bei beabsichtigten Grundstücksübertragungen auf Neffen, Nichten und auch Geschwister zu empfehlen, die Übertragung noch im Jahr 2008 mit den niedrigeren Grundbesitzwerten zu vollziehen. Auch die Übertragung von Vermögenswerten auf Personen, mit denen kein Verwandtschaftsverhältnis besteht, sollte noch im alten Recht vollzogen werden.

-Wir würden gerne unser Haus auf unseren Sohn unter Nießbrauchsvorbehalt übertragen. Was passiert aber mit unserem Haus, falls unser Sohn insolvent wird oder gar vor uns versterben sollte?

Sie können ruhig Ihr Haus auf Ihren Sohn übertragen. In dem notariellen Überlassungsvertrag müssen für Sie nur Rückforderungsrechte aufgenommen werden für den Fall, dass Ihr Sohn insolvent wird oder vor Ihnen verstirbt. Sollte einer dieser Fälle eintreten, können Sie das Haus wieder auf sich rückübertragen lassen.

-Nach dem neuen Recht kann ich das selbstgenutzte Haus unabhängig von seinem Wert meiner Ehefrau vererben – vorausgesetzt, sie bleibt darin 10 Jahre wohnen. Was aber passiert, wenn sie vor 10 Jahren verstirbt? Fällt dann doch Erbschaftssteuer an?

Es stimmt, dass die Steuerbefreiung für die selbstgenutzte Wohnimmobilie rückwirkend entfällt, wenn Ihre Ehefrau nicht 10 Jahre weiter in dem Haus wohnt. Dies gilt aber nicht, wenn sie vor Ablauf der 10-Jahres-Frist versterben sollte.

-Wie werden Schenkungen zu Lebzeiten bei Pflichtteilsansprüchen berücksichtigt?

Nach bisherigem Recht werden alle Schenkungen des Erblassers, die er in den letzten 10 Jahren vor seinem Ableben vorgenommen hat, bei der Pflichtteilsberechnung in vollem Umfang berücksichtigt. Der Gesetzgeber plant jedoch eine Änderung des Pflichtteilsrechts (voraussichtlich wird es im Lauf des nächsten Jahres in Kraft treten). Zukünftig wird der Wert der Schenkung jährlich um 10 % abgeschmolzen. Bei einem Erbfall im ersten Jahr nach der Schenkung wird diese mit dem vollen Wert bei der Pflichtteilsberechnung angesetzt. Für jedes weitere Jahr verringert sich jedoch der zu berücksichtigende Wert um 10 %, sodass nach Ablauf von 10 Jahren von der Schenkung nichts mehr übrig bleibt. Tritt der Erbfall z. B. acht Jahre nach der Schenkung ein, bleiben 80 % unberücksichtigt und es werden nur noch 20 % beim Pflichtteil berücksichtigt.

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