Neue Förderung: Wer Ich-AG gründen will, muss sich beeilen

- Wer schon länger mit der Eröffnung eines Nagelstudios oder eines Pizza-Dienstes liebäugelt, sollte sich beeilen: Die Ich-AG läuft am 30. Juni aus. Danach wird es zwar ein neues Förderprogramm für Existenzgründer geben. Allerdings verschlechtern sich die Bedingungen. So wird der Zuschuss künftig maximal 15 Monate gezahlt.

Die Ich-AG wurde vor drei Jahren im Rahmen der Hartz-Reformen eingeführt. Ziel war es, Existenzgründer unbürokratisch zu unterstützen. Allerdings liefen die Ausgaben rasch aus dem Ruder. Allein im vergangenen Jahr zahlte die Bundesagentur für Arbeit (BA) für die Ich-AGs mehr als 1,35 Milliarden Euro. Mit der Neuregelung soll ein Drittel der Kosten gespart werden.

Alte Regelung: Ich-AG

Bisher bekommen Gründer einer Ich-AG im ersten Jahr 600 Euro im Monat, im zweiten Jahr 360 Euro und im dritten Jahr 240 Euro. Der Zuschuss summiert sich in drei Jahren auf insgesamt 14 400 Euro. Mit dem Fördergeld sollten vor allem die Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden. Die Ich-AG-Förderung wird nicht auf den Arbeitslosengeldanspruch angerechnet. Das bedeutet: Wer sich während des Bezugs des Arbeitslosengeldes I (ALG I) selbstständig macht, bekommt nach dem Scheitern seines Unternehmens wieder ALG I - bis der Anspruch erlischt. Die Ich-AG war vor allem für Existenzgründer mit einem geringen Anspruch auf Arbeitslosengeld interessant.

Neuer Gründerzuschuss

Das neue Programm für Existenzgründer fasst Ich-AG und Überbrückungsgeld zusammen. Danach bekommen Arbeitslose in den ersten neun Monaten eine Pauschale von 300 Euro plus ihr monatliches Arbeitslosengeld. Ist die Geschäftsidee erfolgreich, kann die Agentur für Arbeit den Zuschuss für weitere sechs Monate gewähren. Insgesamt läuft die Unterstützung maximal 15 Monate - also deutlich kürzer als bisher. Zudem wird die Förderung mit dem Arbeitslosengeld-Anspruch verrechnet.

Eile geboten

Um noch in den Genuss der Ich-AG zu kommen, ist Eile geboten: "Nur wer bis Ende Juni seine Selbstständigkeit aufgenommen hat, kann noch die alte Förderung beantragen", erklärt BA-Sprecherin Ilona Mirtschin. Dabei ist zu beachten: Wer als Jung-Unternehmer gefördert werden will, muss vorher ein Gewerbe oder eine freiberufliche Tätigkeit anmelden. Handwerker benötigen die Eintragung in die Handwerksrolle. Schließlich muss für die Ich-AG ein Gutachten über die Tragfähigkeit vorgelegt werden. Dies stellt meist die örtliche Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer aus. Schließlich muss der Antrag bei der Arbeitsagentur geprüft werden.

Experten warnen jedoch vor einem überstürzten Schritt in die Selbstständigkeit. "Eile ist ein schlechter Ratgeber für Existenzgründer", sagt Jürgen Mehnert von der Handelskammer in Hamburg. Die Gründung einer eigenen Firma solle gut durchdacht sein. Außerdem sollte der Kapitalbedarf in der Anfangszeit nicht unterschätzt werden. Dies sei ein typischer Anfängerfehler, so Mehnert.

Übergangszeit

Die neue Existenzförderung soll heute im Bundestag verabschiedet werden. Sie wird frühestens zum 1. August in Kraft treten. In der Übergangszeit kann nur Überbrückungsgeld beantragt werden. Dabei wird über sechs Monate ein Zuschuss von 175 Prozent des zustehenden Arbeitslosengeldes ausbezahlt. Voraussetzung für das Überbrückungsgeld ist jedoch ein Anspruch auf Arbeitslosengeld.

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