Neue Freiheit für Häuslebauer: Kredit ohne Strafgebühr kündigen

- Immobilienkäufer und Häuslebauer können jetzt auf flexiblere Finanzierungsmöglichkeiten setzen. Die ersten Baufinanzierer bieten fest verzinste Darlehen an, die auf eine Vorfälligkeitsentschädigung verzichten. Aus solchen Verträgen kann ein Bauherr aussteigen, ohne hohe Summen als Ablöse an die Bank zahlen zu müssen. Doch die Angbote lohnen sich nicht in jedem Fall.

Was neu ist Bislang steckten Immobilienbesitzer in ihren einmal abgeschlossenen Baukrediten auf viele Jahre fest. Ob eine Scheidung anstand, ein Umzug, Verkauf oder einfach nur der Wunsch nach einer billigeren Alternative im Zinstief: Eine Vertragsauflösung vor Ablauf von zehn Jahren musste immer teuer erkauft werden. Ein vorzeitiger Ausstieg war bisher nur bei variablen Darlehen möglich. Die neuartigen Kreditprodukte, die erst seit wenigen Wochen angeboten werden, eröffnen erstmals die Chance auf eine erheblich günstigere Umschuldung. "Grundsätzlich war so ein Produkt auf dem deutschen Markt überfällig", meint Jörg Sahr, Finanzierungsexperte von Stiftung Warentest. Die Kreditwirtschaft habe sich jahrzehntelang gegen ein Aufweichen der Vorfälligkeitsentschädigung gewehrt. Nun sei ein Anfang gemacht Die Kündigungsfreiheit gibt es allerdings nicht umsonst. Je nach Anbieter fällt der Preis für die Ablöseoption unterschiedlich hoch aus.

Die Angebote Die auf den ersten Blick günstigste Variante offeriert der Münchner Internet-Baufinanzierer Interhyp. Gegen eine Einmalzahlung von 500 Euro kann sich der Kreditnehmer dabei absichern. Der große Haken daran: Die Absicherung greift nur, wenn ein Immobilienverkauf wegen eines beruflichen Umzugs nötig wird. Ein Notausstieg wegen Scheidung ist nicht abgedeckt. Außerdem gilt das Angebot nur für Arbeitnehmer, nicht für Selbstständige. Dafür lassen sich zusätzliche Risiken wie der Tod des Kreditnehmers, eine Erwerbsunfähigkeit oder lange Arbeitslosigkeit auf Wunsch noch extra oder separat absichern, und zwar gegen eine Einmalzahlung von 300 Euro. Teurer, gegen einen Zinsaufschlag von derzeit etwa 0,45 Prozentpunkten auf den Festzins, kommt das Angebot der Hannoverschen Leben. Dafür bekommt jeder Kreditnehmer das Recht, umzuschulden, wann immer er will. Darüber hinaus ist die Münchener Hypothekenbank mit einem Festzinsangebot auf dem Markt, das eine Art Kündigungsoption "light" einschließt. Dabei kann der Häuslebauer ab dem dritten Vertragsjahr jährliche Sondertilgungen ab 10 000 Euro aufwärts leisten -bis zur vollständigen Ablöse. Wer eine größere Erbschaft erwartet, käme also etwa auf einen Schlag ohne Vorfälligkeit aus dem Baukredit wieder raus. Als Aufschlag werden 0,2 Prozentpunkte auf den Effektivzinssatz verlangt.

Worauf zu achten ist Das Recht auf vorzeitigen Ausstieg nützt vor allem dann, wenn die Bauzinsen sinken, weil dann die Aussichten auf günstigere Kreditkonditionen steigen oder stagnieren, wie Verbraucherschützer Sahr betont. Derzeit sind die Zinsen jedoch nach wie vor historisch niedrig. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Trend nach oben geht, ist im Moment deswegen hoch. "Immer auf die Gesamtkosten achten, die Zinssätze für normale Annuitätenkredite vergleichen und gut überlegen, ob die Kündigungsoption die Ausgabe wert sein könnte", rät deswegen Helga Bender vom Verband deutscher Hypothekenbanken. Jörg Sahr rät Interessenten zudem, höchstens Verträge mit zehnjähriger Laufzeit ins Visier zu nehmen. Nach zehn Jahren dürften Bauherren ohnehin ohne Vorfälligkeitszahlung kündigen.

Kontakdaten der Anbieter

Interhyp: www.interhyp.de, 0800 / 200 15 15 15

Hannoversche Leben: www.hannoversche-leben.de, 0511 / 95 65 -776

Münchener Hypothekenbank: www.muenchener-hyp.de, 089 / 53 87 - 145

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