Neue Führungskrise: Zukunft von Mercedes-Chef Cordes ungewiss

- Stuttgart - Kaum ist die Schrempp-Nachfolge an der Spitze von Daimler-Chrysler gelöst, hat der Aufsichtsrat des Stuttgarter Autobauers das nächste Problem am Hals. Das Rücktrittsangebot von Mercedes-Chef Eckhard Cordes stürzt die wichtigste Konzernsparte erneut in eine Führungskrise. "Bleibt er oder nicht", war Gesprächsthema Nummer eins.

Bislang ist von Cordes selbst und aus seinem Umfeld kein Wort zu hören, ob er seine Kündigungsabsicht wahrmachen will. Nach Informationen aus dem Aufsichtsrat hat er dem Ex-Deutsche-Bank-Boss Hilmar Kopper, der das Gremium leitet, bislang keinen Brief mit der formellen Bitte um seine Vertragsauflösung geschrieben.

Eine Hängepartie bei der wegen Kostenproblemen und dem Sorgenkind Smart ohnehin angeschlagenen Markengruppe wollen die Kontrolleure unbedingt vermeiden. Auch für Schrempp bliebe der Makel, dass der geschickt eingefädelte Stabwechsel im Theaterdonner um Cordes untergehen könnte.

Cordes ist im Unternehmen hoch angesehen, vor allem wegen der Sanierung der Nutzfahrzeugsparte und den ersten Erfolgen bei Mercedes. Es wäre schade, wenn er von Bord ginge - man würde seine Kündigung aber "respektieren", hieß es in Aufsichtsratskreisen. Es gebe im Unternehmen "interessante Kandidaten". Unter anderem fällt der Name Thomas Weber. Der Mercedes-Entwicklungschef sitzt bereits im Konzernvorstand.

Ein Verbleib von Cordes an der Mercedes-Spitze erscheint für Kenner des Unternehmens fraglich. Cordes-Kritiker sagen, er habe sich wenig professionell verhalten, als er von der Ernennung seines Rivalen Zetsche zum Konzernchef erfahren habe. Erst akzeptierte er das Votum, daraufhin billigte der Aufsichtsrat die Personalie. Plötzlich sei Cordes "umgefallen" und habe Kopper seinen Rücktritt angeboten, erzählt ein Insider.

Erst dann sollen die übrigen Aufsichtsräte erfahren haben, dass Cordes der Kragen geplatzt war. Er hatte fest damit gerechnet, dass er seinen Mentor Schrempp beerben wird. Andere Stimmen zeigten Verständnis für seine Reaktion. Er habe schließlich ein wichtiges Duell verloren.

Dennoch stellt sich dem Aufsichtsrat die Frage, ob unter diesen Vorzeichen Cordes und Zetsche den viertgrößten Autokonzern der Welt einträchtig führen können. Dass das Gremium nicht lange zaudert, zeigte sich im Vorjahr. Damals wurde der designierte Mercedes-Chef Wolfgang Bernhard, der jetzt VW sanieren soll, hinausgeworfen, weil er Schrempp kritisiert und den Betriebsrat provoziert hatte.

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