Der neue Goldrausch

München - Wo soll diese Rekordjagd noch hinführen? Der Goldpreis eilt derzeit von einer Höchstmarke zur nächsten. Erstmals übersprang er nun die Marke von 900 Dollar. Mancher spricht schon vom Anlauf auf die magischen 1000 Dollar je Feinunze. Experten warnen aber vor der Hoffnung auf schnellen Reichtum.

Es ist viel Geld für ein bisschen glänzendes Metall: Eine Feinunze wiegt 31,1 Gramm. In Gold hat sie derzeit einen Wert von rund 900 Dollar (gut 610 Euro). Noch mehr als rationale Gründe heizen laut Experten zwei tiefe menschliche Gefühle den neuen Goldrausch an: Spekulationslust und pure Angst.

Angesichts zunehmender Konjunktursorgen vor allem in den USA flüchten Anleger zum Gold als Hort der Sicherheit. Je mehr auch die Aktienkurse auf ungewisser Berg- und Talfahrt sind, erscheint Gold als relativ stabile Geldanlage. Geraten dann - wie derzeit in den Vereinigten Staaten - sogar noch die Immobilienpreise ins Rutschen, wird das Edelmetall endgültig zur Fluchtwährung. "Wir sind mitten im Goldrausch", sagt UniCredit-Experte Jochen Hitzfeld.

Längst hat ein Herdentrieb eingesetzt: Je schneller der Kurs klettert, desto mehr Anleger wollen dabei sein. Je mehr Leute aber Gold kaufen - so das Gesetz des Marktes - desto höher steigt der Preis. Die uralte Vorstellung von Gold als Reichtum ohne Mühsal lebt wieder auf. Und tatsächlich: Wer vor nur drei Jahren auf Gold setzte, hält heute mehr als doppelt so viel in der Hand. Hitzfeld bleibt auch langfristig optimistisch: Bis zum Jahr 2010 dürfte der Preis je Feinunze auf 1400 Dollar steigen, schätzt er.

Doch so gut wie alle Experten warnen zugleich eindringlich vor der Hoffnung auf den schnellen Reichtum. Mit dem rasanten Aufstieg steigt das Risiko, dass es zwischenzeitlich auch mal steil bergab gehen kann. Eine solche Korrektur könnte den Preis auf 825 Dollar drücken, meint Nikolaus Keis, ebenfalls UniCredit-Analyst. Ohnehin raten Profis zu Gold nur als kleinem Teil des Portfolios und sehen darin eine eher langfristige Anlage.

Eine Investition in Gold ist heute deutlich einfacher als früher - auch das treibt den Preis. Weder Goldbarren noch Tresore sind nötig. Wertpapiere genügen. Anleger können etwa ganz normal an der Börse gehandelte Anteile an Goldfonds kaufen. Die Fonds wiederum halten das Gold vor. Wegen der riesigen Nachfrage haben einzelne Trusts bereits größere Bestände, als in den Kellern mancher Zentralbanken lagern.

Längst sind auf den Trend auch die Banken aufgesprungen. Neben Fonds bieten sie spezielle Zertifikate und andere eigens geschnürte Finanzprodukte rund ums Edelmetall. Mit Aktien von Minenbetreibern lässt sich ebenfalls Geld verdienen, viele verteuerten sich enorm.

Ein weiterer Preistreiber ist der schwache Dollar. Gold wird weltweit in der US-Währung notiert. Allein 2007 verbilligte sich der Dollar gegenüber dem Euro um zehn Prozent. Zum Ausgleich stieg der Goldpreis. Überdies wird die Goldförderung in den Minen immer beschwerlicher und knapper. Die weltweite Produktion sei begrenzt, die globale Nachfrage dürfte aber hoch bleiben, schätzt Hitzfeld.

Alle Faktoren zusammen beschleunigten den Anstieg des Goldpreises zuletzt massiv: Das Rekordhoch von 850 Dollar je Feinunze aus dem Jahr 1980 hielt noch 28 Jahre lang. Seit es in der ersten Januarwoche überboten wurde, gibt es fast laufend neue Höchststände.

Ganz anders sieht die Sache allerdings aus, wenn man die Inflation der vergangenen Jahrzehnte berücksichtigt, betont Commerzbank-Experte Eugen Weinberg. Bereinigt um die Geldentwertung läge der Rekordpreis vom 21. Januar 1980 heute bei 2384 Dollar - und an dieser Höchstmarke wird sich das Edelmetall wohl noch länger die Zähne ausbeißen.

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