Neue Jobchance mit Lohnzuschuss und Bildungs-Gutschein

- München ­- Wer heute mit 55 Jahren seine Arbeit verliert, hat kaum eine Chance, wieder eine Stelle zu finden. Inzwischen ist bundesweit mehr als die Hälfte der über 55-Jährigen ohne Job. Mit der Initiative 50plus will Arbeitsminister Franz Müntefering die Chancen Älterer auf dem Arbeitsmarkt wieder verbessern. Der Gesetzentwurf, der unserer Zeitung vorliegt, sieht neben einem Kombilohn-Modell die verstärkte Förderung von Weiterbildung vor. Das Gesetz soll heute im Kabinett verabschiedet werden.

Auslöser für die Initiative war die Einführung der Rente mit 67 Jahren. Um Gewerkschaften und parteiinterne Kritiker zu besänftigen, hatte Müntefering ein umfangreiches Paket für ältere Beschäftigte angekündigt. Ziel ist es, die Erwerbsquote der über 50-Jährigen bis 2010 auf über 50 Prozent anzuheben. CSU-Arbeitsmarktexperte Stefan Müller begrüßt die Initiative, warnt jedoch vor zu großen Erwartungen. "Die Politik kann Anreize schaffen, Ältere einzustellen. Wir brauchen aber auch ein Umdenken bei den Unternehmen", so Müller.

Kombilohn

Um den Anreiz für ältere Arbeitslose zu erhöhen, auch schlechter bezahlte Jobs anzunehmen, wird erstmals ein Kombilohn-Modell eingeführt. Danach wird die Lohndifferenz im ersten Jahr zu 50 Prozent, und im zweiten Jahr zu 30 Prozent ausgeglichen. Ein Beispiel: Ein 55-jähriger Arbeitsloser tritt eine Stelle an, bei der er 300 Euro weniger Lohn bekommt als bei seinem letzten Job. Künftig bekommt der 55-Jährige im ersten Jahr einen Zuschuss von 150 Euro, im zweiten Jahr von 100 Euro. Anspruch auf die Unterstützung haben alle Arbeitslosen über 50 Jahre, die noch einen Anspruch von Arbeitslosengeld I (ALG I) von mindestens 120 Tage haben. Neben dem Lohnzuschuss sollen auch die Beiträge der gesetzlichen Rentenversicherung aus der neuen Beschäftigung durch einen Zuschuss auf 90 Prozent der früheren Beiträge aufgestockt werden. Insgesamt wird der Kombilohn die Bundesagentur für Arbeit (BA) in den nächsten vier Jahren rund 150 Millionen Euro kosten.

Eingliederungszuschuss

Unternehmen, die einen über 50-jährigen Arbeitslosen einstellen, bekommen in Zukunft Eingliederungszuschüsse. Diese liegen zwischen 30 und 50 Prozent der Lohnkosten. Sie werden mindestens ein Jahr und höchstens drei Jahre bezahlt. Voraussetzung ist, dass der neue Mitarbeiter sechs Monate arbeitslos war und für mindestens ein Jahr eingestellt wird. Die Förderung gilt sowohl für ALG-I-Bezieher als auch Langzeitarbeitslose. Für die Eingliederungszuschüsse werden Bund und Bundesagentur bis 2011 etwa 420 Millionen Euro bereitstellen. Jährlich sollen bis zu 70\x0f000 Einstellungen unterstützt werden.

Weiterbildung

Künftig werden Fortbildungen von älteren Mitarbeiter stärker gefördert. So sollen Beschäftigten bereits ab 45 Jahren (bisher 50 Jahre) in Betrieben mit maximal 250 Angestellten (derzeit 100) die Weiterbildungskosten gezahlt werden. Sie erhalten dafür einen Bildungsgutschein, der bei einem zertifizierten Bildungsträger eingelöst werden kann. Müntefering rechnet bis 2011 mit Ausgaben von insgesamt 50 Millionen Euro. Zuletzt lag die Weiterbildungsquote bei den 55- bis 64-Jährigen lediglich bei neun Prozent.

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