"Neue Jobs entstehen dadurch kaum"

- Mit einem Kombilohnmodell will Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) 100 000 neue Jobs für ältere Arbeitslose schaffen. Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), warnt dagegen vor Mitnahmeeffekten.

Sind Kombilöhne die neue Wunderwaffe für die Arbeitsmarktprobleme?

Karl Brenke: Es gibt bereits in Deutschland verschiedene Kombilohnmodelle. Zudem versucht der Staat bereits mit Einstiegszuschüssen und Ähnlichem, ältere Arbeitslose wieder in Arbeit zu bringen. Die Erfahrungen und diverse Untersuchungen zeigen jedoch, dass Kombilohnmodelle mit erheblichen Problemen behaftet sind. Entweder wird wenig ausgegeben, dann werden die Maßnahmen kaum in Anspruch genommen. Oder es fließen reichlich Mittel, die dann aber in einem extrem ungünstigen Verhältnis zu den zusätzlichen Beschäftigungsmöglichkeiten stehen.

Kritiker warnen auch vor einem Drehtüreffekt.

Brenke: Mitnahme- und Drehtüreffekte sind eine weitere Gefahr. Unternehmer ersetzen einen jüngeren Beschäftigten durch einen älteren, bezuschussten Mitarbeiter. Neue Jobs entstehen dadurch in der Summe kaum.

CSU-Chef Stoiber will solche Mitnahmeeffekte ausschließen.

Brenke: Mitnahmeeffekte können Sie nicht verhindern. Wenn die Große Koalition einen Kombilohn einführt, muss sie auch mit diesen negativen Effekten leben. Wir lehnen Kombilöhne daher ab.

100 000 neue Jobs erwartet Müntefering - eine realistische Annahme?

Brenke: Das ist eine Frage, wie viel Geld Sie in die Hand nehmen. Wenn die Lohnzuschüsse hoch genug sind, ist dies vielleicht zu schaffen. Es bleibt aber dabei: Kombilöhne sind eine sehr teure Maßnahme, die arbeitsmarktpolitisch wenig bringt.

Dennoch fordert CSU-Generalsekretär Markus Söder, Kombilöhne auch für unter 25-Jährige.

Brenke: Vielleicht gibt es bald Kombilöhne für die gesamte Gesellschaft. Die DDR lässt grüßen. Nein, jetzt im Ernst: Mit Lohnzuschüssen sollte der Staat sehr vorsichtig sein. Sie führen immer zu Verzerrungen auf dem Markt. Außerdem haben Subventionen immer eine Nebenwirkung: Man gewöhnt sich daran - und es bildet sich eine ausgeprägte Subventionsmentalität heraus.

Was sollte die Große Koalition statt Kombilöhnen einführen?

Brenke: Statt Millionen in Kombilöhne zu stecken, sollte die Bundesregierung mehr in die öffentliche Infrastruktur investieren. Oder Bildung und Forschung stärker fördern - all das ist gewiss besser als Kombilöhne.

Interview: Steffen Habit

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