Landesbanken

Neue Kandidaten für den Rettungsschirm

München/Stuttgart - Aus Angst vor Wettbewerbsnachteilen erwägen weitere Landesbanken den Zugriff auf das staatliche Rettungspaket. Am Freitag erklärte sogar die größte im Bunde, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): „Wir beobachten den Markt und prüfen eine mögliche Inanspruchnahme des Rettungspakets.“

Der Chef der Stuttgarter Landesbank LBBW, Siegfried Jaschinski, hatte in den vergangenen Wochen mehrfach betont, die LBBW wolle der Finanzmarktkrise aus eigener Kraft trotzen. Auch die NordLB prüft nach eigenen Angaben derzeit prinzipiell, inwieweit es aus Wettbewerbsgesichtspunkten sinnvoll sein könnte, Mittel aus dem 500-Milliarden-Euro-Paket in Anspruch zu nehmen. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sieht ebenfalls die Gefahr von Wettbewerbsverzerrungen, bekräftigte aber wie die NordLB, dass sie aktuell keine Hilfe vom Staat benötige.

In der Branche war wiederholt auf die Gefahr hingewiesen worden, dass sich vom Staat gestützte Institute bessere Ausgangsbedingungen an den Märkten verschaffen und so andere ins Hintertreffen geraten könnten – auch über Deutschland hinaus. „In den USA haben offenbar 1800 Banken Staatshilfe beantragt. Erhalten sie diese, stärkt sie das natürlich im Wettbewerb“, gab der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, zu bedenken. „Schon bald könnte also derjenige stigmatisiert sein, der keine Staatshilfe bekommt.“ Die Commerzbank war als erste deutsche Großbank unter den staatlichen Rettungsschirm geschlüpft und erhält eine Kapitalspritze von 8,2 Milliarden Euro in Form einer stillen Einlage.

Der Bankenverband VÖB, in dem die Landesbanken organisiert sind, hatte auf mögliche Nachteile für deutsche Banken hingewiesen, wenn etwa US-Institute zwangsweise mit staatlichem Geld aufgepäppelt werden. Von den sieben eigenständigen deutschen Landesbanken nehmen bislang die wegen der Finanzmarktkrise angeschlagenen Institute in Bayern (BayernLB), Hamburg und Schleswig-Holstein (HSH Nordbank) sowie Nordrhein-Westfalen (WestLB) staatliche Hilfen in Anspruch.

Die Turbulenzen machen nun auch der Landesbank Berlin schwer zu schaffen. Die Sparkassen-Tochter erzielte in den ersten neun Monaten nur ein „annähernd ausgeglichenes Ergebnis“. Der für 2008 angestrebte operative Gewinn von mindestens 250 Millionen Euro sei „nicht mehr erreichbar“, teilte das Institut mit. Das Rettungspaket des Bundes in Anspruch zu nehmen sei aber „aus heutiger Sicht weder geplant noch erforderlich“. Die Zahlen für das dritte Quartal will die Bank am 14. November veröffentlichen.

Wann bei der LBBW eine Entscheidung fällt, ob die Bank nun doch Schutz unter dem Rettungsschirm sucht, wollte ein Sprecher des Instituts am Freitag nicht sagen. Die LBBW könnte nach Einschätzung von Experten mit Hilfe einer Bürgschaft ihre finanzielle Basis stärken und ihre Kernkapitalquote aufbessern, die derzeit mit 7,3 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt liege. Die Helaba wies zum Stichtag Ende September eine Kernkapitalquote – das Verhältnis zwischen Eigenkapital und ausgegebenen Krediten – von 8,0 Prozent aus.

Jörn Bender

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