Neue Liefer-Probleme beim A380

Toulouse - Das größte Passagierflugzeug der Welt bleibt ein Problemkind. Nachdem die Serienproduktion des Airbus A380 langsamer anläuft als geplant, stehen dem Flugzeugbauer hohe Belastungen ins Haus.

Der Kern der Nachricht war gut versteckt. Zuerst war von guten Fortschritten die Rede und von sehr guten Leistungen. Dann räumte Airbus gestern in einer Meldung ein, dass man die Probleme mit dem verspäteten Airbus A380 nicht in den Griff bekommt. Die Botschaft wurde hübsch verpackt: Eine Überprüfung habe ergeben, "dass der 2006 geplante steile Produktionshochlauf nicht gänzlich erreichbar ist".

Statt 13 Flugzeuge werden dieses Jahr nur zwölf ausgeliefert, im nächsten Jahr 21 statt 24. Auf den ersten Blick keine allzu große Verzögerung. Doch die eigentliche Dimension ist zu erkennen, wenn man Airbus an früheren Plänen misst. Demnach sollten bereits rund 40 der Riesenvögel für über 550 Passagiere im weltweiten Einsatz sein. Bislang wurden aber gerade vier an Singapore Airlines ausgeliefert. Ende nächsten Jahres waren einmal rund 100 verkaufte Flugzeuge geplant. Nach den erneut zurückgestutzten Plänen werden es höchstens 34 sein.

Wieder einmal bereitet nicht die grundlegende Konstruktion Probleme, sondern deren Ausstattung. Es ist, als hielte ein waghalsig entworfener Wolkenkratzer allen Stürmen stand, aber die Innenarchitekten scheitern bei der Anordnung der Wasserhähne.

Dabei ist die Verkabelung das Hauptproblem. Nicht nur, dass über 500 Kilometer Kabel in dem Flugzeug untergebracht werden müssen. Weil Fluggesellschaften unterschiedliche Ausstattungen bestellt haben, beginnt die Planung dieses 500-Kilometer-Netzes immer wieder von neuem. Der dadurch verursachte zusätzliche Aufwand in den ersten Fertigungsjahren erklärt auch, warum der Serienanlauf des in vielen Standorten (siehe Grafik) gefertigten Flugzeugs unerwartet schleppend verläuft. Noch ist nicht klar, ob und wann das Fernziel von 45 Maschinen pro Jahr, das einmal für 2009 angepeilt war, erreicht werden kann. Details darüber, so die Airbus-Mitteilung, werden mit den Kunden in den nächsten Wochen besprochen.

Sicher ist dagegen, dass auch die erneute Verzögerung das Ergebnis von Airbus doppelt belasten wird: Wenn weniger Flugzeuge ausgeliefert werden, fallen Einnahmen aus. Außerdem muss Airbus Kunden, die nicht vertragsgemäß beliefert werden können, entschädigen. Das verursacht Mehrkosten.

Dies trifft Airbus ausgerechnet in einer Situation, in der mit dem Verkauf von mehreren Airbus-Werken das wichtigste Element des Kostensenkungsprogramms Power8 als gescheitert gilt. Voraussichtlich schafft es der Flugzeugbauer nur, sich von fünf der ursprünglich angebotenen sieben Werke zu trennen.

Ein schwacher Trost: Auch Erzrivale Boeing hat Großkunden gestern über einen zum Teil mehrjährigen Lieferaufschub bei seinem "Dreamliner" 787 informiert - länger als Konkurrent Airbus bislang einräumte.

Wenigstens ein Lichtblick bleibt für die Beschäftigten. Ihre Arbeit wird für längere Zeit benötigt. Mehr als fünf Jahre braucht Airbus, um den A380-Auftragsbestand von 192 Maschinen abzuarbeiten. Neue Bestellungen gehen zurzeit nur tröpfelnd ein. Wurden im vergangenen Jahr noch 37 Maschinen verkauft, waren es im bisherigen Verlauf des Jahres 2008 gerade noch drei.

Größter A380-Kunde ist bisher die arabische Fluggesellschaft Emirates mit 58 Festbestellungen. Der "kleinste" A380-Käufer ist ebenfalls ein Araber: Prinz al-Walid ibn Talal Al Saud hat eines der Riesenflugzeuge als fliegenden Palast bestellt.

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