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„Potenzial, ein Star zu werden“: In den Hopfendolden stecken nützliche Stoffe. Doch bislang wird die Pflanze fast ausschließlich bei der Bierherstellung eingesetzt.

Bierwürze und Heilpflanze

Neue Märkte für den Hopfen

München – Hopfen wird fast ausschließlich zu einem Zweck eingesetzt: Bierbrauen. Dabei hat das Hanfgewächs das Potenzial zu mehr, glauben Wissenschaftler. Ein Zukunftsfeld könnte in der Pharmazie liegen. Die Branche investiert in die Forschung und hofft auf zusätzliches Geschäft.

Seit dem Jahr 1794 handelt das Nürnberger Familienunternehmen Joh. Barth & Sohn mit Hopfen. Seither gilt: „Hopfen und Bier bilden eine symbiotische Schicksalsgemeinschaft“, wie Stephan Barth sagt, Geschäftsführer des weltgrößten Hopfenhändlers. Bier kommt ohne den Hopfen als bitteres Würzmittel nicht aus. Und Hopfen kann zu kaum etwas anderem verwendet werden als zum Bierbrauen. 97 Prozent der Hopfenproduktion gehen in die Brauwirtschaft. Nur drei Prozent werden für andere Zwecke verwendet. Doch das könnte sich ändern.

„Der Hopfen hat großes Potenzial, ein Star zu werden. Wir müssen ihn nur ein wenig fördern“, erklärt Gerd Weber, Professor für Agrarwissenschaften an der Universität Hohenheim. Auch Hopfenhändler Barth spricht von einem „großen Potenzial für die Zukunft“. Sein Unternehmen erforscht seit neun Jahren als eines von wenigen weltweit alternative Einsatzmöglichkeiten für Hopfen – zum Teil in Eigenregie, zum Teil über Auftragsforschung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Barth hält die Ergebnisse für ermutigend.

Der Hopfen wird schon jetzt als Prozesshilfsmittel in der Lebensmittelindustrie sowie als pflanzliches Heilmittel verwendet. Im vergangenen Jahr wurde das Gewächs von der Universität Würzburg zur „Arzneipflanze des Jahres“ gekürt. Von der Schulmedizin sei die Wirkung lange bezweifelt worden, erklärt der Würzburger Wissenschaftler Johannes Gottfried Mayer. Inzwischen seien einige Wirkungen nachgewiesen. Agrar-Professor Weber sieht in erster Linie drei vielversprechende medizinische Anwendungsgebiete für Hopfen: als Beruhigungs- oder Schlafmittel, als Östrogen-Ersatz bei Beschwerden in den Wechseljahren sowie als Mittel der Krebsbekämpfung.

„Die Pharmaindustrie ist sehr an der beruhigenden Funktion des Hopfens interessiert“, erklärt Weber. Versuche haben laut Mayer ergeben, dass der Hopfen ähnlich wirkt wie das Hormon Melatonin, das Menschen müde macht, wenn es dunkel wird. Allerdings, schränkt Weber ein, enthalte die Pflanze einige hundert chemische Komponenten. Die genaue Wirkweise müsse teils noch erforscht werden.

Beim Einsatz von Hopfen zur Krebsbekämpfung steht die Substanz Xanthohumol im Mittelpunkt. Ihr wird nicht nur eine entzündungshemmende, sondern auch eine krebshemmende Wirkung zugeschrieben. „Xanthohumol kommt nur im Hopfen vor und darin nur in kleiner Menge. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es, diese Menge zu erhöhen“, erklärt Weber. „Wir sehen die Möglichkeit, durch gentechnische Veränderung den Hopfen dazu zu bringen, mehr Xanthohumol zu produzieren.“ Dadurch sei eine Steigerung der Menge um ein Vielfaches denkbar. Und das wäre wohl eine Voraussetzung dafür, die Substanz nutzen zu können.

Um die Hopfenforschung zu intensivieren, erwägt Barth eine Partnerschaft mit einem Pharmakonzern. Erste Gespräche seien bereits geführt worden, heißt es bei der Gruppe. Details will man nicht preisgeben. Doch das Ziel ist klar: Für Hopfen sollen neue Märkte erschlossen werden. Agrarwissenschaftler Weber schätzt: „Auf Sicht von zehn Jahren könnte der Anteil der Hopfennutzung außerhalb der Brauwirtschaft um das Zwei- bis Dreifache steigen.“

von Dominik Müller

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