Neue Massenabzocke im Internet

- Trotz Gesetzesverschärfung ist sie mit voller Wucht zurück, die Abzocke von Internet-Nutzern. Heimlich kriechen Zehntausende illegaler Einwählprogramme, also Dialer, in die Computer. Ihr neuster Auftrag: Online-Spionage bei Millionen Verbrauchern.

<P>Spionage-Dialer</P><P>Wer in die Fänge der Dialer gerät, wird "gläsern". Ausgespäht werden Daten, Adresse, Telefonnummer. Dann kommt eine Rechnung ins Haus. Etwa über 69,95 Euro, angeblich fürs Bestellen einer Monatspauschale für einen "Internet Service", häufig ein Erotik-Angebot.<BR><BR>Der neueste Nepp übertrifft die Gebühren-Gaunerei der vergangenen Jahre. Viele Betroffene zahlen, oft aus Scham. Obwohl sie sich nicht erinnern können, jemals einen Vertrag abgeschlossen zu haben. "Ein Massengeschäft", sagt Werner Hugentobler, Sprecher der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP). Allein von einer der betrügerischen Firmen seien bislang über 100 000 Rechnungen versandt worden. Dabei müsste kein einziger der Geschädigten zahlen. "Die Zahlungsaufforderung auf der Rechnung kann man ignorieren", betont Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern. Seit 14. Dezember 2003 dürfen kostenpflichtige Einwählprogramme aufgrund der neuen Schutzgesetze nur noch über die Rufnummerngasse 0900-9 angeboten werden. Alle anderen sind rechtswidrig.<BR><BR>Doch genau da setzen die jüngsten Tricks an: Die Online-Spione sind nicht überteuert, sie wollen nicht auffallen. Sie sind auch nicht registriert und nutzen die vorgeschriebene Gasse nicht. Sie schleichen sich über unverfängliche Festnetznummern ein. Ein Klick auf einen Button beim Surfen genügt - und schon installiert sich der Dialer unbemerkt auf der Festplatte, beendet die Verbindung und baut eine neue über die Festnetznummer auf. Zugleich zapft er die persönlichen Daten des Surfers an. Die meisten der bisherigen Dialer-Warnprogramme versagen dabei, so die Erfahrung Sallers.<BR><BR>"Wegelagerer"</P><P>Die Überweisung verweigern dürfen auch Telefonkunden, die von Dialern ohne "Wegsurfsperre" über den Tisch gezogen wurden. Solche Programme versuchen ebenfalls, die neuen Schutzgesetze zu unterlaufen. Sie halten eine teure Internetverbindung auch dann noch aufgebaut, wenn der Surfer schon längst weitergezogen ist. Allein 25 000 dieser "Wegelagerer" hat die Regulierungsbehörde in letzter Zeit aus dem Netz vertrieben. Betroffene können auf der Internetseite www.regtp.de nachprüfen, ob die von ihnen genutzten Programme legal waren oder nicht. Für rechtswidrige Dialer entfällt die Zahlungspflicht.<BR><BR>Auslands-Dialer</P><P>Schwerer dürften es die haben, die einem der neuen Auslands-Dialer auf den Leim gehen. Dabei werden Internet-Verbindungen zu exotischen Staaten und Südseeinseln aufgebaut. Pro angefangener Minute nach Nauru (00 674-..) sind beispielsweise 1,49 Euro fällig. Schwacher Trost: Nach maximal 32 Minuten wird die Verbindung abgebrochen. Kunden, die eine solche Auslandsnummer in ihrer Telefonrechnung haben, sollten Einspruch einlegen. Der Netzbetreiber, die Deutsche Telekom, versprach zumindest Kulanz, meint Hugentobler. </P><P>Bei Problemen mit Spionage-Dialern oder anderen Tricksereien sollte man sich an die Regulierungsbehörde (Tel.: 0 18 05 / 34 25 37) oder die Verbraucherzentrale (Tel.: 089 / 53 98 70) wenden.<BR></P>

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