Neue Milliardenlöcher bei den Banken

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Frankfurt/Zürich/New York (dpa) - Die weltweite Finanzmarktkrise reißt neue Milliardenlöcher in die Bilanzen der Banken. Die Deutsche Bank will für das erste Quartal weitere 2,5 Milliarden Euro abschreiben, das sind mehr als die 2,3 Milliarden Euro Abschreibungen im gesamten vergangenen Krisenjahr.

Die Schweizer UBS kündigte Abschreibungen von umgerechnet rund zwölf Milliarden Euro an und will sich knapp zehn Milliarden Euro frisches Geld durch eine Kapitalerhöhung beschaffen. Der in die Kritik geratene UBS- Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel kündigte seinen Rückzug an. Nach Gerüchten über ihre Finanzkraft besorgte sich auch die viertgrößte US-Investmentbank Lehman Brothers frisches Kapital in Höhe von knapp 2,6 Milliarden Euro durch eine Aktienanleihe.

Die Börsen reagierten auf die Nachrichten mit einem Kursfeuerwerk. Die Deutsche-Bank-Aktien legten zeitweise mehr als vier Prozent auf 74,64 Euro zu, UBS-Papiere sprangen zeitweise bis zu knapp zwölf Prozent auf 20,55 nach oben. Händler sprachen von Erleichterung über die Ankündigungen und die Hoffnung, nun könne es nur noch besser werden. Bei der Deutschen Bank habe Vorstandschef Josef Ackermann in der vergangenen Woche zudem schon vor weiteren Abschreibungen gewarnt. Bankenprofessor Martin Faust von der Frankfurt School of Finance & Management rechnet aber mir weiteren Belastungen. Solange der US-Hypothekenmarkt und die US-Konjunktur sich nicht belebten, sei mit weiteren Abschreibungen zu rechnen. Eher sei sogar zu befürchten, dass die Kreditkrise auch das klassische Geschäft der Banken erfasse. "Die negativen Meldungen werden weiterhin kommen", sagte er der dpa.

Die UBS ist mit den erwarteten neuen Abschreibungen über 19 Milliarden Dollar (12 Mrd Euro) eine der am schwersten getroffenen Banken. Sie erwartet für das erste Quartal nun einen Nettoverlust von zwölf Milliarden Franken (7,6 Mrd Euro) - und will reinen Tisch machen: In einer eigenen Abteilung sollen die problembehafteten Positionen nun abgewickelt werden. Verwaltungsratschef Ospel wird beim Aktionärstreffen am 23. April nicht mehr für die Wiederwahl kandidieren. Nachfolger soll UBS-Chefjurist Peter Kurer werden.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die UBS Wertberichtigungen von 18 Milliarden Dollar vorgenommen. 2007 war die Schweizer Bank erstmals in ihrer Geschichte in die roten Zahlen gerutscht: Unter dem Strich verbuchte sie ein Minus von 4,4 Milliarden Franken. Die UBS hatte sich bereits nach diesen Milliarden-Abschreibungen frisches Geld beschaffen müssen: Der Singapurer Staatsfonds GIC sowie ein Investor aus dem Nahen Osten stiegen mit eine Kapitalspritze von 13 Milliarden Franken ein. GIC hält nun 8,8 Prozent der Bank.

Die Deutsche Bank begründete ihre neuen Abschreibungen mit der schwierigen Lage an den Finanzmärkten. "In den letzten Wochen haben sich die Bedingungen weiter erheblich verschlechtert", erklärte das größte deutsche Bankhaus. Die erwarteten neuen Abschreibungen bei der Deutschen Bank beziehen sich auf US-Hypothekenanleihen und die Finanzierung von Unternehmensübernahmen. Die Bank muss ihre Positionen jeweils zum Marktwert in den Büchern ausweisen. Bei sinkenden Märkten müssen dann Abschreibungen vorgenommen werden.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann erläuterte vor Investoren in London die Risikopositionen der Bank. Ende 2007 sei die Bank bei einem Großteil der 3,3 Milliarden Euro umfassenden Aktivitäten im Markt für Anleihen mit niedriger Bonität (subprime) abgesichert gewesen. Auch bei den Hypotheken etwas über dem Subprime-Niveau im Volumen von 7,9 Milliarden seien Risiken herausgenommen worden.

Ackermann hatte bereits in der vergangenen Woche vor weiteren Abschreibungen und rückläufigen Ergebnissen im Investmentbanking gewarnt. Das könnte das Ziel eines bereinigten Vorsteuergewinns von 8,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 8,7 Milliarden) infrage stellen, hatte es im Geschäftsbericht geheißen. Analysten versuchen nun zu schätzen, ob die Bank das erste Quartal mit Verlust abschließen könnte.

Bei Lehman Brothers hatten Spekulationen über die Lage der Bank den Aktienkurs seit Februar um rund 40 Prozent einbrechen lassen. Die Investmentbank hatte zuletzt einen scharfen Gewinneinbruch erlitten. Seit Ausbruch der Kreditkrise im vergangenen Sommer musste sie fast vier Milliarden Dollar abschreiben. Nach der Ankündigung frischen Kapitals in Höhe von vier Milliarden Dollar (2,6 Mrd Euro) reagierte die Aktie mit einem kräftigen Sprung. Sie legte um mehr als neun Prozent auf über 41 Dollar zu.

Nachdem die USA angesichts der Finanzmarktkrise die größte Reform der Finanzaufsicht seit der Depression in den 1930er Jahren angekündigt haben, mehreren sich auch in Europa Forderungen nach einer Neuorganisation der Aufsicht. "Wir brauchen eine sehr effiziente Koordinierungsstelle", sagte Bankenexperte Faust. Eine zentrale Finanzaufsicht in der Europäischen Union könne zwar in einer Krise nicht die Volkswirtschaft retten, aber zum Beispiel Vertrauen unter den Banken schaffen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht unterdessen eine weitere Eintrübung der Konjunkturaussichten. In Deutschland rechnet der IWF im Entwurf für den aktuellen Konjunkturausblick 2008 nur noch mit einem Wachstum von 1,2 Prozent statt der zuletzt erwarteten 1,5 Prozent. Ein entsprechender Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit" wurde am Dienstag in Regierungskreisen bestätigt. Für die USA wird nur noch ein Wirtschaftswachstum von einem halben Prozent prognostiziert statt der bisherigen eineinhalb Prozent.

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