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800 000 Starter-Kits mit den neuen Euro-Münzen hat die lettische Regierung ausgegeben. Doch als Kapitalanlage oder als Sammlerobjekt sind die schmucklosen Tütchen kaum geeignet, warnen Münzexperten.

Lettland tritt Eurozone bei

Neue Münzen – nicht für Sammler

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München - Lettland und Andorra haben jetzt den Euro – mit neuen Motiven auf den Geldstücken. Für Münzsammler war der Euro bisher eine Enttäuschung.

Münzliebhaber dürfen sich freuen: Gleich zwei Länder, Lettland und Andorra, geben seit dem 1. Januar neue Kursmünzen aus – von 1 Cent bis zwei Euro. Während die Menge im kleinen Andorra stark begrenzt ist, brachte die lettische Regierung 800 000 Starter-Kits in Umlauf, vor allem, um die neue Währung im skeptischen Volk bekannt zu machen. Doch lohnt es sich für Sammler, die neuen Euro-Münzen anzuschaffen? Und wie hat sich eigentlich der Wert der alten Starter-Kits entwickelt? Ein Überblick.

Der Zwergstaat Andorra hat gerade einmal 85 000 Einwohner – und ist kein Vollmitglied der Währungsunion. Das Münzrecht, so heißt es in der Titelgeschichte des Deutschen Münzen Magazins, erhält Andorra über seine „Mutterländer“ Spanien und Frankreich. Das Fürstentum darf maximal Münzen im Nennwert von rund 2,5 Millionen Euro jährlich in Umlauf geben – sie werden aufgrund ihrer begrenzten Anzahl ähnlich begehrt sein wie die Münzen aus Monaco, San Marino und dem Vatikan. Der Münchner Numismatiker Hubert Lanz weiß: „Kleinere Länder sind für Sammler immer interessanter.“ Auch die Zahl der Münzen aus Lettland, dem Zwei-Millionen-Einwohner-Staat im Baltikum, wird überschaubar sein.

Welche Motive zeigen die Münzen?

Weil Lettland laut Deutschem Münzen Magazin keine eigene Münzstätte hat, wird das neue Geld außerhalb hergestellt: Die Staatlichen Münzen von Baden-Württemberg bekamen den Zuschlag und prägten die gesamten 400 Millionen lettischen Euro- und Cent-Münzen der Startauflage 2014. Die 2- und 1-Euro-Münze ziert ein für die Letten altbekanntes Motiv: „Milda“, ein typisch lettisches Landmädchen, das bereits auf der alten Währung im Profil zu sehen war. Auf den neuen Cent-Münzen (50, 20 und 10) ist das große Landeswappen abgebildet. Auf den kupferfarbenen Münzen (1 bis 5 Cent) prangt das kleine Staatswappen unter drei fünfzackigen Sternen – ein Symbol für das geeinte Lettland mit den drei historischen Regionen Kurland, Livland und Lettgallen.

Die Euro-Münzen aus Andorra werden in den Mutterländern Spanien und Frankreich geprägt. Die 2-Euro-Münze zeigt das Landeswappen, auf dem 1-Euro-Stück ist die „Casa de la Vall“ zu sehen, der Sitz des andorranischen Parlaments. Auf den 10-, 20- und 50-Cent-Münzen ist die Kirche Sant Martí de la Cortinada abgebildet, die 1-, 2- und 5-Cent-Münzen zieren Pyrenäengämsen.

Lohnt es sich, ein Starter-Kit zu kaufen?

Münz-Experte Lanz dämpft die Erwartungen: „Mittelfristig hat sich gezeigt, dass das Sammeln von Starter-Kits nicht interessant ist.“ Bei den bisherigen Euro-Ländern habe sich kein Sammlergebiet entwickelt – weil damit nichts zu verdienen ist. Lanz selbst zählt zwar zu den größten Münz-Händlern auf der Internet-Plattform Ebay, vertreibt aber keine Starter-Kits der ersten Stunde – der Aufwand würde sich nicht lohnen. Sammlern sagt er: „Starter-Kits sind keine Kapitalanlage.“ Zudem eignen sich die schmucklosen Plastikbeutel nicht besonders gut zum Sammeln: Die Münzen können nicht in ein Album einsortiert werden.

Welche Starter-Kits sind am wertvollsten?

Die deutschen Starter-Kits sind nach Auskunft des Experten Lanz aus Sammler-Sicht „mausetot“. Der Preis hat sich nicht entwickelt, sie sind allenfalls als nette Erinnerung oder für Währungs-Liebhaber geeignet. Dass die meisten Starterkits zwölf Jahre nach Ausgabe nicht mehr wert sind als die Münzen, liegt an der hohen Auflage. Mehr als 50 Millionen Plastikbeutel wurden in Deutschland verteilt. Selbst in kleineren Staaten wie Finnland oder Luxemburg waren es noch 500 000 beziehungsweise 700 000 Starterkits. Bei Ebay erzielen die Beutelchen aus Irland noch geringfügig bessere Preise als die aus Deutschland. Liegt das daran, dass Irland eines der Euro-Krisenländer ist? „Nein“, sagt Experte Lanz. Eine Rolle spiele vielmehr, dass Irland klein ist.

Größere Nachfrage bei Gedenkmünzen

Deutlich begehrter als die Euro-Starter-Kits sind die Zwei-Euro-Gedenkmünzen, sagt Numismatiker Lanz. Erst kürzlich war er in Monaco, bei einer Münzbörse. In langen Schlangen standen Kunden an, um Sonderprägungen zu ergattern. Eine 2-Euro-Münze, fachgerecht verpackt, kann durchaus für 70 Euro gehandelt werden. Allerdings liegt der Ausgabepreis schon deutlich über dem Nennwert. Experte Lanz rät beim Kauf von vergoldeten Sondereditionen zur Vorsicht: Unter den Anbietern gibt es schwarze Schafe.

Carina Lechner

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