Neue Preisrunde beim Strom droht

- Deutschlands Stromverkäufer rüsten zur nächsten Preisrunde. Vom 1. Juli an müssen viele Verbraucher erneut mehr für den spannungsgeladenen Saft aus der Steckdose hinblättern. Rund 100 der insgesamt 1000 Energieversorger werden die Preise erhöhen, schätzt der Branchendienst Verivox.

Kritik kommt von allen Seiten. Verbraucherschützer und Politiker protestieren, fordern mehr Wettbewerb und rufen zum Wechsel des Anbieters auf. Die Industrie verweist unter anderem auf gestiegene Strombezugskosten.

39 Millionen Haushaltskunden gibt es nach Angaben des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) in Deutschland. Zwölf Millionen davon haben seit der Liberalisierung der Strommärkte 1998 günstigere Verträge abgeschlossen ­ rund zehn Millionen davon bei ihrem bisherigen Versorger. Nur etwas über zwei Millionen haben den Anbieter gewechselt ­ sechs Prozent. Zu wenig, findet der Bundesminister für Wirtschaft, Michael Glos: "Mein Appell: Vergleichen Sie Stromtarife und wechseln Sie zu dem für Sie günstigsten Anbieter." Der VDEW schlägt dagegen vor, sich vor einem Wechsel doch zunächst beim angestammten Versorger nach günstigeren Tarifen zu erkundigen.

Die Deutschen mussten in den vergangenen Jahren immer mehr für ihren Strom ausgeben. Bezahlte ein durchschnittlicher Drei-Personen- Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch 2002 noch 46,99 Euro im Monat, waren es im laufenden Jahr monatlich 59,38 Euro, also rund 26 Prozent mehr. Die Industrie betont, dass dafür auch die gestiegenen Steuern und Abgaben verantwortlich sind. Neben der Mehrwertsteuer sind dies etwa die Ökosteuer sowie Abgaben für umweltschonendere Energieerzeugung. Der Staatsanteil macht mittlerweile rund 40 Prozent des Strompreises aus.

Die meisten Unternehmen hatten bereits zum Jahresanfang im Zuge der Mehrwertsteuererhöhung ihre Preise erhöht, darunter auch die beiden größten Stromversorger Eon und RWE. Die beiden Unternehmen, die 2005 etwa einen Marktanteil von jeweils knapp 17 Prozent besaßen und zusammen knapp 18 Millionen Haushalte mit Strom beliefern, wollen zum 1. Juli nicht erhöhen.

Bei der bevorstehenden Preisrunde sehen viele einen Zusammenhang mit dem Wegfall der Genehmigungspflicht für Stromversorger zum gleichen Datum. Die Unternehmen sind künftig nicht mehr verpflichtet, ihre neuen Preise zuvor vom zuständigen Landeswirtschaftsministerium genehmigen zu lassen. Darauf hatte sich eine Mehrheit der Länder mit der Begründung geeinigt, dass die entsprechende Verordnung ein untaugliches Mittel gegen steigende Preise sei.

Der Bund der Energieverbraucher spricht dagegen vom Missbrauch einer Gesetzeslücke durch die Unternehmen. "Während die Aktionäre zufrieden die gestiegenen Dividenden einstreichen, verdummt man die Öffentlichkeit mit dem Märchen von den gestiegenen Kosten", hieß es. Die Verbraucherschützer empfahlen neben dem Anbieterwechsel, schriftlich Widerspruch gegen die Erhöhung einzulegen und sie nicht zu bezahlen.

Unterdessen drohen von anderer Seite neue Impulse für weitere Strompreisrunden. So hat der Bundestag am Freitag den Weg frei gemacht für mehr Klimaschutz und schärfere Auflagen für den Handel mit Verschmutzungsrechten beschlossen. Die Stromkonzerne werden stärker belastet und müssen vom kommenden Jahr an einen Teil ihrer Rechte zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) ersteigern. Damit drohen höhere Strompreise.

Wirtschaftsminister Michael Glos warnte die Energieversorger vor höheren Strompreisen. Sie hätten die bisher kostenlos verteilten Rechte zum CO2-Ausstoß weitgehend auf Preise aufgeschlagen, sagte ein Ministeriumssprecher. "Insofern wäre eine Versteigerung keine Rechtfertigung für Strompreiserhöhungen."

Die Stromversorger und die Industrie bekommen von 2008 bis 2012 noch Rechte für den Ausstoß von 453 Millionen Tonnen CO2. Bisher sind es 499 Millionen Tonnen. Ein Zehntel wird versteigert. Die Stromversorger erhalten einen Großteil weiter kostenlos.

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