Ostbahnhof ist für S-Bahnen wieder frei – noch immer herrscht Chaos

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Neue Rekordpreise an Tankstellen

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Hamburg/Berlin (dpa) - Die Benzinpreise steigen weiter: Mit der vierten Preisrunde innerhalb einer Woche haben die Mineralölkonzerne die Tankstellen-Preise am Freitag abermals auf einen Höchststand getrieben.

Der Liter Superbenzin kostete im bundesweiten Durchschnitt an Markentankstellen 1,48 Euro, Diesel erreichte ein neues Rekordhoch von 1,37 Euro je Liter, teilten Sprecher der Branche in Hamburg mit. Auch für Heizöl müssen Rekordpreise bezahlt werden. Hier werden für haushaltsübliche Mengen erstmals mehr als 70 Cent je Liter verlangt. Der Hamburger Energie-Informationsdienst (EID) ermittelte einen Durchschnittspreis von 72,4 Cent und damit um 3,4 Cent mehr als in der Vorwoche, in der bereits ein Rekordhoch zu verzeichnen war.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor einen von Automobil- und Wirtschaftsverbänden geforderten "Benzingipfel" abgelehnt. Sie habe nicht die Absicht, zu einem Krisengipfel einzuladen, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Er wies zugleich den Vorwurf zurück, der Staat würde angesichts der Rekordspritpreise zusätzlich abkassieren. Die Mineralölsteuer werde zu einem festen Preis je Liter erhoben. Es gebe zudem keine Hinweise auf Preisabsprachen der Mineralölkonzerne. Die steigenden Preise an den Zapfsäulen gingen vor allem auf die höhere Nachfrage zurück. Dies sei ein Schattenaspekt der boomenden Weltwirtschaft, sagte Steg.

Wegen der Rekordbenzinpreise hatten Auto- und Wirtschaftsverbände einen "Benzingipfel" gefordert. Der Sprecher des Auto Clubs Europa (ACE), Rainer Hillgärtner, sagte in Stuttgart, die Bundesregierung müsse jetzt für die gebeutelten Tankkunden eine Lanze brechen. "Wer wie Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in dieser Entwicklung nicht mehr sieht als ein leichtes Konjunkturrisiko, der ignoriert die prekäre Lage der Verbraucher an den Zapfsäulen und er setzt sich dem Verdacht aus, Kumpanei mit den Konzernen zu betreiben", sagte Hillgärtner.

Der Präsident des Automobilverbands AvD, Wolfgang-Ernst Fürst zu Ysenburg, sagte der "Bild"-Zeitung (Freitag): "Wir fordern einen Auto-Energie-Gipfel mit den maßgeblichen Größen aus Politik, Wirtschaft, Verkehr und Verbrauchern." Er sprach sich für eine bessere Lenkung und Kontrolle des Energiemarktes aus. "Denkbar ist etwa die Gründung einer staatlichen Energieagentur, die preisregulierend wirken könnte."

ADAC-Präsident Peter Meyer forderte, die Mineralölsteuer zumindest auf das Durchschnittsniveau der Nachbarländer zu senken. Immerhin 10 Cent würde Benzin dadurch billiger. "Wir können nicht zusehen, wie die Spritpreise jeden Tag neue Rekordmarken erklimmen und so die Mobilität jedes einzelnen Autofahrers in Deutschland immer weiter gefährdet wird."

Die Spediteure fürchten wegen der hohen Dieselpreise eine Pleitewelle auf die Branche zukommen. "Für kleine und mittelständische Transportunternehmen sind die exorbitanten Preissteigerungen eine Katastrophe", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), Karlheinz Schmidt, der dpa in Frankfurt. Die Kraftstoffkosten machten bei vielen Firmen rund ein Viertel der Gesamtkosten aus.

Unterdessen bestätigte eine Sprecherin von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), dass der von der Bundesregierung forcierte Einsatz von Biokraftstoffen für weitere Preissteigerungen sorgen wird. In der Neufassung des Immissionsschutzgesetzes solle das Klimaschutzziel verankert werden, bis 2020 den Anteil von Biokraftstoffen am gesamten Kraftstoffabsatz stufenweise auf 20 Prozent zu erhöhen, sagte die Sprecherin. Dies könne zu einem "leichten Anstieg" der Kraftstoffpreise führen.

Die Lage an den internationalen Rohölmärkten blieb am Freitag auch angesichts des schweren Herbststurms über der Nordsee, wo sich viele Förderplattformen befinden, angespannt. Die Ölpreise verharrten knapp unter ihren Rekordständen. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI mit Auslieferung im Dezember kostete 95,80 Dollar und damit 34 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Auch der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg leicht um 21 Cent auf 93,00 Dollar. Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hielt sich auf seinem Rekordniveau. Ein Barrel kostete am Donnerstag nach Berechnungen des OPEC-Sekretariats vom Freitag wie bereits am Vortag 90,71 Dollar.

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