Neue Rentensteuer: Jetzt droht auch noch Schwarzgeldfalle

- Rentnern, die bislang nicht alle Einkünfte bei der Steuer angegeben haben, droht bald Ärger mit dem Finanzamt. Ab 1. Januar gilt das neue Alterseinkünftegesetz, das mehr Rentner an die Steuerkasse bittet. Zugleich erhält das Finanzamt Kenntnis über sämtliche Rentenbezüge und inländische Konten. Eine goldene Brücke für Betroffene ist die Steueramnestie. Sie muss allerdings noch heuer beantragt werden.

<P>Wer einen Bogen um den Fiskus machen will, hat laut Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BDL) schlechte Karten: "Das Finanzamt erhält ab dem kommenden Jahr grundsätzlich Kenntnis über sämtliche Rentenbezüge der gesetzlichen Versicherungsträger und wird möglicherweise auch rückwirkend erfolgversprechende Fälle aufgreifen."</P><P>Einsicht in alle Konten</P><P>Ab 1. April hat die Finanzverwaltung außerdem Zugriff auf die Kontendatei, die beim Bundesamt für Finanzen geführt wird. Alle hierzulande geführten Konten sind darin erfasst.</P><P>Bekanntlich steigt ab Januar der steuerpflichtige Anteil aller gesetzlichen Renten, sodass mehr Rentner steuerlich belangt werden. Geld verlangt der Fiskus zunächst vor allem von jenen, die neben ihrer gesetzlichen Rente noch erhebliche Einkünfte aus anderen Quellen beziehen, wie zum Beispiel aus Vermietung, Zinsen oder Firmenrenten. Nicht auswirken wird sich die neue Besteuerung aber in der Regel für Rentnerhaushalte, deren Jahresbruttorente rund 18 700 Euro (bei Ledigen) nicht überschreitet. Bei Verheirateten liegt die Grenze bei rund 37 400 Euro, wie der Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BDL) erklärt. Laut Bundesfinanzministerium sind über drei Viertel der Rentner von der Neuregelung gar nicht betroffen.</P><P>Wie aber können Rentner, die steuerlich belangt werden und keine weiße Weste haben, ihre Steuerschulden zurechtrücken, um einer Strafe zu entkommen?</P><P>Straffreiheit sichern</P><P>Der BDL rät nicht nur Rentnern, das Angebot der Steueramnestie zu nutzen, sondern auch allen übrigen Steuersündern. Das Prinzip ist einfach: Wer seine Steuersünden offenbart, bekommt Straffreiheit zugesichert. Er muss allerdings gewisse Bedingungen erfüllen. Die Schwarzgeld-Einnahmen der Jahre 1993 bis 2004 müssen lückenlos offengelegt und bis Ende des Jahres pauschal mit 25 Prozent versteuert werden. Das sei "ein außerordentlich großzügiges Angebot" der Regierung, betont das Netzwerk Deutscher Erbrechtsexperten. Dessen Vorstandsvorsitzender Bernhard F. Klinger sagt, "dass reuige Steuersünder in diesem Jahr weitaus weniger an den Staat überweisen müssen als viele unbescholtene Bürger, die Jahr für Jahr für ihr legales Einkommen hohe Steuern gezahlt haben".</P><P>Wer die Frist für die Steueramnestie einhalten will, muss sich aber beeilen: Schon bis zum 28. Dezember müssen die Steuererklärungen für sämtliche Jahre der Steuerhinterziehung eingereicht sein, die daraus resultierende Schuld muss noch vor Ablauf dieses Jahres beglichen werden. Wer den Termin versäumt, kann eine Nachfrist bis zum 31. März nutzen, zahlt dann aber bereits 35 Prozent Steuern nach.</P><P>Erben Ärger ersparen</P><P>Die Steueramnestie zu nutzen, empfehlen die Erbrechtsexperten vor allem denjenigen, die Schwarzgeld zu vererben haben. So könne man seinen Erben eine Menge Ärger ersparen. "Die Erben übersehen", so Anwalt Klinger, "dass sie selbst zu Steuerhinterziehern werden, wenn sie aus geerbtem Schwarzgeld weiterhin Zinserträge erzielen, ohne sie zu versteuern."<BR><BR>Schrittweiser Übergang</P><P>Am 1. Januar fällt der Startschuss für den schrittweisen Übergang zu einem einheitlichen System der nachgelagerten Rentenbesteuerung. Im Jahr 2005 steigt der steuerpflichtige Anteil der gesetzlichen Rente zunächst auf 50 Prozent an. Dann erhöht er sich für die kommenden Rentnergenerationen ab dem Jahr 2006 Jahr für Jahr um zwei Prozentpunkte (bis 2020) und danach jährlich um einen Punkt (bis 2040). Im Gegenzug werden die Beiträge zur Gesetzlichen Rentenversicherung steuerlich entlastet. Ziel der Neuregelung ist es, Renten und Pensionen steuerlich gleich zu behandeln.<BR><BR></P>

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