Neue Rentensteuer: Wer über 40 ist und gut verdient, zahlt drauf

- Köln - Experten hatten es seit Jahren gefordert, das Bundesverfassungsgericht hat es durchgedrückt. Rentenbeiträge werden bis 2040 von der Steuer befreit, Rentenzahlungen werden besteuert. Wegen der komplizierten Details konnte bislang niemand sagen, wie sich das auswirkt. Eine Studie ergab nun: Gut Verdienende, die heute 40 Jahre oder älter sind, zahlen am Ende drauf. Sie haben wenig von der Steuerersparnis während des Berufslebens, werden aber mit voller Wucht von der künftigen Rentenbesteuerung getroffen.

<P>Die Studie wurde vom Deutschen Institut für Altersvorsorge gemeinsam mit Reinhold Schnabel, Professor an der Universität Essen, erstellt. Sie zeigt die Auswirkungen für Gering-, Durchschnitts- und Besserverdienende auf. Die Zahlenbeispiele beziehen sich auf Alleinstehende. Bei Verheirateten sind die doppelten Beträge anzusetzen.</P><P>Die Hälfte auf einen Streich<BR>Die Rechner aus dem Haus von Finanzminister Hans Eichel behalfen sich mit einem Trick: Weil die Hälfte der Beiträge vom Arbeitgeber gezahlt wurden und damit für den Arbeitnehmer steuerfrei waren, wird ab 2005 die Hälfte der Rente besteuert. Das spielt für Geringverdiener (Einkommen während des Erwerbslebens 20 000 Euro im Jahr) und Durchschnittsverdiener (30 000 Euro im Jahr) noch keine Rolle. Sie zahlen - wenn sie außer der Rente keine Einkünfte haben - weder nach der alten noch nach der neuen Regelung Steuern. Langfristig aber geraten auch Durchschnittsverdiener in den Bereich der Steuerpflicht. Denn bei jeder Rentenerhöhung schlägt der Fiskus voll zu. Wenn die Rente steigt, wird der gesamte Erhöhungsbetrag besteuert. 2020 muss ein Rentner, der 2005 mit 65 Jahren in Rente gehen wird, voraussichtlich 64,4 % der Rente versteuern. Doch erst 2045 (mit 105 Jahren) müsste er als Rentner erstmals Steuern zahlen: 109 Euro. Gut Verdienende (60 000 Euro im Jahr) starten mit einer Steuermehrbelastung von 917 Euro im Jahr 2005, diese steigt bis 2045 auf 4014 Euro.</P><P>Jahr für Jahr mehr Steuern<BR>Stärker noch steigt die Steuerbelastung mit jedem Jahr, das man später in Rente geht. Bis 2020 erhöht sich die Last für die jeweiligen Neu-Rentner jährlich um 2 %, dann bis 2040 in 1-%-Schritten. So zahlt, wer 2006 in Rente geht, auf 52 % der Rente Steuern, wer 2010 das Rentenalter erreicht, auf 60 % und wer 2039 diesen Schritt tut, auf 99 %.<BR>Geringverdiener zahlen auch dann noch nichts.<BR>Der Durchschnittsverdiener mit einem Ruhestandsbeginn 2025 startet mit einer Steuermehrbelastung von 357 Euro, die sich bis 2045 auf 560 Euro steigert. Wer 2045 in Rente geht, zahlt 914 Euro. <BR>Für gut Verdienende werden beim Renteneintritt im Jahr 2025 zusätzliche 2354 Euro fällig, 2045 sogar 6132 Euro.</P><P>Vorher Steuern sparen<BR>Von den Rentenbeiträgen bleiben im kommenden Jahr 60 % steuerfrei. Auch diese Zahl steigert sich in 2 %-Schritten auf 100 % im Jahr 2025. <BR>Das schlägt schon bei Geringverdienern durch: 85 Euro Steuerentlastung 2010 steigern sichbis 2040 auf 859 Euro. <BR>Bei Durchschnittsverdienern sind es 27 Euro (2005) bis 1581 Euro (2040).<BR>Die besser Verdienenden sparen 284 Euro (2005) bis 4590 Euro (2040).</P><P>Auf der hohen Kante<BR>Die Steuerersparnis auszugeben, stützt die Konjunktur, bringt aber Verzicht im Alter mit sich. Wer das Geld zurücklegt und für sich arbeiten lässt, kann der späteren Steuerbelastung entgegenwirken. Bei Gering- und Durchschnittsverdienern kommt unter dem Strich sogar ein Plus heraus (siehe Tabelle). Bleiben bis zu einem Renteneintritt 2035 noch 30 Jahre, lassen sich die Altersbezüge um rund 20 % steigern. Bei besser Verdienenden, die älter als 40 Jahre sind, ergibt die Studie unterm Strich einen Verlust. Menschen dieser Einkommensgruppe, die 2005 in Rente gehen zahlen beispielsweise 917 Euro im Jahr mehr, haben aber keine Chance, diesem Einkommensverlust vorzubeugen. Doch auch hier gilt: Jüngere, die Zeit haben fürs Alter vorzusorgen, profitieren überproportional.</P><P>Die Versicherungsfalle<BR>Der Einkommensverlust bei älteren Gutverdienenden kann sogar noch deutlicher ausfallen, als in der Tabelle dargestellt. Denn auf einige Anlageformen wie Betriebsrenten werden Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fällig. Schnabel warnt ausdrücklich davor, die Sozialversicherungspflicht noch auszuweiten: "Eventuelle Sozialbeiträge vermindern die Attraktivität der nachgelagert besteuerten Altersvorsorge erheblich", sagt er. Bei Durchschnittsverdienern ergäbe sich eine Grenzbelastung von 40 bis 50 %.</P><P>Zusatzeinkünfte<BR>Brisant wird die steuerliche Lage bei allen Zusatzeinkünften, die nun häufiger und eher steuerpflichtig werden. Dabei ist gleichgültig, ob es sich um Mieten, Pachten oder Zinsen handelt. Doch ist zu erwarten, dass die Finanzbranche entsprechende Produkte (etwa über Nutzung des Halbeinkünfteverfahrens) auflegen wird, die auf die neue Rechtslage zugeschnitten sind.</P>

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