Neue Schichten bei VW

- Wolfsburg - Bereits seit Monaten liefen die Verhandlungen über ein neues Arbeitszeitmodell bei Europas größtem Autobauer Volkswagen. Über lange Strecken schien es, als wären die Beratungen in Wolfsburg völlig verfahren. Doch dann hieß es am Montagabend plötzlich, ein Durchbruch sei erzielt worden. Die Einigung ist zwar noch nicht perfekt, aber jetzt offenbar zum Greifen nahe. Sie ist eine weitere Etappe auf dem Weg zu Kostensenkung und mehr Profitabilität bei VW.

Worum es geht, mag manchem als Petitesse erscheinen: Eine andere Arbeitsorganisation, der Wegfall bezahlter Pausen in der Früh- und Spätschicht, weniger Nachtschichten, höhere Produktivität. Betroffen sind nur die rund 18 000 Arbeiter im Stammwerk Wolfsburg, die den Golf V bauen. Dass sich Betriebsrat und Unternehmensspitze derart heftig in den Streit um solche Veränderungen verbissen haben, hängt wohl auch mit dem Klima und den Befürchtungen zusammen, die bei VW seit dem Amtsantritt von VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard entstanden sind.

"Alles kommt auf den Prüfstand", hat der Sanierer als Devise ausgegeben. Es gehe um nicht weniger als die Zukunft des Unternehmens. "Wir stehen am Scheideweg", sagt der neue Hoffnungsträger der Konzernleitung, der die Traditionsmarke noch in diesem Jahr aus den roten Zahlen holen will. Da hilft nur Durchgreifen.

Die Kosten sind zu hoch, um Autos auf den hart umkämpften und von Rabattschlachten bestimmten Weltmärkten profitabel zu verkaufen. Das zeigt sich vor allem in den USA, aber auch in China, wo die Konkurrenz VW das Leben schwer macht. Der Belegschaft in Wolfsburg, der es bisher noch deutlich besser geht als den Kollegen bei anderen Konzernmarken, geht Bernhard deshalb an die Privilegien. Und auch wenn das neue Arbeitszeitmodell nur 50 Millionen Euro Einsparungen bringt, so ist es doch ein weiterer Spar-Schritt - und sicher nicht der letzte.

Der Betriebsrat legte Wert auf die Feststellung, dass Arbeitszeit und Lohn übers Jahr gesehen gleich blieben. Aber er kommt auch nicht umhin, die Unternehmenslage zu berücksichtigen. Diese sei der Auslöser für die Veränderung des Arbeitszeitmodells, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh. Dabei sei auch die Strategie des Vorstandes zur "kostenoptimierten Auslastung der Standorte" zu bedenken. Danach werden Fahrzeuge künftig an dem Standort gebaut, an dem dies am günstigsten ist.

Wie schon bei der Einigung über den kleinen Geländewagen, der nach Zugeständnissen der Beschäftigten jetzt doch in Wolfsburg gebaut wird, so stand auch dieses Mal die Drohung der Konzernspitze im Raum, dass Produktion aus Wolfsburg abgezogen werden könnte. Weitere rund 5300 Arbeiter könnten überflüssig sein, wenn in Wolfsburg nicht die rund 100 000 Autos zusätzlich gebaut würden, die das Unternehmen jetzt versprochen hat. Diese Zusage sei für den Betriebsrat entscheidend gewesen, erklärte Osterloh.

VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder hat ohnehin schon einen "Personalüberhang" von mehreren tausend Beschäftigten allein in Wolfsburg ausgemacht. Er versichert zwar, dass er sich an den Tarifvertrag halten wird, der betriebsbedingte Kündigungen bis 2011 ausschließt. Aber er sagt auch: "Ich weiß, dass dies für die Mitarbeiter nicht angenehm ist. Wir müssen von den hohen Kosten runter, da gibt es kein Vertun."

Und so dürften die Arbeitszeitvereinbarungen, die jetzt bis zum 3. November endgültig geklärt werden sollen, noch nicht die letzten Beschlüsse in Sachen Sparkurs sein. Nach der Einigung über den kleinen Geländewagens kündigte VWs neuer Kostenkiller Bernhard schon an: "Das ist ein erster Schritt auf einem ganz langen Weg, den wir noch vor uns haben."

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