Leichter wird die Altersvorsorge nicht, wenn demnächst schon auf Fondsebene Steuern anfallen. foto: panthermedia

Gesetz gilt ab 2018

Neue Steuerregeln für Fondssparer

  • schließen

Ab 2018 gelten für Fondsanleger neue Steuergesetze. Die Neuregelung wird Erträge teilweise schmälern. Betroffen sind auch Anleger, die ihre Fondsanteile vor 2009 gekauft haben. Von einem Verkauf raten Experten trotzdem ab.

In den Sommermonaten haben Bundestag und Bundesrat – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit – dem neuen Investmentsteuerreformgesetz zugestimmt. Damit war die letzte Hürde für das von der Bundesregierung zu Jahresbeginn auf den Weg gebrachte Gesetz genommen. Fondssparer müssen sich künftig nicht nur mit neuen Begriffen „Teilfreistellungen“ herumschlagen, für einen Teil der Anleger kann das Fondssparen ab dem 1. Januar 2018 auch teurer werden. Die Stiftung Warentest spricht von einer „verdeckten Steuererhöhung“ für Kleinanleger. Und für Anleger, die ihre Fonds vor 2009 gekauft haben, wird der Bestandsschutz aufgehoben. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

-Warum hat die Bundesregierung das Gesetz geändert?

Bisher erfolgt die Besteuerung von Aktienfonds in Deutschland erst auf Ebene des Anlegers. Es wird praktisch so getan, als würde der Anleger beispielsweise Aktien direkt halten und nicht über einen zwischengeschalteten Fonds. Ausschüttungen aus dem Fonds werden bislang mit der Kapitalertragsteuer in Höhe von 25 Prozent besteuert. Für inländische Fonds sind erhaltene Dividenden steuerbefreit. Nach Angaben der Bundesregierung führe dies zu einer Ungleichbehandlung, sei ein erhebliches EU-rechtliches Risiko und verzerre zudem den Wettbewerb. Das Beratungsunternehmen Deloitte weist darauf hin, dass ab 2018 sowohl der Investmentfonds bestimmte Einnahmen mit der Körperschaftsteuer besteuern muss, zusätzlich wird der Anleger der Besteuerung unterworfen.

-Wer ist von der neuen Regel betroffen?

Die Neuregelung kann Kleinanleger genauso treffen wie Vermögende, die vor 2009 einen Fonds gekauft haben. Indirekt betroffen sind zudem Besitzer von Renten- und Lebensversicherungen. Einfachere Regeln gibt es für Käufer von sogenannten ausländischen thesaurierenden Fonds – also Fonds, bei denen die im Ausland erwirtschafteten Erträge wieder im Fondsvermögen angelegt wurden.

-Was genau ändert sich für Kleinanleger?

Nach Angaben der Zeitschrift Finanztest (Heft 10/2016) müssen alle deutschen Fonds ab 2018 für Dividenden, Mieterträge und Verkaufsgewinne auf inländische Immobilien 15 Prozent Körperschaftssteuer plus Solidaritätszuschlag abführen. Nachdem die Erträge auf Fondsebene besteuert wurden, werden sie an die Anleger ausgeschüttet. Um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden, sieht das Gesetz sogenannte Teilfreistellungen vor. Die Zeitschrift Finanztest weist aber darauf hin, dass diese als Ausgleich gedachten Teilfreistellungen ausgerechnet Kleinsparern nichts nützen: Wer den Sparerpauschbetrag nicht ausschöpft, also weniger als 801 Euro an Kapitalerträgen aus seinen Fonds bezieht (bei Ehepaaren 1602 Euro), wird künftig indirekt auf Fondsebene besteuert. Entsprechend analysieren die Experten von Finanztest: „Zu den Verlierern der Reform gehören Kleinsparer mit deutschen Fonds.“

-Was ändert sich für Anleger, die ihr Geld in Immobilienfonds investiert haben?

„Sparer, die ihr Vermögen in offenen Immobilienfonds angelegt haben, werden schlechtergestellt“, erklären die Finanztest-Experten. Denn künftig müssten Immobilienfonds Körperschaftssteuer auf Mieterträge zahlen. Ab 2018 entfalle zudem die Haltefrist bei inländischen Immobilien. Haltefrist bedeutet: Bislang zahlen Fonds den Angaben zufolge keine Steuern auf Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien, die sie zehn Jahre im Bestand hatten. „In Zukunft werden diese Gewinne grundsätzlich steuerpflichtig“, heißt es. Aber auch hier greift wieder eine Teilfreistellung. Lediglich Immobilien, bei denen bis zum 1. Januar 2008 die zehnjährige Haltefrist abgelaufen sei, blieben für den Fonds und für den Anleger steuerfrei. „Welche das sind, muss die Fondsgesellschaft ermitteln“, so die Tester.

-Wie werden Anleger belastet, die ihre Fonds vor längerer Zeit gekauft haben?

Bisher gilt für Fondsanteile, die vor dem 1. Januar 2009 gekauft wurden, eine Sonderregel: „Diese sind bislang in ihrer Wertentwicklung bei einer Veräußerung steuerfrei“, erklärt die Grafinger Finanzexpertin Stefanie Kühn. Grund dafür ist ein Bestandsschutz. Mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes ist damit Schluss: Ende 2017 fällt dieses Steuerprivileg, ab 2018 werden auch diese alten Anlagen besteuert. Möglich macht das ein juristischer Trick: „Vereinfacht gesagt, gelten alle Investmentfondsanteile mit dem 31. Dezember 2017 als veräußert und am 1. Januar 2018 als neu angeschafft, ohne dass ein echter Verkauf stattfindet“, erklärt Kühn. Kursgewinne, die ab 2018 anfallen, werden damit besteuert – aber erst ab einer gewissen Höhe. Zum Schutz der Anleger, die ja im Vertrauen auf die Bestandsschutzregel ihre Anlagen getätigt hätten, gebe es einen Freibetrag von 100 000 Euro, sagt Kühn. „Nur wenn dieser Freibetrag überschritten wird, fällt die Steuer an“, erklärt sie. In einer Beispielrechnung zeigt Kühn aber, dass dies schneller passieren kann, als man denkt: Wenn ein für 50 000 Euro gekaufter Alt-Fonds aus den Jahren vor 2009 im Jahr 2018 einen Wert von 100 000 Euro erreichen würde (so wie sich der Dax- Stand von Ende 2008 bis heute ungefähr verdoppelt hat) und sich die Kurse in den folgenden zehn Jahren wieder so entwickeln, wäre der Freibetrag damit ausgeschöpft, weitere Kursgewinne müssten versteuert werden. „Dies könnte daher mehr Menschen treffen als bislang gedacht“, befürchtet Kühn.

-Welche Folgen hat das Gesetz für Besitzer von Renten- und Lebensversicherungen?

„Die neue Fondsbesteuerung hat indirekt negative Folgen für alle Sparer mit fondsgebundenen oder klassischen Lebens- oder Rentenversicherungen und Fondsanlagen im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung“, haben die Finanztest-Experten festgestellt. Grund dafür: In diesem Fall greift die Teilfreistellung nicht. Aber in den Versicherungen stecken Fonds, deren Erträge wegen der neuen Besteuerung künftig geringer ausfallen. Zwar sollen Altersvorsorgeverträge wie Riester- und Rürup-Fondssparpläne für Sparer in der Ansparphase weiterhin steuerfrei bleiben, „aber in der Praxis wird es kompliziert“, warnen die Experten. Künftig müsse der Investmentfonds die Steuerbefreiung für Anteile von Riester- und Rürup-Sparern extra beantragen – ein Verfahren, das der deutsche Fondsverband laut Finanztest als „zu aufwendig“ und der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft für „nicht umsetzbar“ hält. Daher sei zu befürchten, dass der zusätzliche bürokratische Aufwand für An- und Verkäufe von Millionen Sparern Riester- und Rürup-Fonds-Policen letztlich verteuert und damit die Erträge entsprechend vermindert.

-Womit müssen Käufer ausländischer thesaurierender Fonds rechnen?

„Ein ausländischer Fonds wird in Zukunft so einfach wie ein inländischer zu handhaben sein“, erklären die Finanztest-Experten. Demnach mussten Besitzer von ausländischen Fonds, die laufenden Erträge im Fondsvermögen wieder anlegen (thesaurieren), ihre Steuern bislang aufwendig selbst ermitteln und liefen Gefahr, doppelt besteuert zu werden. „Für die Steuererklärung muss der Sparer nicht mehr alle Informationen zum Fonds selbst beschaffen und im Zweifelsfall über Jahre aufbewahren“, schreiben die Experten.

Künftig werde ohne das Zutun des Anlegers bei thesaurierenden Fonds Steuern vorab pauschal abgeführt – egal, ob die Fonds im In- oder Ausland aufgelegt seien.

-Ist es sinnvoll, den Fonds zu verkaufen, bevor die neuen Steuer- regeln in Kraft treten?

Nein, sagen die Experten von Finanztest. Sie raten dazu, den Fonds zu behalten. „Zu einer gemischten Geldanlage gehören Aktienfonds. Selbst wenn die neuen Steuerregeln Verschlechterungen bringen, ist das kein Grund, auf Fonds zu verzichten.“ Auch die Finanzexpertin Kühn rät: Für das langfristige Sparen bleibe ein Aktienfonds trotz der neuen Steuerregelung eine der besten Anlagemöglichkeiten. Beim Fondsverband BVI heißt es, dass die Attraktivität von Fonds und ETFs durch das neue Gesetz nicht beeinträchtigt sei.

-Machen die Staatshaushalte ein Geschäft auf Kosten der Fondssparer?

Nein, heißt es beim Bundesfinanzministerium. Laut einer Berechnung des Ministeriums, die unserer Zeitung vorliegt, werden die Staatshaushalte von Bund, Ländern und Gemeinden im Jahr 2018 voraussichtlich zwar ein Plus in Höhe von fünf Millionen Euro verbuchen. In den beiden Folgejahren rechnet das Ministerium bedingt durch die Teilfreistellungen allerdings mit einem Minus: Im Jahr 2019 werde die Reform den Steuerzahler 65 Millionen Euro kosten, im Jahr 2020 sogar 90 Millionen Euro. Erst in den Jahren 2021 und 2022 werden die Haushalte wieder 30 Millionen Euro beziehungsweise 35 Millionen Euro an Gewinn einfahren. Ob langfristig weiterhin Mehreinnahmen in dieser Größenordnung zu erwarten sind, geht aus der Berechnung nicht hervor. Derzeit lasse sich dies seriös auch nicht abschätzen, sagt ein Ministeriumssprecher.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Chinas Autobauer Great Wall will Fiat-Marke Jeep kaufen
Dank der langen Geschichte ist Jeep ein wertvoller Teil des Fiat-Chrysler-Konzerns. Der chinesische Hersteller Great Wall hat nun offizielle Interesse an der …
Chinas Autobauer Great Wall will Fiat-Marke Jeep kaufen
Justiz: Keine Ermittlungen gegen Audi-Chef Stadler
Die Justiz in München und den USA hat den Audi-Ingenieur P. in der Dieselaffäre ins Visier genommen. Der packt aus. Für seine Verteidiger ist die Sache klar - für die …
Justiz: Keine Ermittlungen gegen Audi-Chef Stadler
Edeka räumt Regale leer - um ein klares Zeichen zu setzen
Große Verwunderung gab es am Samstag in der Hamburger Hafencity. Dort war ein Edeka-Supermarkt wie leer gefegt - und das mit Absicht. 
Edeka räumt Regale leer - um ein klares Zeichen zu setzen
Starinvestor Buffett unterliegt im Wettbieten um Oncor
Dallas/San Diego (dpa) - Der US-amerikanische Starinvestor Warren Buffett hat beim Bieterwettkampf um den texanischen Stromanbieter Oncor den Kürzeren gezogen.
Starinvestor Buffett unterliegt im Wettbieten um Oncor

Kommentare